Trauriges Déjà-vu

Nach dem Polizisten-Doppelmord in der Pfalz

Nach dem unfassbaren Mord an einem 29-jährigen Polizisten und seiner erst 24 Jahre alten Kollegin in Rheinland-Pfalz werden geradezu unausweichlich Erinnerungen an den Tod von Mathias Vieth wach. Auch in der nationalen Berichterstattung über die Vorfälle in Kusel wird der Augsburger Fall von 2011 immer wieder angeführt, bei dem – ebenfalls nach einer nächtlichen Kontrolle mit Verfolgungsjagd durch den Siebentischwald – Vieth getötet und seine Kollegin verletzt wurden.
Die Täter, zwei Brüder, von denen einer bereits einmal, 1975, einen Polizisten erschossen hatte, wurden gefasst und bekamen beide lebenslänglich, wobei sich die Prozesse über Jahre hinzogen.
Zurück zum aktuellen Fall, bei dem ebenfalls zwei Verdächtige ermittelt wurden, die angeblich als Wilderer unterwegs waren. Wie haben die Augsburger Kollegen und Kolleginnen in ihrem Präsidium die tragischen Nachrichten aufgenommen – gab es auch für sie ein furchtbares Déjà-vu?
„Selbstverständlich ist die Betroffenheit auch bei der nordschwäbischen Polizei groß“, heißt es auf Anfrage. Zur Professionalität des Polizeidienstes gehöre es aber auch, trotz solch erschütternder Ereignisse, handlungsfähig zu bleiben und die Anforderungen des täglichen Dienstes zu bewältigen. Gerade im Raum Augsburg werden Erinnerungen an den Mord an Matthias Vieth im Oktober 2011 wach. „Viele denken gerade jetzt an die Hinterbliebenen, insbesondere die Kolleginnen und Kollegen auf der betroffenen Dienststelle, aber natürlich auch an die Angehörigen.“
Die Bluttat aus der Pfalz wirft viele Fragen auf – etwa nach dem frühesten Einsatzalter für Polizeianwärter (siehe unten) oder auch zur Nutzung von Hilfsmitteln bei nächtlichen Kontrollen, etwa nach Kameras. Hätten man nicht am Tatort Ausweispapiere der mutmaßlichen Täter gefunden, wäre eine Fahndung wohl ungleich komplizierter gewesen.
Deshalb die Frage an die Augsburger Polizeidirektion nach einer möglichen Video-Aufzeichnung bei Einsätzen. Führen Streifenbesatzungen Bodycams mit sich? Werden Dashcams verwendet? Wann wird diese Technik genau eingesetzt?
Verwiesen wird auf Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der vor knapp drei Jahren den landesweiten Einsatz von Body-Cams bei der Bayerischen Polizei freigegeben hatte. Vorausgegangen war eine einjährige Pilotierungsphase, an der sich auch Einsatzkräfte der PI Augsburg-Mitte beteiligt waren. Eine Auswertung zeigte, dass Body-Cams zumeist aus präventiven Gründen genutzt wurden, um durch die zuvor angekündigte Videoaufzeichnung eine unmittelbare Gefahr für Einsatzkräfte zu minimieren. Daneben konnten im Bereich der Strafverfolgung mehrfach aussagekräftige Aufnahmen als Beweismittel an die Justiz übergeben werden. Das Polizeipräsidium Schwaben Nord hat zwischenzeitlich alle Polizeidienststellen mit Body-Cams und dem dazugehörigen technischen Equipment ausgestattet. Parallel liefen umfangreiche Schulungen. Dashcams finden im Bereich Schwaben-Nord keine Verwendung.

Streifen- & Schichtdienst
schon in der Ausbildung

Die Opfer in der Pfalz waren noch sehr jung – die erschossene Beamtin erst 24 und noch Polizeianwärterin. Auf diesbezügliche Fragen, also etwa nach dem Mindestalter für nächtliche Einsätze und dem nötigen Ausbildungsstand, heißt es bei der Polizeidirektion Augsburg: „Polizei ist grundsätzlich Ländersache (Ausnahme: Bundespolizei) und daher gelten für jedes Bundesland andere Voraussetzungen, Einstellungsprüfungen und Ausbildungsinhalte.“
Zur Einstellung in den Polizeidienst der 2. Qualifikationsebene (ehemals mittlerer Dienst) in Bayern müsse man aktuell u. a. die deutsche Staatsangehörigkeit haben, mindestens 165 Zentimeter groß und zwischen 17 und 30 Jahre alt sein. Auch kommt es auf die gesundheitliche Eignung an. Man darf noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein. Und: Bewerber*innen sollten keine sichtbaren oder unzulässigen Tattoos haben, wobei er für nahezu alle Voraussetzungen Ausnahmen gibt.
In der 2,5-jährigen Ausbildung lernen die Beamten/innen u. a. rechtliche, praktische und persönlichkeitsbildende Inhalte. Im ersten Ausbildungsjahr findet ein einmonatiges, im zweiten Jahr ein dreimonatiges Praktikum auf einer Polizeidienststelle statt. Hierbei sind die Beamt*innen im Regelfall bereits im Streifen bzw. Schichtdienst tätig und werden an den Polizeidienst herangeführt.

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