Der FC Augsburg tätigte vier Transfers im Winter. Keiner ist bislang so eingeschlagen wie Rodrigo Ribeiro. Zwar brauchte der Portugiese etwas Anlaufzeit, doch mittlerweile hat er sich in der Sturmspitze festgespielt und steuert verlässlich Tore bei. Im Interview mit dem Augsburg Journal spricht der 20-Jährige über seine ersten Wochen in Deutschland, sein Traumtor gegen Köln und wie schwer es ihm fällt, nicht daheim bei seiner Familie zu sein.
Augsburg Journal: Rodrigo, wie waren Ihre ersten Wochen hier in Deutschland?
Rodrigo Ribeiro: Sehr schön! Ich wohne im Zentrum. Das Wetter ist natürlich nicht dasselbe wie in Portugal, am Anfang war es sehr kalt (lacht). Aber jetzt wird es besser und ich genieße die Zeit hier sehr.
AJ: Sie sind im Januar von Sporting Lissabon zum FC Augsburg gewechselt. Was war der ausschlaggebende Grund für diesen Schritt?
Ribeiro: Der Verein hat mir ein sehr gutes Projekt aufgezeigt, das in diesem Moment genau das Richtige für mich ist. Die Verantwortlichen haben mir klar gemacht, was sie von mir und von der Mannschaft erwarten, und das hat mir sehr gefallen. Ich bin überzeugt, ich habe die richtige Wahl getroffen. Ich brauchte einen Ort, an dem ich Spielminuten sammeln kann, wo ich mich gut fühle und mich in der Mannschaft wohlfühle. Genau das habe ich beim FC Augsburg gefunden.
Rodrigo Ribeiro: „Ich bin schon mit 12 Jahren nach Lissabon gezogen“
AJ: Wie schwer fällt es Ihnen, mit 20 Jahren so weit weg von der Heimat zu sein?
Ribeiro: Gar nicht so schwer. Ich bin schon mit zwölf Jahren nach Lissabon gezogen, was auch vier Stunden von meiner Heimat entfernt war. Ich bin es also gewohnt. Außerdem lebt meine Freundin mit mir in Augsburg und meine Familie kommt oft zu den Spielen, um mich zu unterstützen. Das macht es viel einfacher.
AJ: Weder in Portugal noch bei Ihrer Leihe zu Nottingham Forest haben Sie besonders viele Tore geschossen. Hier in Augsburg hat es direkt geklappt. Was hat sich verändert?
Ribeiro: Es geht um das Gefühl und das Vertrauen. Die Verantwortlichen kennen meine Qualitäten und glauben an mich. Für einen Spieler ist das das Wichtigste: zu spüren, dass die Mannschaft, der Trainer und der gesamte Klub hinter einem stehen. Wenn man dieses Selbstvertrauen hat, wird auch das eigene Spiel automatisch besser.
AJ: Hatten Sie erwartet, nach Ihrem Wechsel direkt so viel Spielzeit zu bekommen?
Ribeiro: Nein. Als ich ankam, saß ich die ersten zwei, drei Spiele auf der Bank, und das ist völlig normal. Ich musste erst die Ideen des Trainers und die Mannschaft kennenlernen und mich an den Wechsel von Portugal nach Deutschland anpassen – sowohl fußballerisch als auch privat. Nach diesen ersten Wochen der Eingewöhnung lief es dann richtig gut.
AJ: Mit Michael Gregoritsch gibt es einen sehr erfahrenen Stürmer im Team. Was können Sie von ihm lernen?
Ribeiro: Er ist sehr erfahren und ein unheimlich netter Kerl. Er hilft mir sehr viel. Ich lerne von ihm, weil er älter ist und diese großartige Karriere erlebt hat. Ich kann sehr von jemandem mit seiner Erfahrung profitieren. Aber ich lerne auch von allen anderen Spielern.
Der Trainer vermittelt uns das Gefühl, dass wir jedes Spiel gewinnen können
AJ: Was erwartet der Trainer von Ihnen auf dem Platz?
Ribeiro: Es geht gar nicht nur um mich, sondern um die ganze Mannschaft. Er erwartet, dass wir in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen. In den letzten Spielen haben wir meistens das auch gezeigt. Der Trainer vermittelt uns immer das Gefühl, dass wir jedes Spiel gewinnen können – dieses Mindset ist extrem wichtig.
AJ: Gegen den 1. FC Köln haben Sie ein wunderschönes Tor per Hacke erzielt. Wie oft haben Sie sich den Treffer danach auf dem Handy angeschaut?
Ribeiro (lacht): Bestimmt zehnmal oder noch öfter! Es war wirklich ein schönes Tor. Ich habe in dem Moment gar nicht groß nachgedacht, ich habe es einfach gemacht und es hat funktioniert.
AJ: In Portugal liegt der Fokus stark auf der Technik, die Bundesliga ist extrem physisch. Wie läuft die Anpassung?
Ribeiro: Es ist hier definitiv intensiver und physischer. Aber ich hatte eine sehr gute Ausbildung. Auch meine Zeit in England bei Nottingham hat mir geholfen, mich körperlich weiterzuentwickeln.
AJ: Wie würden Sie Ihren eigenen Spielstil beschreiben?
Ribeiro: Ich mache viele tiefe Laufwege in den Raum hinter der Abwehrkette. Aber ich kann auch vorne als Wandspieler agieren, den Ball festmachen und mit meinen Mitspielern kombinieren. Ich habe eine gute Technik. Verbessern muss ich mich auf jeden Fall noch beim Kopfball und beim Torabschluss.
Sprache verbindet: Mit Arthur Chaves gut befreundet
AJ: Wer hilft Ihnen im Team bei der Eingewöhnung am meisten?
Ribeiro: Arthur Chaves ist mein bester Freund in der Mannschaft. Er ist ein toller Typ und wir sprechen die gleiche Sprache. Wir sind ja auch beide zur selben Zeit zum FCA gekommen. Das hat sehr geholfen.
AJ: Und wie schmeckt Ihnen das deutsche Essen?
Ribeiro: Um ehrlich zu sein: In Portugal ist es besser! (lacht) Mein absolutes Lieblingsessen ist Francesinha. Das kommt aus Porto, eine Art Sandwich mit viel Fleisch, Käse, einer speziellen Soße und Pommes. Hier in Bayern kenne ich dieses Brot in einer bestimmten Form mit Salz darauf…
AJ: Eine Breze!
Ribeiro: Genau! Die ist auch gut.
AJ: Der FC Augsburg hat im Sommer eine Kaufoption für Sie. Wie sieht Ihr Wunsch aus?
Ribeiro: Am Ende ist es die Entscheidung des Vereins. Aber ich genieße die Zeit hier sehr, ich bin sehr glücklich und möchte gerne bleiben, um mich hier weiterzuentwickeln. Momentan denke ich aber nicht zu viel darüber nach. Ich will einfach der Mannschaft helfen und als Spieler und als Mensch wachsen.
AJ: Sie stehen aktuell bei zwei Toren. Mit wie vielen Treffern am Ende der Saison wären Sie zufrieden?
Ribeiro: Ich setze mich da nicht unter Druck. Die Tore kommen ganz natürlich, wenn man einfach spielt und der Mannschaft hilft. Wenn man zu viel darüber nachdenkt, wird es nur schwieriger.
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