Das Wasser des Augsburger Eiskanals rauschte am vergangenen Wochenende gefühlt noch ein bisschen schneller als sonst. Beim Heim-Weltcup peitschten die Zuschauer die Athleten vor allem an den Schönwettertagen Samstag und Sonntag durch die wilde Strömung. Aus Augsburger Sicht lagen grenzenloser Jubel und verpasste Podestplätze ganz dicht beieinander. Die absolute Gewinnerin des Wochenendes war mit Doppelgold Ricarda Funk, bei Publikumsliebling Sideris Tasiadis reichte es in seiner Paradedisziplin hauchdünn nur zum vierten Platz.
Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) drückte dem Weltcup eindrucksvoll ihren Stempel auf. Im Kajak-Einer zauberte die 34-Jährige einen „nahezu perfekten Lauf“ ins unruhige Wasser und distanzierte die Französin Camille Prigent um deutliche 1,15 Sekunden. „Wenn es einem gelingt, so einen Finallauf vor Familie und Freunden so herunter zu zimmern, dann ist man einfach nur glücklich“, strahlte die Olympiasiegerin bereits am Freitag. Doch damit nicht genug: Im Cross-Einzelzeitfahren (Cross Individual) legte Funk am Sonntag nach und sicherte sich mit einem hauchdünnen Vorsprung von zwei Hundertstelsekunden ihre zweite Goldmedaille an diesem Wochenende. Ein historischer Doppel-Erfolg auf ihrer erklärten Lieblingsstrecke.
Weniger Glück hatte indes Sideris Tasiadis von den Kanu-Schwaben Augsburg. Der 36-jährige Canadier-Spezialist hatte am Samstag im Vorlauf mit 97,37 Sekunden noch die absolute Bestzeit des Tages vorgelegt. Im großen Finale passierte dann jedoch das Missgeschick: Eine Torstabberührung direkt an Tor zwei kostete ihn 2 Sekunden Zeit und damit auch eine Medaille. Am Ende fehlten Tasiadis winzige sechs Zehntel auf das Podest, er landete auf dem undankbaren vierten Platz.
Ricarda Funk: Doppel-Gold für die Slalomkönigin
Im ersten Moment war der Ärger beim Routinier natürlich groß: „Wie ich die Berührung wahrgenommen habe? Ich habe mir gedacht: Scheißdreck. Dann wollte ich das schnell abschütteln und versuchen, hier und da Zeit rauszufahren“, fand Tasiadis nach dem Finale gewohnt offene Worte. „Ich weiß auch selbst, mit der Torstabberührung kann ich noch Zweiter, Dritter oder Vierter werden, aber es reicht halt einfach nicht mehr für den Sieg.“ Dennoch zog er nach einjähriger Wettkampfpause ein insgesamt positives Resümee: „Es ist okay, wieder in einem Finale zu stehen.“
Dass der Eiskanal mehr ist als nur eine Rennstrecke, bewies nicht nur die „familiäre Stimmung“, die Tasiadis explizit lobte. Den emotionalsten Moment gab es nach der Zieldurchfahrt: An der Treppe wartete bereits die eigene Familie. Ehefrau Denise und Sohn Lino waren da und trösteten den Papa nach dessen Finalfahrt durch den Eiskanal.
Für die weiteren Augsburger Lokalmatadore erwies sich der heimische Eiskanal diesmal als hartes Pflaster. Emily Apel (KS Augsburg) schrammte im Kajak-Einer als Fünfte nach einer bitteren Zwei-Sekunden-Strafe ebenfalls hauchdünn an Bronze vorbei.
Nachwuchstalent Christian Stanzel (Augsburger KV) als Vorlauf-13. und Top-Paddler Noah Hegge (KSA) auf Rang 17 verpassten die Finalläufe nach unglücklichen Torstabberührungen denkbar knapp.
Glück und Pech liegen manchmal nah beieinander. Sideris Tasiadis wurde nach seinem 4. Platz im Ziel von Frau Denise und Sohn Lino getröstet.
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