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Mittwoch, 18. März 2026

Eva Gold: Mit der Kunst und ihrem Körper auf Kuschelkurs

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Eva Gold ist eine Künstlerin, die sich in keine Schublade stecken lässt. Viele kennen sie noch von früher als begnadete Sängerin ihrer Band „Misuk“. Jetzt präsentiert die gebürtige Meringerin gerade skulpturale Kunst in der Moritzkirche. AJ-Kulturredakteurin Sandra Hörmann traf das Multitalent in ihrem Atelier im Textilviertel.

“Gegenwart und Zukunft dankbar anzunehmen und zu nutzen, dafür zu arbeiten, durchzustehen, zu beweinen, mich zu kuscheln, zu fordern und lieben, lösen und befreien“, das alles empfindet Eva Gold als unser aller einzig wahres Potenzial. Sie hat alle Stadien selbst durchlebt – und nie aufgegeben. Auch nicht bei ihrer Brustkrebs-Erkrankung, wo sie „das Schlimmste überstanden hat“, wie sie sagt. Wer Eva Gold begegnet, spürt schnell: Diese Künstlerin ist das Ergebnis vieler Brüche, Umwege und mutiger Neuanfänge. Die 42-Jährige aus Mering bei Augsburg gehört zu jenen Persönlichkeiten, deren Geschichte leise beginnt – und nachhaltig nachhallt.

Handwerk liegt ihr im Blut

Als Älteste von fünf Geschwistern wächst Eva Gold früh in Verantwortung hinein. Handwerk liegt ihr im Blut: Eine Lehre als Stuckateurin ist der erste berufliche Schritt. „Leider habe ich bei der Ausübung dieses Berufs Allergien entwickelt, die mich zum Aufhören gezwungen haben – was ich sehr bedauert habe.“

Was für viele ein Endpunkt gewesen wäre, wird für sie zum Wendepunkt. Die Musik, bis dahin Begleiterin im Hintergrund, rückt in den Mittelpunkt. Ohne klassische Ausbildung, dafür mit unermüdlicher Hingabe, bringt sich Eva Gold das Singen selbst bei. „Ich hörte mir Musik an, analysierte sie, imitierte sie – und fand meine eigene Stimme.“

Mitte zwanzig macht sie sich als Sängerin selbstständig. Parallel arbeitet sie als kreative Beraterin für Werbespots, Text und Kampagnen. Dass Kunst selten allein vom Idealismus lebt, weiß Eva Gold aus Erfahrung. Über Jahre hinweg arbeitet sie zusätzlich in der Gastronomie, bleibt geerdet, nah an den Menschen. Vielleicht ist es genau diese Nähe, die ihre Kunst so zugänglich macht.

Kreativität ist bei ihr kein Projekt, sondern ein Zustand

Schon mit 15 Jahren beginnt sie zu fotografieren, malt, experimentiert, beobachtet. Kreativität ist bei ihr kein Projekt, sondern ein Zustand. Einen besonderen Höhepunkt erlebt sie zwei Jahre lang zwischen 2022 und 2024: Mitten in der Salzburger Altstadt, gegenüber dem legendären Hotel Sacher, eröffnet sie einen eigenen Showroom. Eine Galerie – ausschließlich für ihre Werke. Zwei Jahre lang ist dieser Ort ein überraschender Erfolg, ein Treffpunkt aus aller Welt. Dann endet der Mietvertrag. Auch das gehört zu Eva Golds Biographie: Dinge dürfen kommen, wirken – und wieder gehen.

Fest verankert ist sie dagegen in Augsburg. Alljährlich beim Brechtfest, aktuell mit ihrem Projekt „Holy Shelters“ in der Moritzkirche. Dort stellt sie derzeit gemeinsam mit den Kollegen Udo Hudelmaier und Markus Mehr aus. Es geht um Schutzräume, Verletzlichkeit und Halt.
Eva Gold ist keine Künstlerin der lauten Inszenierung. Ihre Stärke liegt im dazwischen, im ehrlichen Ausdruck, im Mut zur Wandlung. Vielleicht ist es genau das, was sie so zeitgemäß macht: eine Frau, die nicht trotz, sondern wegen ihrer Umwege ihren eigenen Ton gefunden hat.

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