Start Augsburg Journal Reporter Kriminalstatistik Augsburg 2023: Polizei hat Kinder und Jugendliche im Visier

Kriminalstatistik Augsburg 2023: Polizei hat Kinder und Jugendliche im Visier

Kinder- und Jugendkriminalität: Sind diese eine besorgniserregende Tendenz hin zu „immer weniger Respekt“ und einer „kürzeren Zündschnur mancher Leute nach den Pandemiebeschränkungen“, wie es hieß, als jetzt die Kriminalstatistik Augsburg für das Jahr 2023 vorgestellt wurde? Oder soll man es begrüßen, dass „nur“ 25 Prozent der Verdächtigen an Straftaten in Nordschwaben unter 21 Jahre alt sind?

Rund 18.500 Tatverdächtige wurden laut aktueller Kriminalstatistik Augsburg im Laufe des Jahres 2023 ermittelt, 4500 davon waren „U 21“. Exakt 1246 Straftaten registrierte die Polizei sogar aus der Hand von Kindern unter 14 Jahren, die per Gesetz nicht strafmündig sind, die also keine Sanktionen durch Staatsanwaltschaft oder Gerichte zu fürchten haben. Nicht selten handelte es sich bei den Delikten von Kindern um Diebstähle (391 Fälle), Körperverletzungen (336), Sachbeschädigung (123) oder die Verbreitung von Kinderpornografie (25).

Straftaten durch Kinder unter 14 Jahren? Andreas Dobler, Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft, winkt ab. Nicht zuständig sei hier von Gesetzes wegen die Staatsanwaltschaft, würde bei derartigen Sachlagen nur das Notwendige erfassen und darüber hinaus die Angelegenheit einstellen.

Kriminalstatistik Augsburg: Rund 25 Prozent der Delikte begingen junge Leute unter 21

Dass sich Kinder unter 14 Jahren nicht alles erlauben könnten, erklärt Marion Liebhardt, Sprecherin der Augsburger Polizei. Grundsätzlich ergeben sich die Aufgaben und Befugnisse der Polizei zum einen aus dem Polizeiaufgabengesetz (PAG) und zudem aus der Strafprozessordnung (StPO). Somit seien auch bei Minderjährigen polizeiliche Maßnahmen möglich. Ein wichtiger Punkt sei hier die Verständigung der Erziehungsberechtigten. Die Polizei stelle auch bei Minderjährigen die Personalien fest und könne weitere polizeiliche Maßnahmen veranlassen, wie etwa eine erkennungsdienstliche Behandlung. Nach Abschluss der Ermittlungen würden die Vorgänge an die Staatsanwaltschaft übersandt.

Die Polizei habe die Situation bezüglich Kindern, Jugendlicher, Heranwachsender und die Entwicklung der Kinder- und Jugendkriminalität in Augsburg und Nordschwaben seit Jahren genau im Blick. Das beginne bei Ruhestörung durch laute Musik oder hinterlassenem Müll und gehe bis zu Straftaten wie Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl. „Unsere Einsatzkräfte sind hierzu beispielsweise an öffentlichen Plätzen und neuralgischen Punkten spürbar präsent“, so die Polizeisprecherin. Die Zielrichtung der polizeilichen Tätigkeit liege dabei neben der Strafverfolgung vor allem im Bereich der Prävention und dem Jugendschutz.

Auf den Dienststellen der Polizei gebe es sogenannte Jugendbeamte. Diese arbeiteten über diverse Präventionsprogramme (etwa „Communities that Care“) mit der Stadt Augsburg und anderen Institutionen wie Schulen zusammen. Neben den polizeilichen Einsatzkräften werde auch die Sicherheitswacht verstärkt eingesetzt, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und auf Fehlverhalten wie Müllablagerungen hinzuweisen.

