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Der neue Bischof

Ungewöhnliche Weihe für den Oberhirten Bertram Meier und ein Maskentausch mit Markus Söder

Heute ist kein Maskenball, sondern ein Glaubensfest“ betonte Bertram Meier in seiner ersten Ansprache als 62. Nachfolger des Heiligen Ulrich auf dem Augsburger Bischofsstuhl. Er blickte dabei auf die wegen strenger Corona-Bestimmungen mit Mund- und Nasenschutz ausgestatteten Ehrengäste. Für Bayerns Ministerpräsidenten zog der Neu-Bischof während seiner Rede ein besonderes Geschenk aus dem Ärmel. Neben dem Dank an Markus Söder für seinen „jetzt in diesen Zeiten besonders starken Einsatz vor Ort“ hielt der Oberhirte eine gelb-weiße Corona-Maske in seiner Rechten, als „Souvenir und Give-away“ für den evangelischen Landesvater. Dessen Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Ich kann gerne noch eine weitere Maske brauchen. Von mir kriegen Sie dafür eine weiß-blaue. Die ist vielleicht ein bisschen größer, Ihre dafür sicher schöner.“ Kommentar einer amüsierten Besucherin: „Was das Virus nicht alles bewirken kann“.

Hausbesuch beim neuen Bischof

Bertram Meier fährt BMW, mag Pistazieneis und die Puppenkiste, lobt den FCA und verrät, mit wem er gerne Schafkopf spielt

Die Kirche im Dorf lassen – das will Bertram Meier auch als Bischof von Augsburg. Ungewöhnlich ist, dass dieses hohe Amt an einen Geistlichen aus der Region geht – noch dazu, da der damals 59-Jährige nach Konrad Zdarsas Ausscheiden bereits Monate als Stellvertreter diese Position ausfüllt.

Bertram Meier aus Buchloe im Ostallgäu hat in seiner kirchlichen Laufbahn viele Stationen durchlaufen. Als „für alles offen und sehr aufgeschlossen“ wurde und wird er beschrieben, als eloquent und unkompliziert, ja sogar als locker und lustig, aber auch als nachdenklich, hintergründig und mit klarer Linie.

Das zeigt sich auch beim Gespräch in Bertram Meiers Wohnung beim Dom, wo die langjährige Haushälterin, Franziskaner-Schwester Dominika Meier (die Namensgleichheit ist reiner Zufall) von Maria Stern, Kaffee und Duplo serviert. Und zufällig schaut Bertram Meiers jüngere Schwester Alexandra Buchegger vorbei, die mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Söhnen in Paris lebt, gerade aber für ein paar Tage in Augsburg ist. Auch, um die Mutter Erna Meier im St. Afra-Seniorenheim zu besuchen, die mit 88 Jahren ebenfalls noch eine gute Unterhalterin ist.

Im Exklusiv-Gespräch weicht der neue Bischof Bertram keiner Frage aus – auch nicht, als es um private Interessen, Hobbys und ganz persönliche Dinge geht. Auf die Frage, wie groß der Respekt vor der neuen Aufgabe ist, meint Meier: „Bischof sein ist anspruchsvoll. Aber es ist auch eine schöne Aufgabe. Ich hoffe, dass ich in diesem Dienst für immerhin fast 1,3 Millionen Katholiken in der Diözese Augsburg noch mehr Kontakt zu konkreten Menschen haben werde. Denn der Hirte muss raus, um bei seiner „Herde“ zu sein. Auf diese Begegnungen mit unterschiedlichen Leuten freue ich mich. Eine große Herausforderung im Bistum ist die Vielfalt. Es gibt hier viele Einzelpersonen, Gruppen und Strömungen. Die unter einen Hut zu bringen wird eine Geduldsaufgabe sein. Ich wünsche mir, dass ich die Mitte halten kann und nicht in eine Schublade gesteckt werde. Ich war schon immer eine „überparteiliche Persönlichkeit.“ Meier will, wie er weiter sagt, die Menschen im Bistum näher zu Christus führen. Dabei will er das Evangelium anbieten – nicht als Drohbotschaft, sondern als Frohbotschaft.

