Konzentriert liegt Schäferhund-Rüde Bandit beim Training im Gras und wartet auf sein nächstes Kommando.

Bandit ist im Arbeitsmodus, das merkt man sofort. Den hoch konzentrierten Blick immer auf Herrchen Lukas Nölke gerichtet, wartet der Schäferhund nur auf das nächste Kommando. Blitzschnell rennt er dem Spielzeug hinterher, ruckartig bleibt er stehen, legt sich hin, geht auf Geruchssuche. Alles stets nach Anweisungen von Nölke. Und das ist auch wichtig, denn Bandit ist nicht nur ein sehr gut trainiertes Haustier, als Diensthund ist er auch Teil der Augsburger Polizei.


„Unsere Hunde sind alle mit bei uns daheim“, erzählt Nölke. Denn die Diensthunde sind nicht nur Arbeitskollegen, sondern gleichzeitig auch Familienmitglieder. Im Dienst ist Rüde Bandit also mit Herrchen arbeiten, die Freizeit wird dann gemütlich gemeinsam im Wohnzimmer verbracht.


Klassische Kuschelhunde, wie der Normalbürger die Vierbeiner kennt, sind die Polizeihunde dann aber doch nicht. Denn auch wenn die Tiere zwischen Arbeit und „Freizeit“ unterscheiden können, sind sie doch immer bereit für einen Ernstfall. „Wenn in Alltagssituationen Signale aufkommen, die der Hund eigentlich aus dem Job kennt, reagiert er natürlich, da muss dann schon auch aufgepasst werden“, weiß Nölke. Trotzdem, treue Wegbegleiter sind sie auch im Privatleben: „Uns wird überlassen, ob wir die Hunde im Haus oder im Zwinger halten wollen, ich kenne aber in ganz Bayern keinen Diensthundeführer, der seinen Hund ausschließlich im Zwinger hält“.


Aber was genau steht denn in der Jobbeschreibung eines Polizeihundes? „Es gibt verschiedene Aufgabenbereiche für Diensthunde“, so Nölke. Zum einen gebe es Schutzhunde, zum anderen Spezialhunde. Ein Schutzhund hilft bei der Suche nach Straftätern, schützt vor Angreifern und unterstützt oft allein durch seine Präsenz, indem er Respekt beim Gegenüber auslöst. Ein Spezialhund kann bestimmte Gerüche aufstöbern, verfolgen und beim Auftreten sofort anzeigen. Hierbei wird ebenfalls noch mal unterschieden. „Es gibt verschiedene Geruch-Spezialisierungen für die Hunde. Sie suchen nach Rauschgift, Sprengstoff oder Bargeld. Dann gibt es auch noch Leichenhunde oder Brandmittelhunde“, erklärt Nölke. Jeder Hund sei auf einen Bereich spezialisiert. „Dem Hund ist der Geruch egal, ich könnte meinem Hund auch beibringen, nach Gummibärchen zu suchen“, sagt Nölke mit einem Schmunzeln.

Tierheim-Hunde als Kommissar Rex bei der Augsburger Polizei


Traumjob Diensthund also – und wie wird ein ganz normaler Junghund dann zu Kommissar Rex? „Der Hundeführer hat da definitiv ein Mitspracherecht bei der Auswahl seines Diensthundes“, weiß Nölke. Wenn der Polizist zum Beispiel bereits Kontakt zu einem passenden Züchter hat, kann der Hund schon im Alter von acht Wochen gekauft werden. Aber auch Tierheimhunde haben grundsätzlich die Chance auf eine Karriere bei der Polizei. „Wenn ein Junghund nicht in einer Privatfamilie klar gekommen ist oder aus anderen Gründen im Tierheim gelandet ist, kann es schon sein, dass er in die Hundestaffel aufgenommen wird“, so Nölke. Bevorzugte Rassen sind dabei Deutsche Schäferhunde, Belgische Schäferhunde (Malinois) oder Holländische Schäferhunde (Herder). Aber auch kleinere Hunderassen können durchaus einen Job bei der Hundestaffel bekommen. „Kleine Spezialhunde können zum Beispiel in engeren Räumlichkeiten eingesetzt werden, oder auch mal in ein Regal gehoben werden“, erklärt Nölke.

Was auf den ersten Blick aussieht wie belangloses Toben, ist in Wahrheit wichtiges Training für Diensthundeführer Lukas Nölke und seinen treuen Begleiter Bandit.

Insgesamt 26 Hunde und 22 Diensthundeführer sind Teil der Augsburger Polizei. Stationiert sind sie in der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn. Im Normalfall bilden immer ein Hund und ein Polizist ein Team, einige Hundeführer haben jedoch bereits einen Junghund zusätzlich zum aktuellen Diensthund im Training – für einen nahtlosen Übergang, wenn der „alte“ Hund in den Ruhestand gehen darf. Das Training übernimmt immer der Hundeführer selbst. „Es gibt ein bayernweites Schutzhundekonzept, dort ist die Ausbildung in fünf Schritte gegliedert“, weiß Nölke „Wenn die Hunde soweit sind, müssen sie eine Leistungsprüfung bestehen und können dann eingesetzt werden“. Auch ein „ausgelernter“ Diensthund braucht regelmäßiges Training. Das zählt zu einer der Hauptaufgaben der Diensthundeführer im täglichen Arbeitsleben. Fälle werden nachgestellt und verschiedene Szenarien durchgearbeitet. Somit sind die Hunde bereit für den Ernstfall. Die „Rentner“ bleiben im Regelfall bei ihren Hundeführern und können dort in Ruhe alt werden.


Ob das Training in Bandits Augen wirklich ein Job ist, bleibt zu bezweifeln. So scheint er doch sehr viel mehr Spaß zu haben, als manch menschlicher Angestellter. „Der meint einfach, wir spielen den ganzen Tag“, vermutet Herrchen Nölke. Er scheint ebenfalls seinen Traumberuf gefunden zu haben, kein Wunder bei einem so engagierten Kollegen.

KEINE AUSGABE MEHR VERPASSEN

Erfahren Sie als Erster, wenn unser neues Magazin veröffentlicht wird – exklusiv vor allen Anderen!