Für ein paar Stunden sah es so aus, als würde Augsburg eines seiner sichtbarsten Ärgernisse tatsächlich loswerden. Am Samstag, 13. Juni, fraßen sich am Kongressparkhaus neben dem Hotelturm Abrisszangen in den Beton. Schaulustige blieben stehen, Kameras liefen, in den sozialen Medien wurde leidenschaftlich kommentiert. Nach Jahren des Stillstands war plötzlich Bewegung auf einem Areal, über das in Augsburg seit Langem gestritten wird.
Gut vier Wochen später steht das Projekt wieder still. Der Abriss wurde gestoppt. Die juristische Auseinandersetzung läuft weiter. Und statt einer klaren Perspektive steht erneut die Frage im Raum, wie es an dieser Stelle weitergehen soll.
Mehrheitseigentümer Bernhard Spielberger gibt sich auf Anfrage des Augsburg Journal REPORTER kämpferisch. Die jüngste Entwicklung überrascht ihn nach eigener Darstellung nicht. „Die Abbrucharbeiten wurden bereits am Samstag wieder eingestellt. Die einstweilige Verfügung kam erst am darauffolgenden Donnerstag“, sagt Spielberger. Verwundert habe ihn lediglich eines: „Dass Wowra so lange gebraucht hat.“
„850.000 Euro für Wertlosen Keller“
Gemeint ist Jürgen Wowra, jener Minderheitseigentümer, der den Abriss bereits in der Vergangenheit juristisch ausgebremst hatte. Spielberger sieht in ihm das zentrale Hindernis für Abbruch und Neubau. Nach seiner Darstellung seien „99,6 Prozent der Miteigentümer für einen Abbruch und Neubau“. Der Anteil des Gegenspielers liege bei 0,4 Prozent. Dieser verhindere aus seiner Sicht alles und lasse sich diese Haltung gut entlohnen. Das ist die Sicht Spielbergers, sie zeigt aber, wie verhärtet die Fronten rund um das Parkhaus sind.
Dass es noch einmal zu echten Verhandlungen zwischen den beiden Seiten kommt, hält Spielberger offenbar nur unter einer Bedingung für realistisch. „Verhandlungen mit Wowra machen nur Sinn, wenn wir einen Geldgeber finden, der Wowra für seinen wertlosen Keller mindestens 850.000 Euro bezahlt“, beschreibt er die Situation ironisch. Mit dieser Summe steht nun zumindest ein Preis-Schild an einer möglichen Lösung des Konfliktes.
Spielberger legt nach. „Ein Lösungsweg wäre, wenn das Augsburg Journal einen Spender von 850.000 Euro findet“, gibt er mit ebenfalls sarkastischem Unterton zu Protokoll. Sicher sei eine Lösung aber selbst dann nicht. Spielbergs Widersacher habe sich aus seiner Sicht bereits mehrfach herauskaufen lassen und sei später wieder eingestiegen. Diese Vorwürfe sind nicht neu in diesem Konflikt, sie prägen aber den Ton, in dem die Auseinandersetzung inzwischen geführt wird.
Das Kongressparkhaus: „Was ist falsch an 220 Seniorenwohnungen?“
Für die Stadt ist die Lage schwierig. Das Parkhaus ist seit Jahren gesperrt. Für den Kongress am Park und das Dorint-Hotel im Hotelturm fehlt eine tragfähige Parklösung in unmittelbarer Nähe. Gleichzeitig liegt das Areal an einer sensiblen Stelle am Wittelsbacher Park. Was dort entsteht, betrifft nicht nur die Eigentümer, sondern auch Verkehr, Stadtbild und die Entwicklung des gesamten Umfelds. Oberbürgermeister Florian Freund hatte den Fall zur Chefsache gemacht. Auf die Frage, ob ein Treffen zwischen Freund und Spielberger bereits stattgefunden habe und was dabei konkret herauskam, äußert sich Spielberger nicht wirklich. Seine Antwort fällt knapp aus: „Bitte fragen Sie hierzu den OB.“ Dass die Gespräche inzwischen auf höchster politischer Ebene laufen, ist dennoch offensichtlich. Freund hatte bereits deutlich gemacht, dass Augsburg an dieser Stelle eine Parkhauslösung für Hotel und Kongress braucht. Spielberger wiederum verfolgt weiter sein Konzept mit rund 220 günstigen Seniorenwohnungen über einer Tiefgarage.
Für ihn passt das zusammen. „Die Stadt und ich hatten bereits einmal eine gemeinsame Lösung. Diese strebe ich erneut an“, sagt Spielberger. Dann stellt er die Frage: „Was ist so falsch an 220 Wohnungen für Senioren mit geringem Einkommen?“ Genau hier liegt einer der zentralen Punkte des Streits. Augsburg braucht bezahlbaren Wohnraum. Gleichzeitig braucht der Kongressstandort Parkplätze. Die Stadt denkt seit Jahren eher in Richtung Parkhaus oder Mobilitätsgarage.
Spielberger verweist darauf, dass eine reine Parklösung wirtschaftlich schwer darstellbar sei. „Die Errichtung einer Parkgarage in dieser Größenordnung kann wirtschaftlich nicht durch die Einnahmen aus Parkgebühren gedeckt werden“, sagt er. Wer eine große Parkgarage wolle, müsse daher auch sagen, wie die Unterdeckung finanziert werden solle. Der Abriss hat also Bewegung gebracht, aber keine Lösung. Seit rund vier Wochen herrscht nun wieder Stillstand. Wie lange dieser Zustand noch andauert, bleibt offen.
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