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Sonntag, 05. Februar 2023

Fußball-Legende Helmut Haller wollte nicht nach Augsburg zurück

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Wollte der größte Sohn dieser Stadt, wie Ex-FCA-Präsident Peter Bircks den genialen Fußballer Helmut Haller einmal genannt hat, 1973 gar nicht nach Augsburg zurückkehren? Wollte er lieber noch einige Jahre im italienischen Turin bleiben? Diese These stellt der Journalist Matthias Cammann in der Dokumentation „Helmut Haller – der unvollendete Superstar“ in einer Fernseh-Dokumentation für den Norddeutschen Rundfunk auf.

Die NDR-Dokumentation „Helmut Haller – der unvollendete Superstar gibt neue Einblicke in das Leben der Augsburger Fußball-Legende.

„Ich hätte Italien nie verlassen dürfen“, sagte die Augsburger Fußball-Legende einige Jahre vor seinem Tod 2012 in dem Film. Die Aussagen beziehen sich auf den Sommer 1973. Haller hat gerade das Finale im Europapokal der Landesmeister, heute Champions League, mit Juventus Turin 0:1 gegen Ajax Amsterdam verloren. Im Belgrader Stadion Roter Stern  schauten 91.000 Zuschauer dem Weltstar bei der knappen Niederlage gegen die von Johan Cruyff angeführten Holländer zu. Für viele überraschend kehrte der deutsche Ausnahme-Fußballer dann in seine Heimat zurück und spielte mit dem FC Augsburg in der Regionalliga. Was für ein sportlicher Abstieg.

In der Dokumentation spricht Haller über die Hintergründe: Er habe natürlich weiter für Turin spielen wollen. Er hatte auch ein Angebot von Gianni Agnelli, mächtiger Präsident von Juventus Turin und Chef der italienischen Automobilfirma Fiat. Haller: „Agnelli bot mir an, wenn ich noch drei Jahre für Juve spiele, dann bekomme ich anschließend die Konzession für Fiat in ganz Deutschland. Das hat mich gereizt für die Zeit nach dem Fußball. Doch meine Frau Waltraud hat gesagt, sie will nach Augsburg gehen. Die beiden Kinder sollten in eine deutsche Schule.“

Helmut Haller lacht
Helmut Haller war ein fröhlicher Mensch.

Haller entschied sich auf Druck seiner Frau gegen die verlockende berufliche Perspektive und für die Familie. Er ging von einem internationalen Spitzenklub in die Fußball-Provinz nach Augsburg. Der FCA stieg mit dem Superstar immerhin 1974 in die Zweite Bundesliga, Staffel Süd auf und löste damit eine „Hallerluja“-Euphorie im heimatlichen Rosenaustadion aus. Doch das war nur ein schwacher Trost gegen das verlorene Paradies Italien. 

Helmut Haller, Spitzname „Hemad“, weil er so schmächtig war. Foto: BCA-Archiv

Besonders tragisch für Helmut Haller: Zwei Jahre nach der Rückkehr zerbrach die Ehe mit seiner Waltraud. Doch Haller konnte nicht mehr zurück. Seine internationale Karriere endete unspektakulär in der Zweiten Liga statt bei Juventus Turin. Rosenaustadion statt Wembley, wo er 1966 mit Deutschland Vize-Weltmeister geworden war und der spätere „Kaiser“ Franz Beckenbauer zum Zusammenspiel mit dem Augsburger bewundernd sagte: „Neben Helmut kann ich mit geschlossenen Augen spielen.“

Zwei Jahre später scheiterte auch die zweite Ehe. Die Scheidungen haben Helmut Haller, der mit seinem Italien-Abenteuer zum ersten Großverdiener des deutschen Fußballs wurde, ein Vermögen gekostet. „Es ist alles weg. Mit jeder Scheidung ist die Hälfte immer weggegangen. Die Leute in Augsburg sagen: Helmut, dich haben sie übers Ohr gehauen. Aber das ist mir egal, antworte ich dann, denn ich lebe noch“, erzählt Haller bei einem Glas Rotwein in der NDR-Dokumentation. Am 11. Oktober 2012 starb die Fußball-Legende in Augsburg, obwohl er offenbar tatsächlich lieber in Italien geblieben wäre.

Augsburg Journal: „Größter Sohn unserer Stadt“ – vor zehn Jahren starb Helmut Haller

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