Bei Online-Abzocker klicken die Handschellen

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Er brachte seine ahnungslosen Opfer um zehntausende von Euro, richtete einen finanziellen Schaden an, der in die Millionen gehen könnte. Nun ist ein Augsburger Internet-Verbrecher den Cyber-Polizisten ins Netz gegangen. Während seine kriminellen Machenschaften im virtuellen Raum stattfanden, klickten in der Fuggerstadt die Handschellen ganz real. Dass der 26-jährige mutmaßliche Täter ermittelt und gefasst werden konnte, ist einer bayernweiten Zusammenarbeit von den verschiedensten Dienststellen zu verdanken.
„Nach zügigen und intensiven Ermittlungen gelang es den Ermittlern der Kriminalpolizei-Inspektion Schwabach (Metropolregion Nürnberg, Anm. d. Red.) gemeinsam mit den Staatsanwälten der Zentralstelle Cybercrime Bayern, einen unberechtigten Online-Zugriff auf das Bankkonto einer Schwabacherin innerhalb weniger Wochen aufzuklären“, heißt es in der Mitteilung des zuständigen Polizeipräsidiums Mittelfranken.
„Ein 26-Jähriger, der die Frau um 25.000 Euro gebracht haben soll, wurde vergangene Woche in Augsburg festgenommen“, teilen die Beamten weiter mit. Mit einem SMS-Trick sei er an die Bankdaten seines Opfers gekommen.
Doch dieser Fall ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Ermittler umfangreiches Beweismaterial wie Speichermedien, aber auch rund 20.000 Euro Bargeld und mehrere Dutzend Gramm Amphetamin. „Bereits nach einer ersten Auswertung der Serverdaten und Anfragen bei diversen Bankinstituten konnten mindestens zehn weitere Geschädigte ermittelt werden, von deren Konten weitere rund 25.000 Euro betrügerisch abgebucht wurden“, so die Ermittler. Zudem habe man beim Beschuldigten Zugangsdaten zu knapp 300 weiteren Bankkonten vorgefunden. Im Rahmen weiterer Ermittlungen werde nun geprüft, ob es auch bei diesen Bankkunden bereits zu betrügerischen Abbuchungen gekommen sei.
Doch wie kam der Täter an all diese Daten? Im Fall der abgezockten Frau aus Schwabach ging der Augsburger laut Polizei folgendermaßen vor: Bereits Anfang Juni hatte das Opfer eine SMS erhalten. Diese SMS täuschte der Empfängerin vor, ihre „Push-TAN-Berechtigung“ sei abgelaufen und sie müsse diese neu aktivieren. Hierzu war in der SMS auch ein Link enthalten. In Wahrheit leitete dieser Link die Frau auf eine sogenannte Phishing-Webseite. Dort wurde sie aufgefordert, ihre persönlichen Zugangsdaten einzugeben. Damit gelang es dem Täter, das Konto der Geschädigten durch Überweisungen und Zahlvorgänge mit Giropay zu belasten.
Doch der Täter hinterließ Spuren. Insgesamt sieben Cyber-Cops gelang es, zwei seiner genutzten Server zu lokalisieren. Nachdem im Zuge der Ermittlungen außerdem festgestellt werden konnte, dass sich der mutmaßliche Betrüger vorwiegend in Augsburg aufhielt, schlugen die Gesetzeshüter vergangene Woche dort mitten in der Nacht zu. Einsatzkräfte des bayerischen Landeskriminalamts sowie Beamte der Augsburger und Nürnberger Kriminalpolizei unterstützten die Festnahme.
Der Mann wurde anschließend dem Ermittlungsrichter in Bamberg vorgeführt, der die Untersuchungshaft anordnete. „Der Beschuldigte befindet sich seitdem in einer Justizvollzugsanstalt. Ihm liegt u. a. gewerbsmäßiger Computerbetrug in einer noch zu klärenden Zahl von Fällen zur Last. Das Gesetz sieht für jeden Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor“, so die Beamten abschließend.