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Autofrei

Wird Augsburg die autofeindlichste Stadt Bayerns?

Die leere Maxstraße – 2020 lag es an Corona, dass auf dem Prachtboulevard Stillstand herrscht. Doch wenn es nach der neuen Stadtregierung geht, soll dies künftig immer so sein. Eine autofreie Maxstraße, Verkehrsberuhigungen in Altstadt und weiteren City-Verbindungen, dafür noch höhere Parkplatzgebühren und mehr Radarfallen. Überhaupt wollen Schwarz-Grün (oder sollte man besser sagen Grün-Schwarz?) das Auto ins Abseits drängen. Fußgänger und Radler haben Vorrang, ebenso Bus und Tram. Augsburg droht zur autofeindlichsten Stadt Bayerns zu werden.

„Unser Ziel ist ein vielfältiges Mobilitätsangebot. Hierzu gehört, dass die Verkehrsmittel des Umweltverbundes (Fuß- und Radverkehr, Bus und Bahn) das Verkehrsgeschehen dominieren.“ So steht es wörtlich im Koalitionsvertrag, den CSU und Grüne vereinbart haben. Deutlich wird, dass Autos nicht mehr gleichberechtigt betrachtet werden.

Stattdessen will die neue Stadtregierung das Car- und Bike-Sharing-Angebot stärken und den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen. „Eine wichtige Rolle bei einer nachhaltigeren Mobilität spielt das Fahrrad, weshalb unsere Konzeption eine gute und sichere Infrastruktur für den Radverkehr vorsieht (Radwegenetz, Abstellflächen)“, heißt es weiter.

Und das Auto? „Der öffentliche Raum soll sich durch eine hohe Aufenthaltsqualität auszeichnen und nicht von ruhendem und fließendem Kfz-Verkehr dominiert werden.“ Und weiter will Schwarz-Grün sogar, dass der Weg zum Autostellplatz bei neuen Wohnquartieren nicht mehr kürzer als der Weg zur nächsten Haltestelle oder Leihradstation sein soll.

Sieben Einzelkapitel hat die Koalitionsvereinbarung im Abschnitt „Mobilität“. Keines ist dem Auto gewidmet. Im letzten Kapitel „Verkehr“ stehen nur mehr Themen wie mehr Tempokontrollen, mehr Tempo 30, höhere Parkgebühren (auch fürs Anwohnerparken) und sogar Möglichkeiten, Straßen ganz zu schließen. Die lange vor allem von CSU-Seiten versprochene Gleichstellung aller Verkehrsmittel scheint vom Tisch. Ebenso ist plötzlich keine Rede mehr von einem Mobilitätsreferat, das die neue OB Eva Weber im Wahlkampf immer angekündigt hatte. Und: Trotz aller ÖPNV-Förderung wird wohl ein allseits versprochenes 365-Euro-Ticket für Bus und Tram auf sich warten lassen. Nach der Wahl ist halt doch so manches anders.

Jetzt die Autos rausnehmen aus der City, speziell aus der Altstadt, ist zum Beispiel der SPD, die jetzt ja eine starke Opposition bilden will, verfrüht. Man würde so den zweiten Schritt vor dem ersten tun, hat der gescheiterte OB-Bewerber Dirk Wurm immer wieder betont und sich etwa für Quartiersparkhäuser ausgesprochen. Erst wenn die Voraussetzungen stimmten, also auch Parkleitsystem und ähnliches funktionierten, könne man den Autoverkehr reduzieren.

Die SPD und auch andere Rathausgruppen hatten sich jedenfalls immer für eine Gleichgewichtung aller Verkehrsmittel ausgesprochen. Das unterstreicht auch die Industrie- und Handelskammer. Kommunikationschef Thomas Schörg fordert u.a. die „Erreichbarkeit der Innenstadt sowohl mit dem PKW als auch mit dem ÖPNV.“ Innerhalb der Stadtgrenzen gehe es darum, die Verkehrsträger zu vernetzen, Suchverkehre durch ein dynamisches Parkleitsystem und ein ausgewogenes Parkplatzangebot zu reduzieren und die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger zu ertüchtigen. „Im Kern steht also eine gleichberechtigte Förderung aller Verkehrsträger in und außerhalb der Stadt“, so Schörg.

„Das Konzept wirkt nicht zu Ende gedacht“, sagt auch Ulrich Wagner, seines Zeichens Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.„Die Erreichbarkeit, gerade auch für das Handwerk, ist für eine zukunftsfähige Innenstadt existenziell.“ Der Lieferverkehr finde zwar im Koalitionsvertrag noch Erwähnung, jedoch nur mit der Zielsetzung, dass er reduziert werden soll, kritisiert der Handwerksvertreter und stellt fest: „Der eigentliche handwerkliche Verkehr, also Kundendiensteinsätze und Baustellenfahrten sowie die damit verbundenen Erreichbarkeitsprobleme sind erst gar nicht einer Erwähnung wert. Als Handwerkskammer setzen wir uns intensiv und auch künftig dafür ein, dass unseren Betrieben nicht unnötig Steine in den Weg gelegt werden.“

Einzelhandels-Bezirksgeschäftsführer Andreas Gärtner begrüßt, dass als Grundlage für alles die Sicherung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes genannt wird. Und er  geht aber davon aus, „dass unsere zentrale Forderung nach einer schnellen und bequemen Erreichbarkeit der Handelsstandorte, auch aus dem Umland, gehört und verstanden wurde. Wenn attraktive Alternativen zum Individualverkehr geschaffen werden, die sich anbieten, bevor Einschränkungen, Verbote und Sperrungen erlassen werden, unterstützt dies der Handel.“

 

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