Fahrradstadt – das heißt noch lange nicht, dass Radler hier auf Milde hoffen dürfen. Diese Erfahrung machten zuletzt radelnde Benutzer des sogenannten Osram-Stegs, der Lechhausen und das Textilviertel miteinander verbindet. Ausgeschildert als reiner Fußweg verlangten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes ein Bußgeld.

Kassiert wurde auch für das Radeln auf dem sich Richtung Südwesten anschließenden Weg (später heißt er Hanreiweg), wo die Beschilderung nicht so eindeutig ist. „Offensichtlich“ ein Gehweg, rechtfertigt Augsburgs Ordnungsreferent Frank Pintsch auf Anfrage unsere Redaktion.
Jahrzehnte lang sei sie hier geradelt, nie sei etwas gewesen. Aber jetzt sei sie von zwei Mitarbeitern des städtischen Ordnungsdienstes aufgehalten und angezeigt worden. Sie sei auf einem Gehweg geradelt, so der Vorwurf, 55 Euro habe die Ordnungswidrigkeit gekostet. Weniger der finanzielle Verlust als vielmehr ein Gefühl von Willkür sei es gewesen, weswegen sie sich an verschiedene Fahrrad-Aktivisten und die Presse gewandt habe, so die Augsburgerin aus Hochzoll.
Warum sie hier schieben, lautet die Frage an eine Familie mit zwei kleinen Kindern zwischen Otto-Lindenmeyer-Straße und Berliner Allee. „Weil das Ordnungsreferat hier steht und aufschreibt“, antwortet die junge Mutter. Bei Anliegern habe es sich herumgesprochen, dass das Wegstück, halb Beton, halb Kies, das als Fußweg ausgeschildert ist, überwacht wird.
Weniger klar ist die Schilder-Situation wenige 100 Meter weiter Richtung Südwesten. Um einen „unbeschilderten Fußweg“ handle es sich bei dem von der mutmaßlichen Hochzoller Falschradlerin benutzten Weg, dem Hanreiweg. Er beginnt nahe des Fabrikschloss-Geländes. Augsburgs Ordnungsreferent spricht von einem „baulichen und damit offensichtlich einem Gehweg“. Offensichtlich?
Eine Nachschau an Ort und Stelle zeigt zwar an verschiedenen Stellen Fußgänger-Schilder, aber es wird keineswegs und an allen Zugängen deutlich, dass es sich bei der meist asphaltierten Strecke nahe des Proviantbachs und eines Localbahn-Gleises um einen reinen Fußweg handelt. Die Gegend wirkt ein bisschen wie „Textilviertel von hinten“. Man wundert sich nicht, dass, wer kann, bemüht ist, hier zügig voranzukommen.
Wer den Hanreiweg von der Reichenberger Straße (Fabrikschloss) beginnt, der wird von der Beschilderung Fußweg und Radweg empfangen. Man durchquert eine Kleingartenanlage, erklimmt einen Steg über den Proviantbach. Nach links setzt sich der Hanreiweg Richtung Glaspalast und Martinipark fort, geradeaus geht es zur Otto-Lindenmeyer-Straße und Berliner Allee. Hier irgendwo verliert der Weg „offensichtlich“ seine Eigenschaft als Radweg, ein entsprechendes Schild findet sich erst später.
Während der Nachschau begegnen sich mehrfach Radler und Fußgänger, dank gegenseitiger Rücksichtnahme gibt es keine Probleme. Ein Problem gibt es bei der angezeigten Radlerin, die auch weiterhin diese Strecke von Hochzoll kommend in die City und umgekehrt radeln möchte. Warum sollte sie das nicht tun dürfen, wo es ihr doch nirgends per Schild verboten würde?
Nicht weitergekommen sei sie bei ihren Anfragen bei Augsburgs Fahrrad-Beauftragtem und beim ADFC. Im Zuge der Neugestaltung des ehemaligen Obi-Geländes werde eine geeignete Lösung für den Radverkehr angestrebt, habe es geheißen, und der ADFC wolle das Problem bei nächster Gelegenheit zur Sprache bringen.

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