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Dienstag, 21. April 2026

Sparverein Kriegshaber: Augsburger Sparer bangen um 17 Millionen

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17 Millionen Euro „liegen auf Eis“ und viele Augsburger warten seit über einem Jahr auf ihr Geld. Beim Sparverein Kriegshaber sind Auszahlungen gestoppt worden, ein erster Prozess ist bereits entschieden und weitere Verfahren laufen. Der REPORTER erklärt, was genau hinter den „eingefrorenen“ Sparguthaben steckt, warum sich immer mehr Betroffene zu Wort melden und welche Rolle die katholische Liga Bank spielt – der Fall sorgt für wachsenden Ärger und wird Augsburger Juristen wohl noch länger beschäftigen.

Sparverein Kriegshaber: Viele Augsburger müssen unverschuldet um ihre Ersparnisse bangen – Liga Bank im Fokus

Der Sparverein Kriegshaber zählt rund 1300 Mitglieder, die insgesamt Einlagen in Höhe von etwa 17 Mio. Euro geleistet haben. Seit über einem Jahr warten zahlreiche Sparbuchinhaber auf die Auszahlung ihres Guthabens. Nach Angaben von Betroffenen erfolgen derzeit keine Auszahlungen.

Der Vorstand des Sparvereins verweist in diesem Zusammenhang auf einen strittigen Mitgliederbeschluss. In dessen Folge sei es – so die Darstellung aus Mitgliederkreisen – zu einer weitreichenden Entscheidung in der Anlagepolitik gekommen, weshalb aktuell keine Auszahlungen möglich seien. Auch gegenüber bereits ausgetretenen Mitgliedern werde die Auszahlung der Sparguthaben bislang nicht vorgenommen.

Nach übereinstimmenden Schilderungen mehrerer Beteiligter sollen während der Corona-Zeit große Teile der Geldanlagen an die katholische Liga Bank übertragen worden sein – verbunden mit einer langfristigen Zinsbindung. Für viele Sparbuchinhaber, darunter nach Angaben aus dem Umfeld zahlreiche ältere Anleger, könnte dies bedeuten, dass sie ihr Geld erst in den kommenden Jahren, teils bis etwa 2033, zurückerhalten.

Sparverein Kriegshaber: seit Monaten Widerstand

Gegen dieses Vorgehen regt sich seit Monaten Widerstand. Mehrere Sparbuchinhaber haben über den Augsburger Rechtsanwalt Hilmar Pickartz Klage beim Landgericht Augsburg auf Auszahlung eingereicht. Nach Darstellung des Anwalts hat das Gericht in einem ersten Urteil entschieden, dass die Auszahlung an die klagenden Mitglieder zu erfolgen habe. Der Sparverein hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt.

Wie aus einem Schreiben hervorgehen soll, das auf März 2025 datiert ist, habe der Vorstand bis zu diesem Zeitpunkt bereits rund 405.000 Euro an seinen eigenen Rechtsvertreter gezahlt. Nach Angaben von Mitgliedern seien diese Mittel aus den Spareinlagen entnommen worden, da der Sparverein über keine weiteren Einnahmen verfüge.

Weitere Auskünfte über zusätzliche Rechtsanwaltskosten oder die vereinbarten Gebühren würden – so berichten mehrere Mitglieder – bislang nicht erteilt.

Unter den Sparbuchinhabern wächst der Unmut. Viele sehen sich um ihre Einlagen gebracht oder zumindest auf unbestimmte Zeit vertröstet. Aus ihrer Sicht müsse der Vorstand alle Möglichkeiten prüfen, um Auszahlungen zu ermöglichen – etwa über Zwischenfinanzierungen oder Versicherungen. Eine offizielle Stellungnahme dazu liegt bislang nicht vor.

Sparverein Kriegshaber: seit Monaten Widerstand

Der von zahlreichen Sparern eingeschaltete Rechtsanwalt Hilmar Pickartz bewertet das Vorgehen des Vorstands als rechtlich problematisch. Er hat weitere Klagen beim Landgericht Augsburg eingereicht und nach eigenen Angaben auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingeschaltet, um prüfen zu lassen, ob das Verhalten des Vorstands mit geltendem Recht vereinbar ist.

Pickartz erklärte gegenüber unserem REPORTER: „Bei zahlreichen in der Zwischenzeit ausgetretenen Mitgliedern, die nunmehr seit über einem Jahr auf die Auszahlung ihres Geldes warten, besteht die entschlossene Absicht, Strafanzeige wegen Veruntreuung sowie Antrag auf Insolvenz zu stellen, denn die vom Vorstand abgegebene Erklärung, man sei nicht in der Lage, Gelder auszuzahlen, würde den Insolvenztatbestand der Zahlungsunfähigkeit erfüllen.“

Der Sparverein Kriegshaber gehört zu den wenigen noch bestehenden Einrichtungen aus der Zeit um 1900, die nicht in eine Bank umgewandelt wurden, und wird als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt.

Nach Darstellung von Rechtsanwalt Pickartz könnten die angefallenen Rechtskosten Auswirkungen auf das zur Auszahlung ausstehende Vermögen der Mitglieder haben, sollte es zu entsprechenden gerichtlichen Entscheidungen kommen. Wie einzelne Mitglieder gegenüber REPORTER erklärten, verfüge der alleinvertretungsberechtigte 1. Vorstand nach ihrer Einschätzung über wenig Erfahrung im Bankwesen. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt nicht vor. Auch die Frage nach bestehenden Versicherungen – etwa einer Ausfall- oder Haftpflichtversicherung – blieb auf Anfrage bislang unbeantwortet.

Eine mögliche Vergleichslösung

Auf einer weiteren Ebene zeichnet sich eine mögliche Vergleichslösung ab. In einer gerichtlichen Verhandlung in der vergangenen Woche wurde auf Anraten des Gerichts ein Vergleichsvorschlag erörtert. Dieser sieht vor, dass die katholische Liga Bank dem Verein zinsfreie Darlehen zur Verfügung stellt, damit der Verein seinen Auszahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Im Gegenzug würde die katholische Liga Bank auf die Erhebung der Verjährungseinrede verzichten.

Auf diese Weise könnten ein weiterer Prozess und eine zusätzliche Instanz vermieden werden – ein nicht unerheblicher Faktor angesichts der sehr hohen Prozesskosten, die das Verfahren mit sich bringt.

Ob der vom Gericht angeregte Vergleich tatsächlich zustande kommt, ist derzeit offen. Sowohl die katholische Liga Bank als auch der Verein müssen zunächst ihre jeweiligen Gremien einbinden und deren Zustimmung einholen. Rechtsanwalt Bernhard Hannemann, der auch Kleinsparer vertritt, rät seinen Mandanten aktuell von weiteren Klagen ab. Hintergrund ist, dass etwaige Zahlungen im Falle einer späteren Insolvenz des Vereins insolvenzrechtlich anfechtbar sein könnten. Eine solche Insolvenz dürfte jedoch abgewendet werden, sofern es zu einer einvernehmlichen Vergleichslösung zwischen der katholischen Liga Bank und dem Verein kommt.

Der Fall sorgt in Augsburg zunehmend für Aufmerksamkeit. Für viele Betroffene steht viel auf dem Spiel. Ob und wann sie über ihre Ersparnisse verfügen können, ist derzeit offen. Der nächste Prozesstag ist jedenfalls für den 29. April angesetzt.

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