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Mit einem Hauch Wehmut

Kurt Gribls Abschied vom Amt als Augsburger Oberbürgermeister

Zwölf Jahre war Dr. Kurt Gribl als „erster Bürger der Stadt“ für die Geschicke Augsburgs verantwortlich. Er verhalf der Fuggerstadt nicht nur dank Staatstheater, Uniklinik und Weltkulturerbe zu Glanz und Ansehen. Im Frühjahr hat sich der studierte Anwalt vom offiziellen Amt verabschiedet – aus freien Stücken überließ er seinen Chefsessel CSU-Kollegin Eva Weber.

Im Abschieds-Interview spricht Kurt Gribl von einer „eigenartigen Kombination aus Entspannung und Wehmut.“ Er gehe wehmütig, weil er sein Amt gerne ausgeübt habe. Erleichtert sei er aber auch, im Sinne einer gewissen Entspannung, „weil Verantwortung zum Glück weitergegeben werden kann.“

Dass dies in schwierigen Coronazeiten passiert, macht den Wechsel nicht leichter. Aber, so sagt Gribl. „wir hatten schon andere Krisen, die aktuelle ist immer die schwierigste. (…) Ich bin zuversichtlich, dass die Augsburger das schaffen.“ Seiner Nachfolgerin Eva Weber („Eigentlich braucht sie keine guten Empfehlungen“) habe er doch seinen Leitsatz ans Herz gelegt. Er lautet: Sei achtsam mit der Stadt und ihren Menschen. Sie sind Dir anvertraut!

Im Rückblick erinnert sich Gribl an „einige markante Momente. Einer der schönsten war die Grundsteinlegung für die neue Kinderklinik – das hat mich sehr berührt. Die schlimmsten Momente waren diejenigen, in denen es Todesopfer durch Gewaltverbrechen gab. Der Mord etwa an dem Polizisten vor nun fast zehn Jahren, oder die Tötung eines Passanten am Königsplatz am Nikolaustag.“

Zum Zeitpunkt seiner ersten OB-Kandidatur war Gribl nicht einmal CSU-Mitglied und davor politisch in keinem Gremium aktiv. Vom Mister X war da noch die Rede. Jetzt kann er auf zwölf Jahre Erfahrung im gesamten Spektrum kommunaler Angelegenheiten verweisen. Das Wichtigste ist ihm dabei: „Zwölf Jahre Erfahrung aus unzähligen Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern. Ich habe also viel erfahren und auch dazugelernt.“

Viel gerühmt und dem Wohl der Stadt ohne Zweifel dienlich war Gribls Männerfreundschaft zum langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Ob daraus tatsächlich echte Freundschaft entstanden ist? „Sympathie oder Freundschaft allein“, so sagt Gribl, „haben nie ausgereicht, um große Zugeständnisse zu bekommen. Niemals wurde mir nur aus Freundschaft etwas geschenkt. Es müssen immer gute Konzepte sein, mit denen man die Eintrittskarte für Verhandlungen und Unterstützung lösen kann. Dass auf diese Weise entstandenes Vertrauen und freundschaftliche Verbundenheit leichter zum Erfolg führen können, trifft sicher zu. Horst Seehofer war für meine Konzepte offen, er hat mir sehr geholfen. Er hat immer große Stücke auf mich und Augsburg gehalten. Das Band zwischen uns würde ich als freundschaftliche und respektvolle Loyalität bezeichnen.“

Mit Blick auf sein „neues Leben“ nach dem Ausscheiden aus dem OB-Amt meint Gribl: „Ich bin mir ganz sicher, dass die  Resozialisierung gelingen wird (lacht). Ich freue mich darauf, dass wir (also Gribl und seine Frau Sigrid) mehr Zeit für Freunde haben werden. Vor allem werden die Begegnungen künftig auch viel unbefangener sein können, da ich nicht mehr so wie bisher auf die Neutralität und Diskretion des Amtes achten und nicht jedes Wort abwägen muss, bevor ich es ausspreche. Und ich freue mich auf die Selbstbestimmung über meinen eigenen Terminkalender und mein Leben. Ich werde künftig keine Aufgaben mehr übernehmen, die mich dabei allzu sehr beschränken.“

Viel gerätselt wurde, was Gribl jetzt beruflich macht. Er selbst beschreibt es als „selbstständige Beratungstätigkeit. Schwerpunkte sind der Bau- und Immobilienbereich mit Blick auf die Entwicklung und Realisierung von Bauprojekten sowie der private oder unternehmerische Grundstücksverkehr.“ Diese Tätigkeiten erfolgen regional, ebenso wie auf nationaler oder internationaler Ebene. Gribl, der in jedem Fall in Augsburg wohnen bleibt, will sich auf das beschränken, was ihn interessiert und was er an zeitlichem Engagement investieren will. Bleibt noch die Frage, wie steht Augsburg in fünf Jahren da? Gribl: „Erste Liga! Damit ist alles gesagt.“

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