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Donnerstag, 04. Juni 2026

Robin Fellhauer: „Wir wussten, dass wir jeden schlagen können“

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Robin Fellhauer ist unser FCA-Spieler der Saison. Im großen AJ-Interview spricht der 28-jährige Dauerbrenner über seine erste Bundesligasaison, den Trainerwechsel von Sandro Wagner zu Manuel Baum, den magischen Sieg in München und die riesige Vorfreude auf seinen Ex-Klub Elversberg.

Augsburg Journal: Herr Fellhauer, vor der Saison haben wir schon einmal miteinander gesprochen. Damals sagten Sie, Ihr Hauptziel sei es, Spielzeit zu bekommen und zu zeigen, dass Sie auf Bundesliga-Niveau mithalten können. Nun haben Sie fast jedes Spiel absolviert und nach Torhüter Finn Dahmen die meisten Minuten gesammelt. Hätten Sie damit gerechnet?

Robin Fellhauer: Nein, absolut nicht. Das war damals schon mein voller Ernst. Ich kam aus der 2. Bundesliga, hatte den Vergleich nicht und konnte das Niveau nicht richtig einschätzen. Umso glücklicher bin ich jetzt nach dieser Saison, dass ich fast in jedem Spiel auf dem Platz stand oder stehen durfte.

AJ: Wir als Augsburg Journal haben Sie zu unserem FCA-Spieler der Saison gekürt, auch wegen Ihrer enormen Flexibilität. War Ihre Vielseitigkeit vielleicht der Hauptgrund für diese viele Spielzeit?

Fellhauer: Das müssten Sie am besten den Trainer fragen (lacht). Aber ich glaube schon, dass es von Vorteil ist, wenn man mehrere Positionen spielen kann. Der Trainer hat häufiger mal gesagt, dass ich so ein „Schweizer Taschenmesser“ bin. Das hatte Keven Schlotterbeck vor der Saison ja auch schon erwähnt. Es ist auf jeden Fall kein Nachteil und sicher ein Grund, warum ich auf so viel Spielzeit gekommen bin.

AJ: Blicken wir auf die ereignisreiche Saison zurück. In der Hinrunde gegen den FC Bayern gab es diesen heftigen Zusammenprall mit Sacha Boey. Erzählen Sie uns kurz, wie Sie das erlebt haben.

Fellhauer: Ich hatte ein bisschen Glück im Unglück, dass ich nicht direkt an der Schläfe getroffen wurde, sondern leicht unterhalb vom Auge. Unter dem Auge gibt einen Bereich, so haben es mir die Ärzte erklärt, wenn der getroffen wird, sorgt das relativ schnell dafür, dass man das Bewusstsein verliert. Das war bei mir der Fall, deshalb weiß ich von der Szene selbst nichts mehr, kenne nur noch die Videos und Erzählungen. Ich bin erst auf der Physio-Liege wieder wach geworden, als mir die Lippe genäht wurde.

Robin Fellhauer: „Mein Kopf hat sich dann aber sehr gut erholt“

AJ: Wie ging es in den Tagen danach weiter?

Fellhauer: Ich war ein paar Tage etwas benommen, hatte aber das Glück, dass genau dann Länderspielpause war. So hatte ich gut zehn Tage Zeit, mich zu erholen. Wir sind mit den Ärzten das „Return-to-Play“-Protokoll step by step durchgegangen. Das Ziel war natürlich, schnell wieder auf dem Platz zu stehen, aber ohne den Druck, direkt im nächsten Spiel funktionieren zu müssen. Mein Kopf hat sich dann aber sehr gut erholt, sodass ich von Ärzte- und Physioseite grünes Licht bekam, mit Maske zu spielen.

AJ: Hatte der Vorfall mental noch Nachwirkungen? Zieht man im nächsten Kopfballduell vielleicht unbewusst zurück?

Fellhauer: Nein, gar nicht. Ich kam im Spiel gegen den FC St. Pauli zur Halbzeit rein und hatte direkt in den ersten fünf Minuten ein Kopfballduell, in das ich reingehen musste. Da habe ich sofort gemerkt: Okay, ich habe keine Angst, es tangiert mich nicht. Ich konnte ganz normal weitermachen wie zuvor.

AJ: Im Dezember gab es den Wechsel auf der Trainerbank. Sandro Wagner ging, Manuel Baum kam. Was hat sich für Sie persönlich und für das Team geändert?

Fellhauer: Für mich persönlich hat sich von der Spielzeit her wenig geändert, weil Manuel Baum mir direkt signalisiert hat, dass ich ein wertvoller Spieler für ihn bin. Er hat mir aber klar gesagt, dass er mich primär auf der rechten Schiene sieht und nicht unbedingt möchte, dass ich so viele Positionswechsel drin habe. Für die Mannschaft hat der Trainerwechsel neuen Schwung gebracht. Wir haben am System gearbeitet, standen sicherer und sind etwas weniger ins Risiko gegangen. Wir haben das Mittelfeld schneller überbrückt, wodurch wir weniger Fehler in der eigenen Hälfte gemacht und den Gegner nicht mehr so zu Toren eingeladen haben. Dadurch sind einige Spieler noch mal an ihre Leistungsgrenze gekommen.

