Augsburgerinnen und Augsburger über 90 kennen noch die Zeit, in der es keinen botanischen Garten in der Stadt gab. 1936 beschlossen die Stadtoberen, ein Gelände beim Siebentischpark zu kaufen, um dort die Nachfolgeeinrichtung für den damaligen Stadtgarten zu gründen. Jetzt wird die Eröffnung des Botanischen Gartens vor 90 Jahren gefeiert.
Am Sonntag, 14. Juni von 10 bis 20 Uhr gibt es bei freiem Eintritt ein buntes Programm mit Musik, Ausstellungen, Führungen und Vorträgen. Die Eröffnung mit Oberbürgermeister Florian Freund findet um 11 Uhr im Rosengarten statt.
Im Pflanzen-Überwinterungshaus stellen Auszubildende ihre Arbeit vor, veranstalten ein eigenes Quiz und bauen und bepflanzen mit Interessierten einen Kräuterturm. Am Nachmittag erklären Baumkletterer, wie die Stadtbäume gepflegt werden. Die Obergrenze für gleichzeitige Besuchende im Botanischen Garten liegt bei 5.000 Menschen. Ist die Obergrenze überschritten, kann es zu Wartezeiten kommen.
90 Jahre ist es her, dass am Rande des Siebentischparks ein Schau- und Lehrgarten für Bürger und Bürgerinnen angelegt wurde. Aus anfangs 1,7 Hektar entstand in den folgenden Jahren bis heute eine grüne Oase in Stadtnähe auf zehn Hektar Fläche. Sie zieht jährlich etwa 250.000 Besucher und Besucherinnen an.
Vielfältiges Jahresprogramm, Aktionen und Veranstaltungen
Schon seit den 1880er-Jahren hatte es in Göggingen einen Stadtgarten gegeben, den der Stadtrat 1935 aufgeben wollte. Damals entstand die Idee, an den Siebentischwald umzuziehen. Den Zoo, heute direkter Nachbar des Gartens, gab es damals übrigens noch nicht, er wurde erst ein Jahr später, 1937 gegründet. Anfangs waren Stadtgärten eher Einrichtungen mit einem Nutzgedanken denn Freizeitgelände. Wurden dort doch Gemüsepflanzen oder Blumenzwiebeln angebaut.
Bei der Garten-Neugründung am Siebentischpark war es etwas anders. Bereits damals wurde er als „Schau- und Lehrgarten“ gegründet, um den Besucherinnen und Besuchern die Pflanzenvielfalt im Freigelände und im Tropenhaus zu präsentieren, erklärt die Fachbereichsleiterin Birgit Anders. „Diese Philosophie hat sich bis heute prinzipiell nicht verändert, sie wurde vielmehr an die heutige Zeit angepasst. Der Botanische Garten bietet mit seinen Führungen und Aktionen ein ‚Erlebnis durch vier Jahreszeiten‘.“ Mit einem vielfältigen Jahresprogramm, Aktionen und Veranstaltungen würden nicht nur Gartenliebhaber angesprochen, sondern auch Familien und Kulturinteressierte. Die Bildung etwa für Schulklassen gehe zudem vermehrt in Richtung Nachhaltigkeit oder naturnahes Gärtnern. „So bleibt der Botanische Garten seiner Philosophie treu und geht dennoch mit der Zeit.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Botanische Garten dem Gemüseanbau
Anders richtete ihren Blick auch schon auf die Zukunft des Gartens: „Der Klimawandel bringt Extremwetter wie Sturm oder Unwetter mit sich. Darauf muss sich eine öffentliche Einrichtung wie der Botanische Garten vorbereiten. Hierfür werden Verfahrensketten entwickelt, um den Garten bei einem aufziehenden Gewitter zeitnah zu räumen und die Sicherheit der Besuchenden zu gewährleisten. Bei der Neuplanung oder Überarbeitung einzelner Gartenbereiche achten wir darauf, Pflanzen zu verwenden, die weniger krankheitsanfällig sind oder besser mit Trockenheit zurechtkommen. Zudem beschäftigt uns der Erhalt der Holzbauten aus den 80er-Jahren, die für die Landesgartenschau 1985 erstellt wurden, sowie die Sanierung der jahrzehntealten Strom- und Wasserleitungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, wo der Botanische Garten dem Gemüseanbau diente, entwickelte sich die Anlage mehr und mehr Richtung Information und Unterhaltung.
Ein stiller Star des Botanischen Gartens von heute ist ohne Zweifel der Japangarten. Dessen Geschichte geht auf das Jahr 1985 zurück, jenes Jahr, als Augsburg sein Jubiläum „2000 Jahre Stadtgründung“ feierte. In dieser Zeit erlebte auch der Garten eine Aufwertung. Als feststand, dass Augsburg die bayerische Landesgartenschau 1985 erhalten würde, versprach der Freistaat Bayern einen bedeutsamen Beitrag. Das viel beachtete Projekt Japanischer Garten wurde von den beiden Augsburger Partnerstädten Amagasaki und Nagahama begleitet.
Lesen Sie auch: Augsburgs neuer Zoodirektor Philipp Wagner: Der Tier-Retter ist da!