Es beginnt schon bei zu lauter Musik

Im Bereich der Präventionsarbeit seien speziell ausgebildete Beamtinnen und Beamte bereits ab der Grundschule mit Schülerinnen und Schülern in regelmäßigem Kontakt und fungierten dort auch als Ansprechpartner. Dies beginne meist mit Themen wie sicherer Schulweg oder Fahrradführerschein. In den weiterführenden Schulen werde beispielsweise der Workshop „Gemeinsam gegen Gewalt“ seitens der Polizei angeboten und durchgeführt. Weitere Themen bis zur 9. Jahrgangsstufe seien legale und illegale Drogen, Sucht, Zivilcourage und Medienkompetenz. „Bei diesen Themen ist der Aspekt der Gewaltprävention bereits enthalten“, so Liebhardt. Bei Problemen an Schulen stünden die örtlichen Dienststellen und deren Jugendbeamte als Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es beim Polizeipräsidium Schwaben Nord zwei kriminalpolizeiliche Beratungsstellen (Augsburg und Dillingen), bei denen ausschließlich ausgebildete Präventionsbeamte tätig sind und sich ebenfalls in engem Austausch mit Schulen befinden. Außerdem stehe die Polizei auch zur Thematik Jugendliche mit der Stadt Augsburg und den dort zuständigen Stellen in engem Kontakt.

Diese enge – und nach seiner Erfahrung als zuständiger Fachstaatsanwalt gute – Zusammenarbeit mit anderen Stellen hebt auch Andreas Dobler hervor. So gebe es in Augsburg eine eigene Jugendabteilung bei der Staatsanwaltschaft, die von ihm geleitet werde. Auch Dobler betont die gute Zusammenarbeit der beteiligen Stellen bei minderjährigen Straftätern. Dazu zählt er die (städtische) Jugendhilfe in Strafverfahren, bei der Jugendliche in der Regel angehört und begleitet würden. Minderjährige würden grundsätzlich nach Jugendstrafrecht behandelt, bei 18- bis 21-Jährigen könne dies auf Antrag ebenfalls zur Anwendung kommen. Nach Worten Doblers sei zu erkennen, dass die Gerichte bemüht seien, den bei Jugendlichen gegenüber der Bestrafung im Vordergrund stehenden Erziehungsgedanken vorn an zu stellen. Dazu gehöre, dass jugendliche Straftäter oftmals als Bestandteil ihres Urteils zu Gesprächen beim Verein „Die Brücke“ geladen würden, wo sie speziell ihr Delikt aufarbeiten könnten. Ähnlich zu sehen seien Sozialstunden oder ähnliche Auflagen und Weisungen, abzuleisten bei Institutionen, die in einer Beziehung mit der Straftat stehen können.

Polizeivizepräsident Michael Riederer zog im Rahmen der Pressekonferenz zur Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik Augsburg (PKS) 2023 Bilanz für den Schutzbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord: „Im Jahr 2023 hatten wir – mit Ausnahme der pandemiegeprägten Jahre 2020 bis 2022 – die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit zehn Jahren zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote und lag erneut deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt. Die Sicherheitslage in unserer Heimat ist also nach wie vor ausgezeichnet.“

Mit genau 37.481 (2022: 36.140) im Jahr 2023 in der PKS erfassten bereinigten Straftaten war gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 1.341 Fälle bzw. 3,7 Prozent zu verzeichnen. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist dagegen ein Rückgang der bereinigten Straftaten um 3.705 Fälle (9 Prozent)festzustellen. Die Zunahme der Fallzahlen war insbesondere auf Steigerungen in den Bereichen der Körperverletzungen (682 Delikte, 12,4 %), des Diebstahls (592 Delikte, 6,5 %) sowie der Gewaltkriminalität (323 Delikte, 21,6 %) zurückzuführen. Ebenso wie die Zahl der bereinigten Straftaten stieg im Jahr 2022 auch die bereinigte Häufigkeitszahl in Nordschwaben. Die Anzahl bereinigter Straftaten pro 100.000 Einwohner erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 4.005 (2021: 3.916). si

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