Mit dem Brechtfestival 2026 gibt es für drei Jahre eine neue Leitung: Sahar Rahimi und Mark Schröppel folgen auf Julian Warner. Rahimi, 44, wohnt aktuell im Brechthaus, sonst mit ihrer Familie und Mann Marc André Schmachtel, 46, in Athen. Aufgewachsen ist sie in München. Schröppel, 42, ist in Augsburg geboren und aufgewachsen, wo seine Eltern noch immer leben. Er wohnt mit Kind und Partnerin Dasniya, 45, in Berlin.
Der Titel dieses Festivals ist „ALLE“: „Wie lässt sich ein Festival so gestalten, dass es neugierig macht, mitreißt, verbindet – und möglichst niemanden ausschließt? Das Raum für Experimentelles, Ungewöhnliches und Provokantes hat? Das Minderheiten mitnimmt, Mehrheiten dabei aber genauso abholt?“, fragen die Künstler. „Angesichts globaler Krisen wollen wir einen Ort schaffen, an dem Gemeinschaft entsteht und neue Bündnisse möglich werden. Wenn ALLE zusammenkommen, wenn ALLE zusammenhalten – was passiert dann?“
Das AJ hat sich das Motto zu Herzen genommen und ein kleines Frage-Antwort-Spiel daraus gebastelt (siehe Interview rechts). Die Antwortoptionen für Rahimi und Schröppel : „Ich“ – „Sie“ – „Er“ – „Niemand“ – oder eben das titelgebende „Alle“. Wie man sieht: Die beiden haben sich auf dem schicken roten Sofa im Brechthaus brechtig amüsiert – wir wünschen viel Spaß beim Schauen und Lesen!
ALLE aufs Sofa für unser AJ-Interview fast ohne Worte!
Das erste Brechtfestival!
Wer von Ihnen beiden ist nervöser?
Rahimi: Weil wir arbeiten, so gut wir können, ein tolles Team und viele gute Partner:innen haben, es Spaß macht, und uns einfach total aufs Festival freuen! Es ist eher eine große Aufregung und Freude.
Schröppel: Seh ich auch so. Die Aufregung war eher im Vorfeld. Aber jetzt haben wir im Team zusammen die bestmögliche Auswahl getroffen und ich bin neugierig, wie das Publikum es aufnimmt.
Wer kam früher mit B. B. in Kontakt?
(beide lachen) Rahimi: Du bist in Augsburg geboren, da kriegt man doch Brecht mit der Muttermilch mit!
Schröppel: Ach, so stimmt das natürlich! Ich hab gedacht, auf einem reflexiven Niveau. Ich kann mich noch an den Streit erinnern, ob die Uni in Bertolt-Brecht-Universität umbenannt werden soll.
Rahimi: Ich hab so mit 20 in Berlin die „Arturo Ui“-Inszenierung von Heiner Müller gesehen. Ich war total hin und weg. Neben mir saß eine Schweizer Ärztin, die das zum 32. Mal ansah.
Festivaltitel „Alle“:
Wer hat Familie & Freunde eingeladen?
Rahimi: Meine Familie kommt extra aus Athen, wo ich wohne, mein Vater kommt aus München und meine Mutter vielleicht aus dem Iran.
Schröppel: Meine Eltern wohnen in Augsburg, meine Partnerin und mein Kind in Berlin, die kommen auch. Meine Schwester wohnt in Hamburg, die reist auch an.
Mark Schröppel ist in Augsburg aufgewachsen, Sahar Rahimi nicht. Wie sehen sie die Stadt?
Der eine ist in Augsburg aufgewachsen, die andere nicht: Wem gefällt die Stadt heute besser?
Rahimi: Ich kann Augsburg richtig gut leiden! Ich lauf gerne durch die Straßen, mag das Flair, die Art, wie die Augsburger entspannt sind miteinander. Ich mag die Offenheit, die Gespräche, und dass die Augsburger neugierig sind aufs Festival!
Schröppel: Ich komme von hier, weiß, wie die Leute früher waren. Aber Augsburg ist offener und vielfältiger geworden. Viel spontaner, toleranter und neugieriger.
Wenn Sie ihn getroffen hätten:
Wer wäre mit Brecht befreundet?
Schröppel: Ich könnte mir vorstellen, dass ich von seinen negativen Seiten nicht so genervt gewesen wäre wie Sahar.
Rahimi (lacht): Ich glaube, ich hab‘s im privaten Umgang nicht so mit Genie-Künstlern. Ich glaube, dass die meiste Kunst im Kollektiv entsteht. Was ja bei Bert Brecht auch so war. Aber unsere Egos würden sich nicht gut verstehen.
Einige Highlights beim Brechtfestival 2026:
- Das Festivalherz in der Karo 10 am Rathausplatz. Hier gibt‘s ein inklusives Festival-Café, der Keller wartet mit Kunstausstellungen und Partys auf. Im ersten Stock gibt‘s unter der Woche kreative Workshops für Kinder und Jugendliche.
- Das Staatstheater beteiligt sich als wichtigster institutioneller Partner mit mehreren Veranstaltungen, etwa der Neuproduktion der „Dreigroschenoper“ (Regie: Sapir Heller).
- Gastspiele der Festivalleiter: Rahimi mit „Wolf“, Schröppel beteiligt sich an „War Games“.
- Ein Abend, vier Bühnen, zehn Konzerte: die Brechtnacht am 28. Februar, kuratiert von Girisha Fernando.
Brechtfestival 2026 – Februar bis 8. März – Theater, Performances, Workshops, Lesungen, Konzerte und Debatten – Programm & Tickets: brechtfestival.de







