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Achtung Tiere

Ratten, Wanzen, Wildunfälle

Ein Biber spaziert über den Rathausplatz, ein Dachs landet im Swimmingpool, ein Wildschwein tobt durch ein Bekleidungsgeschäft. Immer wieder kommt es zu ungewöhnlichen Begegnungen von Stadt-Menschen mit wilden Tieren, am meisten vermutlich (leider) im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen. Nehmen wir nur die Berichterstattung intensiver wahr oder steigt die Zahl solcher Begegnungen wirklich?
Betrachtet man die Zahlen aus der Polizei-Unfallstatistik, so lässt sich kein regelmäßiger Trend zu mehr oder weniger Wildunfällen feststellen. Naturgemäß ist die Stadt Augsburg nicht das typische Pflaster für Unfälle mit Rehen, Hasen oder Fasanen, dennoch verzeichnete die Polizei in den vergangenen zehn Jahren hier zwischen 27 und 78 Unfälle, bei denen insgesamt sechs Personen verletzt wurden. Deutlich anders sieht die Zahl in einer ländlich geprägten Region wie dem Landkreis Augsburg aus, dort werden alljährlich zwischen 1100 und 1300 Wildunfälle gezählt.
Bezogen auf den gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizei in Schwaben-Nord (Augsburg plus die Kreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries) sind an 58 Prozent aller Wildunfälle Rehe, Dam- und Rotwild beteiligt. Hase und Kaninchen folgen mit 13 Prozent vor Flugwild (8 Prozent), Fuchs (6 Prozent) sowie Wildschweinen und Dachsen mit je zwei Prozent.
Hannah Reutter vom Bayerischen Jagdverband bestätigt das Gefühl von steigenden Unfallzahlen mit Wildschweinen, Schwarzwild, wie es in Jägerkreisen heißt. Diese Wildart profitiere enorm von milden Wintern, dem Maisanbau und ihrer Intelligenz. Auch Urbanisierungs-Tendenzen lassen sich erkennen – bestes Beispiel dafür sei Berlin. In Bayern gebe es solche Ausmaße noch nicht.
Der Biber wurde laut Reutter ab 1966 in Bayern wieder angesiedelt. Heute ist der Freistaat fast flächendeckend wieder vom Biber besiedelt. Der Bestand dürfte zwischen 12.000 und 15.000 Tiere betragen mit nach wie vor steigender Tendenz. Aufgrund der mit der Verbreitung des Bibers zunehmenden massiven Konflikte sei ein Bibermanagement entwickelt worden.
Eine stetig steigende Zahl beobachten Jäger bei Kanadagänsen, wobei die Münchner Kanadagansgruppe als älteste Ansiedlung dieser Art in Deutschland zählt. Doch auch weitere Gänsebestände nehmen in Bayern stetig zu, etwa entlang der Donau. So auch die Nilgans, welche aggressiv gegenüber anderen Arten ist und deshalb auf die EU-Liste der „invasiven“ Arten gesetzt wurde. Auch in Parks sind Gänse stark verbreitet, Nürnberg habe bereits große Probleme hiermit.
Was das Thema Wildunfall im Straßenverkehr anbelangt, sind sich Polizei und Jägerin einig: Immer die Polizei informieren. Die Beamten verständigen dann den Jagdpächter und wissen was zu tun ist. Ein verletztes Wildtier mitzunehmen, sei eine Ordnungswidrigkeit und Wilderei.
Unbedingt gemeldet werden müsse ein Unfall mit „jagdbarem Wild“, wie es im Gesetz heißt. Gemeint ist dabei sogenanntes Schalenwild, also etwa Rehe, Dam- und Rothirsche. Jeder Autofahrer habe zudem eine Verkehrssicherungspflicht, was beinhaltet, dass man dafür verantwortlich ist, wenn man etwa einen Fuchs oder Hasen angefahren hat. Wer solche Tiere einfach auf der Fahrbahn liegenlässt, könne sich strafbar machen, wenn es im Anschluss zu einem Unfall kommt. Zum Dritten sei das Tierschutzgesetz zu beachten, das verbietet, Tiere ohne Grund zu verletzen oder zu töten.
Ein verletztes Tier solle bestenfalls vorsichtig an den Straßenrand befördert werden, es könnte sich wehren. Wegen möglicher Übertragung von Parasiten oder Krankheiten trägt man dazu am besten Handschuhe.
Wenn auch die Tollwut im Zusammenhang mit Wildtieren heute lange nicht mehr die Brisanz besitzt, wie noch vor Jahren, so gibt es einige Erkrankungen, die theoretisch auf den Menschen übertragbar sind. Was in den vergangenen Jahren auch in Bayern häufiger vorkam, ist die Tularämie (Hasenpest) beim Feldhasen. Wenn jemand einen verendeten Feldhasen findet, sollte er diesen auf keinen Fall anfassen, sondern dem örtlichen Jäger oder dem Veterinäramt melden. Füchse können beispielsweise die Staupe auf Haushunde übertragen. Allerdings gibt es hierzu vorbeugende Impfungen, welche jeder Hundehalter seinem Hund verabreichen lassen sollte.

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