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Drei Mohren – war mal!

Dass Augsburgs Nobelhotel seinen Traditionsnamen aufgibt kann kaum einer verstehen, wie die Debatte um das Thema zeigt

Es war die Knaller-Meldung im August und mutierte zum Aufreger des Monats: Das „Drei Mohren“ in Augsburg nennt sich künftig Maximilian’s Hotel. Der neue Name passe besser zur internationalen Vermarktung des Hauses, hieß es offiziell. Und: Namensgeber Kaiser Maximilian I. (1459-1519) habe eine herausragende Bedeutung für Augsburgs große Geschichte, dazu passe die zentrale Lage des Hotels in der Maximilianstraße.

Hotelchef Theo Gandenheimer sagt aber auch, dass die Diskussion bezüglich des alten Namens Anlass war für entsprechende Gespräche mit Gästen und Beschäftigten (übrigens aus 22 Nationen). „Wir haben entschieden, dass wir mit einem neuen Namen dem gesellschaftlichen Wandel Genüge tun.“

Die Diskussion war damit nicht vom Tisch, sondern ist erst recht entbrannt. Es fand sich kaum einer, der die Umbenennung des Hotels goutiert; die AZ erreichte zunächst überhaupt keine Zuschrift, in der die Abschaffung des Traditionsbegriffs „Drei Mohren“ begrüßt wurde. Ähnlich ist es auf facebook (siehe unten).

Immerhin: Im Interview mit der Augsburger Tageszeitung verteidigt eine der Protest-Initiatorinnen ihre Ablehnung des Mohrenbegriffs. „Sich ehrlich und intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, ohne den Namen zu ändern, ist nicht möglich“, meint sie. Und an anderer Stelle heißt es: „Rassismus ist in unseren Systemen verankert und muss bekämpft werden.“

Ob dazu ein neuer Hotelname beiträgt, wird allerdings nahezu durchweg bezweifelt. Selbst Augsburger*innen mit dunkler Hautfarbe können dem Namenswechsel nichts abgewinnen. Die Künstlerin Sylvia Beyerle aka Mom Bee nennt ihn „überflüssig“. Sie habe sich weder gestört, noch diskriminiert gefühlt. Und sie sagt: „Der Zeitgeist kann einem auch auf den Geist gehen.“ Stadträtin (Die Partei), Kürschnerin und Café-Betreiberin Lisa McQueen meint: „Die Umbenennung des Drei Mohren Hotels ist nun entschieden. (…) Wenn man sich wirklich mit der Geschichte befasst, dann weiß man, dass der Name keine Beleidigung sein sollte, sondern eher eine Hommage an Gäste, die zu Freunden wurden. Ich persönlich finde, eine Umbenennung hätte nicht sein müssen, Rassismus beginnt woanders.“ Auch Carlos Demitre, ehemaliger Profitänzer, Tanzpädagoge und Choreograf  sagt: „Der Name des Drei Mohren Hotel sollte nicht geändert werden. Ich verstehe ihn als Ehrung von drei ausländischen Männern, die hier waren, und als Symbol für Freundschaft. (…) Der Name Drei Mohren verstärkt die Geschichte der Deutsch-Afrikanischen Kultur in Deutschland und leistet so einen kleinen Beitrag gegen Rassismus und Diskriminierung. Von mir aus, könnte man die ganze Straße so nennen …. Drei Mohren Straße statt Maximilianstraße.

Als geborene Augsburgerin findet es auch Gabi Kümmerle (downtown dance studio) „sehr schade“, dass sich das weithin bekannte Hotel entschieden hat, aus Anti-Diskriminierungsgründen das Haus umzubenennen. „Für mich wird es immer das Drei Mohren bleiben!“

 

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