Der neue Bischof will auch die Ökumene in der Friedensstadt Augsburg stärken, „indem wir noch mehr versuchen, uns immer besser kennen und verstehen zu lernen. Wenn wir Augsburg als Friedensstadt leben wollen, müssen wir über den christlichen Tellerrand hinausschauen. Das heißt nicht nur die evangelischen Christen und die anderen christlichen Konfessionen im Blick haben, sondern auch die Mitglieder anderer Religionen, besonders die Juden und Muslime mit ins Boot holen. Um der Stadt ein humanes Gesicht zu geben, sind wir alle gefragt. Die Spezies Mensch ist es, die uns verbindet,“ sagt Meier, der in einem christlichen Elternhaus (der Vater war evangelisch) aufgewachsen ist, aber keineswegs bigott erzogen wurde. Der Glaube habe dazugehört, er war Selbstverständlichkeit, „aber meine Schwester und ich wurden nie in ein Korsett hineingezwängt.“

Schon als Kind habe er Pfarrer gespielt. „In der Jugend habe ich auch tanzen gelernt – aber nicht so für ein Mädchen Feuer gefangen, dass es meinen Wunsch gefährdet hätte, Priester zu werden. Nach dem Abitur hätten sich meine Eltern gewünscht – ich war damals knapp 18 –, dass ich erst etwas anderes studieren solle, ehe ich ins Priesterseminar gehe.“ Er habe es aber anders gemacht und war sich sicher: „Das ist mein Leben.“ Echte Zweifel seien dann nie aufgekommen.

Welche besonderen Interessen und Hobbys er unabhängig vom Glauben habe? Dazu sagt der neue Bischof: „Ich bin kulturell interessiert, gehe auch mal ins Kino, auch gutes Essen – vor allem italienische Küche – verschmähe ich nicht. Und dann kann ich mich auch für Fußball begeistern: allerdings weniger praktisch als theoretisch. (…) Der FC Augsburg liegt mir am Herzen. Ich finde es toll, dass er so kämpft und sich deshalb schon seit zehn Jahren in der 1. Liga hält.“

Bischof Bertram („Ein großer Gärtner bin ich nicht“) erfreut sich auch an schönen Blumen und an allem, was die Natur bietet. Früher habe er mit Begeisterung Pilze gesammelt.  Im Sommer gehe er gern wandern in Südtirol oder genieße die frische Meeresluft an der Ostsee.

In Augsburg geht der Bischof, auch der Gesundheit wegen, viel zu Fuß. „Da bin ich meist schneller als mit der Tram oder mit dem Auto. Auch habe ich seit ein paar Jahren wieder angefangen, Rad zu fahren. Mit dem E-Bike, versteht sich: damit es nicht zu anstrengend wird. Aber das „Strampeln“ tut mir gut. Ansonsten war Sport nie mein Fach. Manchmal sage ich mit Augenzwinkern: Sport ist Mord.“ Aber: Schafkopfspielen gehört zu Bertram Meiers Leidenschaften. Interessant sind seine Mitspielerinnen: Franziskanerinnen von Maria Stern, alle über 80 Jahre alt, aber im Kopf hellwach. „Wir spielen übrigens um Geld, aber nur um kleine Beträge.“

Nicht zuletzt verrät der neue Oberhirte, dass er einen BMW hat, „aber ein kleines Modell der 2-er Reihe. Das genügt mir. Ich brauche keine Familienkutsche.“

Auch als Bischof bleibt Meier in seiner Wohnung, „wo ich seit 17 Jahren wohne und gern lebe. Da halte ich es mit Papst Franziskus, der für sich auch Wohnen und Arbeiten getrennt hat. Für die Arbeit gehe ich ins Bischofshaus.“ Seinen Wohnstil umschreibt Bischof Bertram als praktisch und gemütlich. „Es sollte warm sein, nicht nur von der Temperatur her. Ich muss mich in meinen eigenen vier Wänden wohlfühlen.“

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