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Corona gibt Rätsel auf

Pandemie-Verunsicherung und schon wieder viele Fragen

Große Ungewissheit herrscht aktuell, was den Umgang mit der Corona-Pandemie anbelangt. Auf der einen Seite sind da unerwartet schnell steigende Fälle von infizierten Personen, auf der anderen Seite sind es viel mehr geimpfte Menschen als bei früheren Wellen. Was also tun mit der Gastronomie, mit der Geschäftswelt, mit Veranstaltungen, privaten Kontakten, mit der Schule?
Krisengeschüttelt und -erprobt sind die Gastronomen. Nicht nur, dass die Lokale als allererstes geschlossen worden waren, sind sie auch diejenigen, die bis heute mit am deutlichsten von Beschränkungen betroffen sind. Kontaktverfolgung, Abstandsregeln, Maskenpflicht für Personal, Öffnungsbeschränkungen… und jetzt?
Auf erneute coronabedingte Veränderungen ist man in der Gastronomie gefasst. Seit geraumer Zeit schwebe das Damoklesschwert der 35-er Marke an Sieben-Tage-Inzidenz über den Betrieben. Und täglich, so Bezirksgeschäftsführer Jochen Deiring, versuche er 20 bis 30 Gastwirten oder Hoteliers am Telefon zu erklären, was gerade gilt.
Mit das Wichtigste für die Einzelhandelsgeschäfte ist nach Ansicht von Andreas Gärtner, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Schwaben, Verunsicherung der Kunden zu vermeiden. Jede Änderung an bestehenden, eingeführten Regelungen werfe Fragen auf und könne die Leute vom Einkaufsbesuch abhalten. Deswegen geht er auch davon aus, dass sich angesichts steigender Inzidenzzahlen für den Handel zunächst nichts ändern werde. Die aktuelle Infektionsschutz-Verordnung enthalte keine Maßnahmen wie „Klick and Collect“ mehr.
Der Handel habe gezeigt, dass die Läden keine Inzidenztreiber sind. Man habe passende Schutzkonzepte wie Masken-Tragen und Abstandsregeln. Zudem gebe es nach wie vor beschränkte Besucher-Höchstgrenzen je nach Größe des Ladens. Derzeit gehe man davon aus, dass es so bleiben werde.
Laut Gärtner war von vielen Seiten erwartet worden, dass es im späteren Jahr wieder zu steigenden Infektionszahlen kommen werde. Dass es aber schon jetzt derart steil bergauf gehe, diese Dynamik überrasche doch.
Ganz aktuell meldet die Stadt: Drei Tage in Folge – 19. bis 21. August – einen Sieben-Tage-Inzidenz im Stadtgebiet von über 50. Ab Montag, 0 Uhr, gelten nun die in der Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung festgelegten, inzidenzabhängigen Regelungen. Diese besagen, dass bereits ab einer Inzidenz von 35 nur nachweislich negativ getestete, komplett geimpfte oder genesene Personen Zugang zu Veranstaltungen in Innenräumen (z.B. öffentliche und private Veranstaltungen, Sport, Führungen, Bäder körpernahe Dienstleistungen, Gastronomie, kulturelle Veranstaltungen) erhalten bzw. daran teilnehmen können. Tatsächlich wartet man jetzt auf neue Anordnungen aus der Landesregierung.
Die vierte Welle ist da, bestätigt Prof. Helmut Messmann, ärztlicher Vize-Direktor des Uniklinikums. Nachdem es noch im Juli fast drei Wochen ohne Covid-Patienten auf Intensiv und gar drei Tage völlig ohne Corona-Kranke an der Klinik gab, steigt die Zahl seitdem wieder an. Sechs Intensiv-Patienten seien laut Messmann ungeimpft, einer ein sogenannter Impfdurchbruch (zweimal geimpft und doch erkrankt), der jüngste sei 24 Jahre alt, der älteste 64.
Aus Sicht des Pandemiebeauftragten bedenklich seien zahlreiche Lockerungen mit Verweis auf die Zahl Geimpfter und auf Testmöglichkeiten. So gebe es Menschen, die trotz zweier Impfungen bereits wieder an Corona erkranken. Dennoch sei eine Impfung die effektivste Maßnahme, um die Pandemie zu bekämpfen. Denn Schnelltests böten nur eine etwa 70 prozentige Genauigkeit, wodurch zahlreiche Menschen sich selbst oder andere unbeabsichtigt gefährdeten, vor allem Ungeimpfte.
Deswegen geht der Mediziner auch davon aus, dass noch in diesem Jahr die ersten Menschen, zunächst vor allem wieder Senioren und Risikopatienten aber auch spezielle Berufsgruppen eine dritte Impfung angeboten bekommen. Professor Messmanns Maxime: „Eine Pandemie bekämpft man am effektivsten mit impfen, nicht mit testen, da nur so weitere Mutationen vermieden werden können.“

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