FCA-Neuzugang Elvis Rexhbecaj. Foto: Sport in Augsburg

Zwölf Startelf-Einsätze in zwölf Pflichtspielen in seinen ersten Monaten bis Mitte Oktober in Augsburg. Die Einsatzzeiten von Elvis Rexhbecaj sprechen für sich. Daher kann man den Saisonstart mittlerweile, vor allem nach den Siegen gegen Bremen und Bayern sowie dem Erreichen der zweiten Runde des DFB-Pokals, als gelungen bezeichnen. Im DFB-Pokal schied der FC Augsburg zwar inzwischen gegen Bayern München aus (2:5), aber auch in diesem Spiel war Rexhbecaj einer der besten FCA-Kicker.

Etwa 1000 Pflichtspiel-Minuten hat Neuzugang Rexhbecaj also bereits für die Fuggerstädter absolviert. Ein Tor oder ein Assist sind für den Deutsch-Kosovaren zwar noch nicht herausgesprungen, seinen Wert für das Augsburger Spiel mindert dies jedoch kaum. In der Mittelfeldzentrale, wo er in letzter Zeit hauptsächlich an der Seite von Carlos Gruezo aufgestellt ist, zeichnet sich Augsburgs Nummer 13 durch sein körperbetontes Spiel aus.

Seine Rolle ist es dem Gegenspieler 90 Minuten lang auf den Füßen rumzustehen und ihnen keine Zeit zum Nachdenken zu geben. Die Statistik die Rexhbecajs Einsatz hier am besten belegt, sind die Pressing-Aktionen pro Spiel, bei welchen es sowohl auf die Zweikampf- und Laufleistung ankommt. Aktuell kommt er hier in den sieben Bundesligaspielen bis Ende September auf 96 Läufe, in denen er Druck auf den Gegenspieler ausübt, einsame Spitze beim FCA.

Rexhbecaj will in den Zweikämpfen eklig sein

Angesprochen auf diesen Bestwert zeigt sich der Mittelfeldmann überrascht: „Echt? Zweikämpfe und Laufleistung sind grundlegende Bestandteile unseres Spiels, aber erster zu sein, ist hier nicht unbedingt mein Ziel.“ Weiter sagt er: „Es kommt mir aber entgegen, in Zweikämpfen eklig zu sein, Bälle zu erobern und dann mit dem ersten Ball direkt vors Tor zu kommen.“ Im Mittelfeld unter Trainer Enrico Maaßen erfüllt er diese Rolle bisher mehr als gewissenhaft.

Über reichlich Erfahrung auf dieser Position verfügt Elvis Rexhbecaj bereits, der in Gonaj, einer kleinen Gemeinde im damaligen Jugoslawien, heute im Süden Kosovos, geboren wurde. Seine Fußballer-Laufbahn begann in der F-Jugend des Brandenburger SC Süd, wohin er als Kind mit seinen Eltern zog. Früh wurde sein Talent erkannt und so zog es ihn mit zwölf Jahren in die Jugend des VfL Wolfsburg. Dort durchlief er so gut wie alle Jugendmannschaften und feierte schließlich auch sein Bundesligadebüt.

Innerhalb von zwei Jahren kam Rexhbecaj auf 24 Einsätze, wurde Anfang 2020 jedoch zum 1.FC Köln verliehen. Nach 18 Monaten in Köln, verlieh ihn der VfL Wolfsburg erneut. Diesmal ging es für Rexhbecaj nach Bochum, wo er beim VfL vergangene Saison auf 36 Pflichtspiel-Einsätze kam. So stand er unter anderem auch bei Bochums Überraschungserfolgen gegen Bayern München und den BVB auf dem Feld.

Durch seine konstanten Leistungen wurde schließlich der FCA auf den Mittelfeld-Regisseur aufmerksam und lotste ihn im Juli diesen Jahres an den Lech. Die Ablösesumme, die der FCA nach Wolfsburg überwies, wird auf 1,7 Millionen Euro beziffert. Bei einem jungen Spieler wie Rexhbecaj, der trotz seines Alters schon über reichlich Erfahrung verfügt, in der heutigen Fußballzeit fast schon ein Schnäppchen.

Bei den Rot-Grün-Weißen hat sich der Neuzugang bisher sehr gut eingefügt. Auch in der Stadt scheint er sich wohlzufühlen: „Ich wurde hier von jedem herzlich aufgenommen und mit der schönen ruhigen Stadt haben wir alles, um gut Fußball zu spielen.“ Auch nachdem der Saisonstart des FCA anfangs etwas holprig verlief, läuft es nun sportlich wieder besser. Durch Siege in Bremen und gegen den FC Bayern ist die Erleichterung groß. Beim Sieg gegen die Münchner konnte Rexhbecaj auch zum ersten Mal in einer ausverkauften WWK-Arena auflaufen. Zu dieser Erfahrung sagt er: „Das war geil, auf jeden Fall super. So muss es weitergehen.“ Auch hofft er, in Zukunft öfters vor gut gefüllter Heimkulisse zu spielen: „Wir können natürlich nicht garantieren, dass wir jedes Spiel gewinnen, aber wir werden immer alles dafür geben, dann auch Punkte mitzunehmen.“

Elvis Rexhbecaj. Foto: Sport in Augsburg

Diesen angesprochenen Einsatz bekamen alle Zuschauer auch bei besagtem Bundesliga-Sieg gegen den FCB zu sehen. Im Duell mit dem Rekordmeister hatte Rexhbecaj die Spezialaufgabe, Joshua Kimmich zu beschäftigen und so gut es geht aus dem Spiel zu nehmen. „Hat man das gesehen?“, fragt er, auf seine Aufgabe angesprochen, schmunzelnd. Hinzu fügt er. „Ich glaub das ist mir ganz gut gelungen und ich glaube er hatte nicht so viel Spaß. Genauso muss es sein. Der Gegner darf gegen uns keinen Spaß haben.“

Elvis Rexhbecaj den Spaß am Fußball zu nehmen, versuchen auch seine Gegenspieler zuhauf. Durch seine Präsenz auf dem Feld ist er ein beliebtes Ziel von gegnerischen Fouls. So beliebt, dass er in diesem Wert die gesamte Bundesliga anführt. Der 24-Jährige ist der nach dem siebten Spieltag am meisten gefoulte Spieler der Bundesliga. Ganze 23 mal wurde er bereits unfair gestoppt. „Wenn das so ist, dann mach ich glaub ich vieles richtig.“ Scherzend fügt er hinzu: „Vielleicht zieh ich die Fouls manchmal auch schlau.“
Solange dies bedeutet, dass die Erfolgsserie des FCA fortgeschrieben werden kann und Elvis Rexhbecaj weiterhin seinen maßgeblichen Teil dazu beiträgt, sollte das jedem FCA-Anhänger recht sein. David Coenenberg

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