Mit der Premiere des Musicals „Monty Python’s Spamalot“ feierte auch die Sommerbühne am Gaswerk eine erfolgreiche Premiere. Wir haben die neue Bühne, die es nur dieses Jahr gibt, vorab mit der Bühnenbildnerin Sina Manthey angesehen.
Regisseurin Anna Weber brachte sie mit nach Augsburg. „Sonst mache ich mit Anna viel Oper, dann kommen alle Mitwirkenden aus dem Opernbereich. Dann ist das was anderes, als wenn man so eine Gruppe hat, die Spezialistinnen und Spezialisten in den unterschiedlichsten Bereichen sind“, freut sich die Berlinerin über ihre Premiere mit Musicaldarstellern, Tänzerinnen, Sängern und Schauspielerinnen.
Hier in Augsburg, auf ihrer ersten Open Air Bühne, will sie es krachen lassen: „Die generelle Ästhetik bei dem Stück ist fantastisch, poppig, humorvoll, bunt. Deswegen arbeiten wir nicht nur mit vielen Lichteffekten, sondern auch mit Nebel und Pyro-Technik.“
Ursprünglich hatte Manthey für die Kulisse am Roten Tor geplant, inklusive Bühnenbesichtigung. „Ich habe diese starken Farben und dieses Kulissenartige als Kontrast zu den historischen Gemäuern am Roten Tor gestaltet und war erstmal besorgt, ob der Entwurf jetzt auch in das neue Setting passt. Aber es macht genau das, was ich mir auch am Roten Tor erhofft habe, nämlich einen Kontrast zum Areal. Und hier ist es eben eher in diesem Industrial Gelände angesiedelt“, schwärmt sie. „Für die Augsburger ist es natürlich schade. Und ich glaube schon, dass wir ein bisschen mehr dafür tun müssen, dass die Leute hier rauskommen.“
Sina Manthey: „Auf einer Freilichtbühne kann man nie klein arbeiten“
Die kleinere Zuschauerzahl am Gaswerk (1200 statt knapp 2000 am Roten Tor) mache keinen riesigen Unterschied: „Auf einer Freilichtbühne kann man nie klein arbeiten. Das haben wir auch gemerkt, als wir von der Probebühne auf die Freilichtbühne gekommen sind. Man muss die ganze Zeit 100 Prozent geben und riesig spielen, sonst geht das Stück verloren.“
Eine weitere Herausforderung auf der Open Air Bühne ist der Wind: „Den muss man immer mitdenken!“, erzählt Manthey. Deshalb sind die Kulissen aus dickeren Platten und wetterfest gebaut. Und die Technik-Türme sind mit Wasser-Containern und Gewichten beschwert.
Da kann die „Hand Gottes“ schon mal wanken. Die ist keine Video-Einspielung wie in anderen Versionen des Musicals, sondern in Augsburg viel „plakativer“: Aufblasbar, elf Meter hoch, aus leichtem Stoff. Solche Überarbeitungen wie die Inflatable-Hand oder eine Nebenrolle von „Sir Falsches Stück“ in „Sir Frauenquote“ umzubenennen, mussten sich die Macherinnen der Augsburger Version erst vom Verlag des Originals absegnen lassen.
In Mantheys bisherigen Indoor-Arbeiten ist die Bühne oft ganz dunkel und nur einzelne Teile vom Bühnenbild stechen „geheimnisvoll-malerisch“ (sagt sie) hervor, etwa in Neonfarben. Sogar auf einer Bühne unter freiem Himmel geht das. „Es ist ein bisschen komplizierter und erst ab Sonnenuntergang so richtig möglich, aber ich versuche auch hier dieses Magische, was mich auch am analogen Theater sehr interessiert, auf die Bühne zu bringen.“
In „Spamalot“ werden aneinandergeschlagene Kokosnüsse als „Pferdehufe“ genutzt. Zusätzlich gibt es aber auch das Stoffpferd Concorde, gespielt von Mehdi Salim und einem Statisten. Und ein Pferdeballett, für das Balletttänzer als Pferd verkleidet sind.
Das Publikum bejubelte die „Spamalot“-Premiere am Gaswerk. Die Nietenhüllen des Ritterhelms sind 3D-gedruckt, darunter LED-Panels. Auch die „Pupillen“ leuchten.
Die elf Meter hohe aufblasbare „Hand Gottes“ wiegt auch verpackt wenig. Sie kommt von einer Air Promotion-Firma. Damit sie nicht kippt, halten die Darsteller sie an genauen Positionen an Seilen fest. Der Stoff ähnelt einer Windjacke.
Blick von der Kulisse in den Zuschauerraum.
Im Pool sind Türen und eine Leiter versteckt. Darin wird Nebel so angeleuchtet, dass er Wasser ähnelt. Die Kostüme wie die der Ballett-Meerjungfrauen, die „die Fee aus dem See“ (Katja Berg) begleiten, passen zum Bühnenbild.
Oben auf dem Container lässt sich eine kleine Tür öffnen. Nach dem Stunt-Sprung fällt man aber weich auf diese Matte – unsichtbar fürs Publikum.
Im „Zauberbaum“ können 450 Lichtpunkte, einzeln gebohrt & verlötet, angesteuert werden – für Effekte wie Lichtwellen.
Im Bühnenbild finden sich recycelte Überbleibsel von „Turandot“ (2024). Sie werden zwar nicht wie geplant auch dafür verwendet, aber die Rundungen in „Spamalot“ orientieren sich zum Beispiel am „Turandot“-Bühnenbild.
Blick backstage: Im Reinigergebäude sind unter anderem die Kostüme untergebracht. Die Maske dagegen in Containern der Stadt.
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