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Pizza-Müll im Klima-Stadtrat

Klima-Sondersitzung produziert viel Müll
So wie hier lagen überall im Kongress-Foyer Pizza-Kartons.

Dumm gelaufen! Immerhin das räumt CSU-Fraktionschef Leo Dietz ein. Er war es, der nach Absprache mit anderen Fraktionen bei einem Lieferdienst 80 Pizzen bestellt hat, die dann (jede im eigenen Pappkarton) zur Stadtrats-Klimaschutz-Sondersitzung in den Kongress am Park geliefert wurden – zum Erstaunen und zur Verärgerung des dortigen Caterers Feinkost Kahn, dem dieses Geschäft entging, der aber dann Teller und Servietten stellte und den Müll wegräumte.
Doch der Reihe nach: Am Montag, einen Tag vor der Klima-Sitzung im Kongress am Park, ging bei Caterer Kahn die Bitte ein, die Veranstaltung für 75 Personen gastronomisch zu betreuen. Wunschgemäß wurden Tische coronakonform mit Obst, kalten Getränken und Kaffee eingedeckt. Etwas irritiert hatte Catering-Chef Dirk Tschenscher noch nachgehakt, ob diese Verpflegung für die Dauer der gesamten Sitzung ausreichend sei, was so bestätigt wurde.
Umso größer war die Verwunderung, als das Kahn-Personal gegen 18.45 Uhr feststellte, dass ein Lieferservice rund 80 Pizzen brachte, teils mit Namen einzelner Stadträte versehen. Das stößt Feinkost-Geschäftsführer Andreas Kahn aus mehreren Gründen sauer auf: „Gerne hätten wir als Hauptcaterer und Pächter vor Ort, der seit zwei Jahrzehnten Partner der Stadt ist, dem Stadtrat ein gleichwertiges Produkt zum selben Preis angeboten. Aber was mich vor allem stört: Die Menge an Müll hätte deutlich reduziert werden können. Es lagen nach der Pause viele Pizzakartons im Foyer verteilt und teils in orangen Müllsäcken, wo einige Stadträte ihre Kartons entsorgt hatten.“ Mit Blick auf das Thema Müllvermeidung, auch mit Hintergrund auf die Art der Sitzung zum Klimaschutz, sei das ein „absolutes No-Go“. „Es wurden hier einige 100 Liter Müll produziert“, meint Andreas Kahn.
Auf Nachfrage der SoPress bei der Stadt hieß es: „Die Stadt hat keine Pizza für besagte Sitzung bestellt und daher auch keine Kosten dafür aufgewendet.“ Stimmt! Es waren die Fraktionen, die dann auch, laut Dietz, die Kosten übernommen haben – Pizza for free sozusagen für die Stadträt*innen.
Wie CSU-Fraktionschef Dietz dann erläuterte, habe man nicht bei Kahn bestellt, weil man ja nicht habe wissen können, dass die Sitzung, die um 14 Uhr begonnen hatte, so lange dauert. Als sich gegen 17 Uhr abgezeichnet habe, es wird später (Sitzungsende war erst gegen 22 Uhr), wurde die Pizza-Lieferung geordert. Nach knapp zwei Stunden war dann das „Abendessen im Karton“ da – und der Ärger groß beim Haus-Caterer, der seit mehr als einem Jahr so gut wie keine Geschäfte mehr im Kongress am Park macht, aber weiterhin Pacht an die Stadt bezahlt.
Dietz, selber Gastronom, verweist in diesem Zusammenhang übrigens noch auf erhebliche staatliche Corona-Förderungen für Gastwirte, um deren Auskommen zu sichern. Die Hauptleidtragenden in diesem Gewerbe seien die Mitarbeiter, vor allem freie Kräfte, denen Einkommen und auch das Trinkgeld fehle.
Tenor bei der Klimasitzung war übrigens, Verbesserungen durch eine Trendwende bei der Mobilität, also weniger Autos, zu schaffen. Gestoppt wurde der Verkehr parallel dazu von Klimaaktivisten, die die Straße vor der Halle besetzten. Die Pizzalieferung (bei dieser Menge mit Autos) konnten aber auch sie nicht stoppen …

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