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Sonntag, 07. Dezember 2025

Fertig zum Abheben: Unser Reporter unterwegs als Helfer am Augsburger Flughafen

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„Ach neee!“ Die Kinder auf dem Besucherdeck stöhnen, die Fotografen senken ihre Kameras und auch der Reporter ist verunsichert. „Werde doch nicht etwa ich etwas übersehen haben?“, geht mir durch den Kopf, als „unser“ Flugzeug langsam von seiner Startposition zurückgefahren kommt.

Reporter schlüpfen in andere Rollen, verkaufen Eis, helfen am Klinikum – oder in meinem Fall, arbeiten am Augsburger Flughafen mit. Soweit es eben ohne Pilotenschein oder Ausbildung geht.

Thomas Nettel, diensthabender Verkehrsleiter, funkt kurz in Sachen Startabbruch und beschwichtigt: Eurocontrol in Brüssel habe den Time-Slot für den Start geändert. Also verlässt Pilot Rainer Milse mit seiner Dornier die Startbahn wieder, macht Platz für eine andere Maschine im Landeanflug. Dann, wenige Minuten später, hebt sein Düsenflugzeug doch noch mit seinen 34 Passagieren Richtung südfranzösisches Marseille ab.

Verkehrsleiter Thomas Nettel (re.) meldet dem Tower „alles sauber“ auf der Start- und Landebahn.

Puh, also habe ich doch nichts übersehen. Denn damit ging mein Einsatz (nach der Registrierung und dem Einkleiden mit einer Warnweste) auf dem Flugplatz los: „Bahncheck“. Thomas Nettel dirigiert mich auf den Beifahrersitz seines schwarz-gelb karierten Kombis und kurvt dann mitten auf die asphaltierte Start- und Landebahn. Was wir suchen? Alles, was hochgewirbelt und in Triebwerke gezogen oder was die Reifen der Flieger beschädigen könnte, erklärt mir der Verkehrsleiter und gleichzeitig Flugsicherheitsbeauftragte. Sein kuriosester Fund: „Ein iPad, das ein Pilot auf die Tragfläche seines Fliegers gelegt und vergessen hatte und das beim Start unbemerkt auf die Piste gefallen ist“.

Viel Arbeit am Flughafen machen etwa Nussschalen, die Krähen herbeitragen

Wesentlich mehr Arbeit machen, so Nettel, Nussschalen oder Ähnliches, was vor allem Krähen aus der Umgebung herbeitragen, um es ausgerechnet hier zu fressen – oder liegenzulassen. Allerdings finden wir heute nichts Störendes, auch nicht auf dem Rückweg über den Rollweg zum Vorfeld. Gleich zu Betriebsbeginn vor 7 Uhr werde dieser wichtige Check täglich durchgeführt und dann, je nach Umständen, alle drei, vier Stunden wiederholt.

Während die meisten kleineren, privaten Flieger mit ihren Piloten fast alles selbst erledigen, ist die Kümmernis von Thomas Nettel und seinem Team um die Maschine von Rainer Milse und seinem Co-Piloten Felix Pfeifle weitreichender. Diese Dornier und eine Schwester-Maschine fliegen werktäglich einen Werkverkehr zwischen Augsburg und Marseille. Das funktioniert für die Passagiere ganz ähnlich, wie wir es als Urlauber oder Geschäftsreisende kennen – und für die Piloten und das Flughafen-Team ist der Unterschied dazu nicht groß.

Bei Geschäftsführer Maximilian Hartwig laufen alle Fäden am Augsburger Flughafen zusammen.

Meine nächste Aufgabe: Gepäck verladen. Weil es noch etwas dauert, bis die ersten Passagiere im Zentralgebäude bei Waltraud Kohlhaupt und ihren Kolleginnen einchecken, schauen wir an jener Halle vorbei, wo die Winterdienst-Fahrzeuge des Flughafens auf ihren Einsatz warten. „Betriebspflicht“ heißt das Schlagwort, so Flughafen-Geschäftsführer Maximilian Hartwig. Täglich von 7 bis 21 Uhr muss der Augsburger Flughafen für die Luftfahrt verfügbar sein, in Ausnahmefällen (medizinische Flüge) auch außerhalb dieser Zeiten. Dann könne jeder Pilot, dessen Maschine zu der knapp 1600 Meter langen Start- und Landebahn passt, hier landen und starten.

Er meldet sich vorher beim Tower an, bekommt seine Daten, zahlt seine Gebühr und fertig. Und wenn es geschneit hat, dann muss die weiße Pracht eben schleunigst beiseite geschafft werden, wozu die Räumschilder der Flugplatz-Streufahrzeuge extra-breit sind. Jetzt wird es hohe Zeit, dass wir uns ums Gepäck kümmern. Zurück im Zentralbereich ist Luca-Marius Löffler, Auszubildender in Sachen Verkehrsleitung, schon dabei, die ersten Taschen der Passagiere auf einen Wagen zu schichten. Zu meinem Helfer-Glück handelt es sich bei den Reisenden um eine Art „Pendler“, die nur mit dem Nötigsten unterwegs sind.

Unser Reporter Michael Siegel (links) mit Luca-Marius Löffler bei der Gepäck-Verladung.

Für mich und Thomas Nettel geht es gleich weiter hinüber an das Flugzeug, welches gerade aus der Halle gezogen wird. Mitfliegen ist für mich nicht drin, aber immerhin mitfahren darf ich in der Dornier. Unterwegs erklärt mir Kapitän Milse seinen und den Tagesablauf seines Co-Piloten von Start bis Landung. Wie sie sich auf den Flug vorbereiten, was alles gecheckt werden muss, wie die geplante Flugroute aussehen wird, was das Wetter macht. Darüber verpasse ich tatsächlich das Verladen des Gepäcks ins Flugzeug. Jetzt fehlen nur noch die Passagiere – und da kommt der Flughafen-Bus auch schon herangefahren. Kaum drei Minuten, dann sitzen alle, die Türe wird geschlossen und der Flieger rollt an die Startlinie.

Gespannt warten wir auf den Abflug – nix wars. Aber die Spannung hält bis zum zweiten Anlauf. Sofort nach dem Abheben verschwindet der Flieger im Lichte der gleißenden Abendsonne. Michael Siegel

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