Die Ausweitung der Tempo-30-Zonen in ganz Augsburg bremst nicht nur Autofahrer, sondern auch Straßenbahnen und Busse massiv aus. Das bestätigen die Stadtwerke auf Anfrage und warnen vor erheblichen Mehrkosten. Nicht erst seit der (testweisen) Einführung von Tempo 30 auf der Achse Staatstheater – Grottenau – Magesberg – Jakober Vorstadt ist das Thema in den Vordergrund gerückt.
Ein Betrag von 25 Millionen Euro zusätzlichen Bedarfs für den öffentlichen Nahverkehr (für mehr Fahrzeuge, mehr Personal, mehr Werkstattkapazitäten …) wird genannt, wenn bei langsamerem Tempo ein zusätzliches Angebot geschaffen werden soll. Hinzu kommt der Wunsch des neugewählten Bürgermeisters Florian Freund, der als eine der ersten Maßnahmen nach seiner Amtsübernahme die Wiedereinführung des 5-Minuten-Takts in den Stoßzeiten genannt hat.
Ausweitung der Tempo-30-Zonen
„Die Ausweitung der Tempo-30-Zonen wirkt sich für die swa zunehmend belastend auf den Betrieb von Bus und Straßenbahn aus“, so swa-Sprecherin Annika Heim. „In der betrieblichen Praxis führen die niedrigeren Geschwindigkeiten in Verbindung mit dem wachsenden Verkehrsaufkommen zu verlängerten Fahrzeiten und einer geringeren Umlaufstabilität.“ Die vorhandenen zeitlichen Reserven würden dadurch spürbar kleiner, was die Resilienz des Gesamtsystems „deutlich schwächt. Besonders ausgeprägt treten diese Effekte in den Hauptverkehrszeiten auf“, so die swa. Gerade dann, wenn die meisten Fahrgäste unterwegs seien und der ÖPNV am stärksten genutzt werde, sei der Betrieb am störanfälligsten. „Das bedeutet: Die Zuverlässigkeit ist ausgerechnet in den Zeitfenstern am geringsten, in denen Busse und Straßenbahnen für die meisten Fahrgäste eine verlässliche Mobilität sicherstellen müssen.“
Insgesamt beobachten die swa bereits heute, dass Pünktlichkeit und Anschlussstabilität durch die Ausweitung der Tempo 30 Zonen sowie die zunehmende Verkehrsbelastung spürbar beeinträchtigt werden. Fazit der Stadtwerke-Sprecherin: „Ohne eine konsequente Bevorrechtigung des ÖPNV verschärfen sich diese Effekte weiter.“
Problematik des 5-Minuten-Taktes
Und nun die Problematik des 5-Minuten-Taktes. Diesen hatte es in Augsburg schon gegeben, während der Pandemie wurde er aber – bis heute – durch eine 7,5-Minuten-Taktung ersetzt. Grundsätzlich, so die Stadtwerke, sei ein 5-Minuten-Takt im Straßenbahnverkehr umsetzbar. Voraussetzung seien jedoch zusätzliche Fahrzeuge, eine entsprechende infrastrukturelle Ausstattung sowie ausreichend Personal. „Der Aufwand hängt stark vom jeweiligen Umfang ab. Während ein 5-Minuten-Takt auf einzelnen Linien zu bestimmten Zeiten, etwa im morgendlichen Berufsverkehr, vergleichsweise zeitnah und mit überschaubaren Kosten realisierbar wäre, ist eine flächendeckende Umsetzung zu allen Tages- und Nachtzeiten nur mit erheblichen Investitionen und Vorlaufzeiten von bis zu zwei Jahren möglich.“
Dazu wären unter anderem bis zu zehn zusätzliche Fahrzeuge, deutlich mehr Personal sowie erweiterte Depot- und Werkstattkapazitäten erforderlich. Zudem verschlechtern sich unter den aktuellen Verkehrsbedingungen etwa durch Tempo-30-Regelungen Baustellen, Demonstrationen, Falschparker oder Polizei- und Rettungseinsätze die Fahrzeiten zunehmend, was die Einhaltung dichter Takte erschwert. Ein stabiler 5-Minuten-Takt würde rechnerisch einen deutlich höheren Personaleinsatz erfordern, was angesichts des bundesweiten Fachkräftemangels im Öffentlichen Nahverkehr eine zusätzliche Herausforderung darstellt. „Mit der neuen Tramlink Fahrzeuggeneration steht künftig deutlich mehr Kapazität pro Fahrt zur Verfügung. Dadurch lassen sich Angebotsverbesserungen häufig auch ohne weitere Taktverdichtungen erreichen.“
Grundsätzlich gilt laut Stadtwerken: Mehr Angebot erfordert zusätzliche finanzielle Mittel für Personal, Fahrzeuge und Infrastruktur. „Die swa sind hier offen für den Dialog mit der Politik und stehen im laufenden Austausch, um gemeinsam zu klären, unter welchen Rahmenbedingungen Angebotsausweitungen sinnvoll, stabil und dauerhaft umsetzbar sind.“
Lesen Sie auch: „Autofeindlichkeit“ contra Sicherheit: Kontroverse Debatte über Tempo 30


