Es staubt gewaltig

Pollen-Explosion: Wälder verbreiten gelben Staub

Der Gartentisch, die Autoscheibe, sogar die Pfütze vor der Türe, alles ist gelb. Diesmal ist nicht der Saharastaub schuld (der noch gar nicht überall abgewaschen ist), diesmal haben Kenner den Wald als Verursacher ausgemacht. Vielmehr unseren dominierenden Waldbaum, die Fichte. Ein sogenanntes Mastjahr hat die Fichte, was nichts anderes bedeutet, als dass die Bäume stärker blühen als in anderen Jahren. Und damit für manche Menschen zum Problem wird.
„Ja, das stimmt, die Pollen, die aktuell so gut zu sehen sind, sind Großteils Fichtenpollen,“ bestätigt Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Inhaberin des Augsburger Lehrstuhls für Umweltmedizin. Obwohl gerade auch Eichen und sogar schon die ersten Gräser blühten, sorgten die Fichtenpollen, die wesentlich größer sind als andere Pollen, dafür, dass man die Pollen gerade so gut sieht.
Die Wissenschaftlerin bestätigt, dass diese Fichtenpollen weniger „schlimm“ sind als jene anderer Pflanzen. „Die Hauptallergieauslöser in Deutschland und Europa sind tatsächlich Birken und Gräser. Warum gerade Birken und Gräser so allergen ist, wissen wir bis heute nicht. Genauso wenig wissen wir, warum die Fichtenpollen weniger Allergien auslösen.“ Es gebe allerdings auch Symptome auf Pollen ohne dass eine Allergie bestehe, das seien ganz aktuelle Daten aus dem Labor aus Augsburg.
Beschwerden bei Pollen seien laufende Nase sowie tränende und entzündete Augen. Die Lungen reagierten mit chronischem Reizhusten und manchmal sogar mit Asthma – das sei eine vorübergehende Atemnot. „Gegen all das muss man etwas tun. Es gibt gute Therapien, die die Symptome lindern. Allergien sind heute auch gut heilbar mit der spezifischen Immuntherapie.“ Dabei werde dem Immunsystem beigebracht, Pollen zu tolerieren. Diese sogenannte Hyposensibilisierung wird unter anderem auch in der Hochschulambulanz für Umweltmedizin durchgeführt. Termine könnten unter Email umweltmedizin@uk-augsburg.de vereinbart werden.
Allenthalben ist zu hören, dass Fichten heuer ein sogenanntes „Mastjahr“ erlebten, ein Jahr also mit besonders vielen Pollen, wie es sie eigentlich nur alle sechs Jahre gibt. Aber, so Professorin Traidl-Hoffmann: „Sogenannte Mastjahre, also Jahre, in denen eine bestimmte Baum-Art besonders viele Blüten und Pollen und später auch Samen produziert, lassen sich leider bis heute nicht zuverlässig vorhersagen. Studien zeigen, dass Mastjahre im Zuge des sich verändernden Klimas bei manchen Spezies zunehmen, da diese Veränderungen für die Bäume Stress bedeuten, auf den sie reagieren, in dem sie möglichst viele Samen produzieren, um so ihre Reproduktion zu sichern.“ Wenn dies zum Beispiel auch auf Haseln oder Birken zutrifft, werden in Zukunft häufiger Jahre auftreten, in denen Menschen, die gegen diese Pollen allergisch sind, mit stärkeren Symptomen zu kämpfen haben.
Immer wieder werden Veränderungen in unserer Umwelt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Der Klimawandel bringt uns ja mehr und mehr auch Pflanzen ins Land, die hier früher nicht bestehen konnten. Professorin Traidl-Hoffmann bestätigt, dass sich vor allem eine für Allergiker kritische Pflanze seit einigen Jahren verbreitet. Das beifußblättrige Traubenkraut, auch Ambrosia genannt, komme ursprünglich aus Nordamerika, fühle sich aber auch in Europa zunehmend wohl. „Auch wenn wir in Augsburg noch relativ wenige dieser Pollen finden, gibt es bereits Gebiete in Deutschland, in denen die Pflanze häufig auftritt. Die Pollen des beifußblättrige Traubenkrauts führen schnell zu einer Sensibilisierung und damit auch zu allergischen Symptomen. Zusätzlich kann auch die Berührung der Pflanze zu einer Kontakt-Dermatitis führen.“
Spätestens seit Corona gibt es übrigens ein bewährtes Mittel für all diejenigen, die besonders unter Pollen leiden oder sie sich einen Spaziergang durch die blühende Natur nicht verleiden lasen wollen: „Ja, FFP2-, OP oder sogar Alltagsmasken können ein wirksamer Schutz gegen Pollen sein. Die Masken fangen Pollen ab, bevor sie in die Atemwege gelangen und können damit die Belastung durch Pollen vermindern“, bestätigt Professorin Traidl-Hoffmann.

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