Von Anja Marks-Schilffarth

Zwei Stunden seines Lebens fehlen ihm – ohne, dass es sonst jemand bemerkt hätte. „Ich dachte danach, ich sei bei dem Unfall ohnmächtig geworden“, erzählt der Augsburger Top-Juwelier Christoph Sieber (51) heute von dem schlimmsten Erlebnis seines Lebens. Polizisten und Retter erinnern sich dagegen an ein Unfall-Opfer, das die ganze Zeit über klar, deutlich und sinnvoll kommunizierte.

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Es war der 9. Oktober vergangenen Jahres, als Christoph Sieber auf der B17 von Augsburg Richtung Garmisch fuhr. Er war allein in seinem Mercedes SLC. Glücklicherweise, wie sich herausstellen sollte, war Ehefrau Corinna bereits vorab mit den Schwiegereltern zum Zielort einer abendlichen Geburtstagsfeier gefahren.

Nicht weit hinter dem großen Kreisverkehr bei Landsberg, wo sich die B17 bereits auf zwei Spuren verjüngt, passierte das Unglück. Sieber: „Ich erinnere mich noch an ein höheres Auto, einen VW Caddy vielleicht, der vor mir fuhr. Dann weiß ich nichts mehr.“

Auto crashte auf der B17 frontal in seinen Mercedes

Die Rekonstruktion des Unfalls ergab, dass ein Fahrzeug von der Gegenfahrbahn – Insassin war eine junge Frau mit Beifahrer – erst das Auto vor Christoph Sieber streifte, dann frontal in ihn crashte.

Von seinem Wagen blieb letztlich nur ein minimaler Bereich relativ unversehrt: der Fahrersitz. Ansonsten Totalschaden; an seinem, wie auch den anderen Fahrzeugen.

„Alles, was dann kam, weiß ich nur aus Erzählungen. Mein Bewusstsein hat sich scheinbar ausgeklinkt“, vermutet Sieber. Ein Polizist erzählt ihm später am Telefon, er habe mit ihm auf die Feuerwehr und den Rettungshubschrauber gewartet, sich kontinuierlich mit ihm unterhalten. „Es hat dann auch noch eine Weile gedauert, bis sie mich aus dem Auto herausgeschnitten hatten. Alle waren überzeugt, ich sei voll da!“

Die Fachleute nutzen in solchen Fällen eine Tabelle bezüglich der „Eintrübung“ eines Patienten. Sie reicht von 0 – nicht ansprechbar – bis 15. Sieber: „Mein schlechtester Wert war 14!“

Drei Rettungshubschrauber kamen beim Mega-Crash zum Einsatz; zum Glück haben alle Unfall-Beteiligten überlebt. „Darüber bin ich sehr froh – und habe auch keine negativen Gefühle gegenüber der jungen Frau. Aber am Anfang dachte ich schon: Habe vielleicht doch ich auch etwas falsch gemacht? Hätte ich anders reagieren können?“ Diese Zweifel haben ihm die Experten genomme

Befreundete Chefärzte halfen

Sieber erlitt insgesamt 14 Knochenbrüche, an Rippen, Wirbelfortsätzen und im Fuß- und Beinbereich; er hatte Blut in der Lunge, ein Flügel war sogar kollabiert; dazu ein Schädel-Hirntrauma und einige Hämatome rund um den Bauch. Aber eben keine „bleibenden Schäden“. Das war letztlich die wichtigste Botschaft für den bekannten Augsburger, dessen Familie „sich super gehalten und mir unglaublich geholfen hat“, so Christoph Sieber. Wobei es für Ehefrau Corinna natürlich ebenso ein Schock war, wie für die beiden Töchter – von denen eine selbst angehende Medizinerin ist – und die ganze Familie.

„Ich habe unverschämtes Glück gehabt“.

Nach zehn Tagen im Krankenhaus Bogenhausen in München wurde Sieber nach Hause entlassen. „Das war allerdings nicht lustig“, erinnert er sich. Zwei Monate musste er in einem Krankensessel schlafen, weil er sich nicht flach hinlegen konnte. Noch immer macht ein Fuß Probleme. Doch auch dank Chefarzt-Unterstützung befreundeter Professoren wie Alexander WildJulia Welzel oder Matthias Anthuber ist Sieber wieder voll am Steuer – sowohl geschäftlich als auch privat. Unterm Strich lautet sein Resumé ganz klar: „Ich habe unverschämtes Glück gehabt“.

Längst fährt der Geschäftsmann wieder Auto „ohne einen Schweiß-Ausbruch zu bekommen“, wobei das Tempo „nicht mehr rasend schnell“ sein muss. Wird er Zeuge riskanter Überhol-Manöver, überkommt ihn jedoch „schon ein ungutes Gefühl“. Und fürs Privat-Leben hat der Unfall durchaus auch positive Konsequenzen: „Ich nehme Dinge gelassener, rege mich über Unwichtiges nicht mehr so leicht auf und entrümple auch ein Stück weit mein Leben, um mich auf das wirklich Wesentliche zu fokussieren.“

Die ganze Geschichte mit vielen Bildern steht im Augsburg Journal Magazin

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