Ein „neuer, frischer und spannender Klangkörper in Augsburg“, so stellt sich das Ensemble Naumann selbst vor. Am 6. Januar um 19.30 Uhr in ev. Heilig Kreuz gibt der Chor, der sich im Februar 2023 gegründet hat, das erste große Neujahrs- und Weihnachtskonzert.

Das Ensemble bestehe aus „preisgekrönten Sängerinnen und Sängern, Musiklehrerinnen und Musiklehrern sowie passionierten Laien“. Der professionelle Sänger Maximilian Lika etwa studierte an der Hochschule für Musik Augsburg/Nürnberg bei Prof. Edith Wiens Gesang und nahm an vielen Meisterkursen teil. Benjamin Graf ist Musiklehrer an einem Münchner Gymnasium und leitet den Chor der Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sopranistin Karolina Wolf, die als Dritte im Bunde mit dem Augsburg Journal sprach, studiert in Augsburg Gesang am Leopold Mozart College of Music.

Als „chorisches Solistenensemble“ will dieser Chor aus Menschen, die sonst als Solisten auftreten, eine Gruppe von Individuen bleiben. „Jeder bleibt als Sängerperson bestehen“, erklärt Wolf. Weil die Sänger alle Vorerfahrung haben, reichten auch vier bis fünf Tage projektbezogene Proben aus, um ein Konzert auf die Beine zu stellen. Sie sind überzeugt: „Dieser Zusammenschnitt als semiprofessionelles Vokalensemble dürfte einzigartig im derzeitigen Musikleben der Stadt Augsburg sein und kann gerade nach dem Ende der für die Chorlandschaft verheerenden Corona-Pandemie neue Impulse für das Konzertleben setzen.“ Daneben sind sie ein modulares Ensemble: Mit einem Kern aus professionellen Sängern, die in kleinerer Formation bereits aufgetreten sind. Nun folgt das große Konzert zum Jahresstart.
Viele im Ensemble kennen sich noch aus der Schulzeit am Gymnasium bei St. Stephan. Pater Herrmann Naumann OSB war dort Musiklehrer und gab ihnen schon früh das musikalische Rüstzeug mit. „Wir wollen uns mit dem Ensemble dafür revanchieren“, erklärt Lika den Namen. Er und Graf haben beispielsweise mit Naumann in einem kleinen Ensemble Stücke der Comedian Harmonists wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ einstudiert. Lika wirft ein: „Oder der ‚Kakadu‘, der ist unvergessen!“ Von den damals fünf, sechs Sängern sind heute vier im Ensemble. Graf und Lika erinnern sich noch gut an Naumann: „Äußerlich war er ein ernster Benediktiner, ein sehr strenger Lehrer, aber auch sehr gewitzt.“ Mit Pater Naumann schaffte es die Gruppe damals sogar, backstage den Wise Guys vorzusingen.

Ensemble Naumann: Die Bayerische Kunstförderpreisträgerin Cathrin Lange übernimmt die Sopran-Partie.

Naumann, inzwischen über 90 Jahre alt, hat sich als Zuhörer für das Konzert angekündigt. Der Name soll als Sinnbild „auch für viele andere Persönlichkeiten stehen, die bei jungen Menschen den musikalischen Funken entzündet und die musikalische Leidenschaft geweckt haben“, erklärt der Chor. Auch der frühere Orchesterleiter Pater Anselm und Heinz Dannenbauer, ehemaliger Musiklehrer und immer noch Kirchenmusiker in St. Stefan, seien so ein Vorbild. Lika sagt über Dannenbauer: „Wir sind froh, dass er uns dort die Türen öffnet und hilft.“ Bei Wolf, die aus dem Bayerischen Wald kommt, war das Vorbild ihre erste Gesangslehrerin Joy Moritz: „Die hat mich von Musicals in die klassische Richtung gebracht, aber ohne Druck.“

Beim Debütkonzert stehen neben den Sängern auch Orchester und die Harfenistin Lea Maria Löffler auf der Bühne, die jüngst den zweiten Preis beim ARD Musikwettbewerb gewann. Zudem übernimmt Cathrin Lange die Sopran-Partie. Sie sang lange am Staatstheater Augsburg und gewann den Bayerischen Kunstförderpreis. Die Orgelsolopartie in Camille Saint-Saëns „Oratorio de Noël“ bestreitet Peter Bader, Organist der Basilika St. Ulrich und Afra. Daneben gibt es die Bach-Solokantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ sowie verschiedene „Christmas Carols“ des zeitgenössischen Komponisten John Rutter zu hören. Graf im Gespräch mit dem AJ: „Ich freue mich auf den Rutter. Ich habe als Chorleiter öfter schon Rutter-Sachen gemacht. Mit seinen eingängigen Melodien haben auch Jugendliche einen Zugang dazu.“ Daneben schwärmt Lika etwa über „Tollite Hostias“ von Saint-Saëns: „Diese französische Musik hat eine subtile Schönheit, die einen unmittelbar trifft.“

Das Konzert sei auch geeignet für Menschen, die nicht so viel klassische Musik hören. Lika sagt: „Die Stücke, auch mit der Harfe, gehen zu Herzen.“ Und für die, die sich auskennen? Lika lacht und ergänzt: „Dafür haben wir Bach mit der wunderbaren Cathrin Lange.“ Auf deren Interpretation der Bach-Solokantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ freut sich auch Karolina Wolf: „Ich habe Teile davon schon mal gesungen und ich freue mich, wenn ich das von einer tollen Sängerin hören und mich einfach hinsetzen und zuhören kann.“

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