AJ: War die Festlegung auf die rechte Außenbahn eine große Umstellung für Sie? Eigentlich sehen Sie sich ja im zentralen Mittelfeld am stärksten.

Fellhauer: Eine riesige Umstellung war es nicht. Ich habe in Elversberg in der 3. Liga und teilweise in der 2. Liga auch schon auf der rechten Schiene oder als rechter Außenverteidiger gespielt. Ich wusste also, was auf mich zukommt, nur eben mit einer anderen Qualität auf der Gegnerseite.

AJ: Ein absolutes Highlight war der 2:1-Sieg im Rückspiel gegen die Bayern im Januar. War das für Sie der Moment der Saison?

Fellhauer: Ja, definitiv. Wir waren in dieser Saison die einzige Mannschaft, die Bayern in der Allianz Arena geschlagen hat. Das ist ein Erfolg, der für sich spricht. Das war auch der Moment, in dem man innerhalb der Mannschaft gemerkt hat, was für uns in dieser Konstellation eigentlich alles möglich ist.

AJ: Hat das den Grundstein für diese starke Rückrunde mit 28 Punkten gelegt? Wusstet Ihr danach: Wir können jeden schlagen?

Fellhauer: Uns war schon davor bewusst, dass wir jeden schlagen können, wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, weil wir einfach eklig zu bespielen sind. Wir sind eine Mannschaft, gegen die keiner gerne antritt. Aber nach diesem Sieg in München war dieser Gedanke einfach noch mal einen Tick tiefer in den Köpfen verankert.

AJ: Vor der Saison meinten Sie bescheiden, Sie müssten als Neuling nicht sofort der große Lautsprecher in der Kabine sein. Sind Sie durch Ihre Leistungen nun in eine Führungsrolle hineingewachsen?

Fellhauer: Ja, ein bisschen schon. Ich bin da relativ schnell reingerutscht. Nicht, weil ich plötzlich der große Lautsprecher in der Kabine bin oder auf dem Platz viel rumschreie, sondern weil ich einfach versucht habe, mit Leistung vornewegzugehen. Gegen Ende der Saison war ich dann definitiv mit in dieser Führungsrolle drin.

Robin Fellhauer: In die neue Führungsrolle reingerutscht

AJ: Es heißt oft, das zweite Bundesliga-Jahr sei das schwerste. Wie gehen Sie die neue Spielzeit an?

Fellhauer: Jetzt wird sich erst einmal erholt. Dann gehe ich mit dem Anspruch in die Vorbereitung, die gleiche Spielzeit wieder zu bekommen wie in dieser Saison, und vom Leistungsniveau sogar noch mal einen Schritt nach vorne zu machen.

AJ: Ein besonderes Wiedersehen gibt es nächste Saison mit der SV Elversberg, die sensationell in die Bundesliga aufgestiegen ist. Haben Sie schon gratuliert?

Fellhauer: Ja, wir haben schon relativ viel telefoniert. Die Jungs feiern gerade auf Mallorca, da habe ich auch schon den einen oder anderen Anruf bekommen. Sie waren ein bisschen traurig, dass ich nicht dabei bin. Aber ich habe gesagt: Das holen wir nächste Woche auf der Hochzeit meines ehemaligen Mitspielers und Nachfolgers als Kapitän (Lukas Pinckert Anm. d. Red.) nach, da sehe ich einen Großteil der Jungs wieder. Dann feiern wir den Aufstieg nochmal zusammen.

Robin Fellhauer: „Dem Klub habe ich viel zu verdanken“

AJ: Wie groß ist die Vorfreude auf das direkte Duell?

Fellhauer: Riesig. Es ist wie ein Nach-Hause-Kommen. Das ist ein Verein, der mir sehr viel gegeben hat, bei dem ich sechs Jahre spielen durfte und den Weg aus der Regionalliga in die 2. Liga mitgemacht habe. Dem Klub habe ich viel zu verdanken. Deshalb ist die Vorfreude, gerade auf das Auswärtsspiel in Elversberg, extrem groß.

AJ: Ein kurzer Blick noch auf Ihren Ex-Trainer Horst Steffen, der nun bei Werder Bremen war, sich dort aber nicht lange halten konnte. Hat Sie das überrascht?

Fellhauer: Wir kamen sehr, sehr gut aus, ich war in meinem letzten Jahr in Elversberg so ein bisschen seine rechte Hand. Dass es in Bremen so schnell zu Ende geht, hätte ich vor der Saison nicht gedacht. Warum es nicht funktioniert hat, kann ich aus der Ferne schwer einschätzen. Aber so wie es am Ende lief, tat es mir für ihn wirklich leid.

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