Ein Stück antiker Luxus kehrt zurück nach Augsburg: Ein bedeutendes römisches Bodenmosaik aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. ist nach aufwendiger Restaurierung wieder in der Stadt angekommen. Der Fund aus einer Grabung im Stephansgarten in den Jahren 1986/87 soll künftig nicht nur Teil der Archäologischen Landesausstellung werden, sondern auch im geplanten Römischen Museum einen zentralen Platz einnehmen.
Für Stadtarchäologie-Leiter Sebastian Gairhos ist die Rückkehr des Mosaiks „ein bisschen wie Weihnachten.“ Vor rund 40 Jahren war das Mosaik eher zufällig ans Licht gekommen – als Schüler ein Biotop anlegen wollten. Erst jetzt konnten Zusammenfügung und Restaurierung wegen der Kosten realisiert werden.
Dass ein solcher Fund in Augsburg gemacht wurde, ist alles andere als selbstverständlich. Römische Mosaike sind in Bayern selten, wie Kulturreferent Jürgen Enninger betont. Umso mehr unterstreicht das Stück die Bedeutung der antiken Stadt: Gefunden wurde es im Herzen des römischen Forums, also im Zentrum des damaligen Augsburgs. „Ein Beispiel für die eindrucksvolle Repräsentativität und den Stadtcharakter“, so Enninger.
Das Mosaik selbst besteht aus hellem Jura-Kalkstein, ergänzt durch dunklere Steine, deren genaue Herkunft noch untersucht wird. Mit weniger als 100 Kilogramm Gewicht ist es vergleichsweise leicht – „man kann es zu dritt tragen“, sagt Gairhos. Doch seine kulturhistorische Bedeutung ist umso größer.
„In der antiken Stadt Augsburg war so ein Mosaik keine riesige Ausnahme“, sagt Enninger.
Waren die einstigen Besitzer besonders wohlhabend? Gairhos verweist auf neue Erkenntnisse: Bereits in der Antike konnten aufwendig gestaltete Bildfelder über weite Strecken transportiert und vor Ort in größere Mosaike integriert werden. „Wie heute im Baumarkt“, ergänzt Enninger augenzwinkernd.
Augsburg nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Während andere römische Siedlungen in Bayern kaum vergleichbare Funde aufweisen, wurden hier bereits zahlreiche Mosaike entdeckt. „In der antiken Stadt Augsburg war so ein Mosaik keine riesige Ausnahme“, sagt Enninger. Der geplante Titel der Landesausstellung – „Metropole der Macht“ – kommt also nicht von ungefähr: Augsburg hatte in der römischen Provinz durchaus Hauptstadtcharakter.
Der Blick nach außen relativiert jedoch: Im Vergleich zu Städten wie Trier, die über deutlich größere finanzielle Mittel verfügten, wirken die Funde bescheidener. „Trier hatte in der Antike viel mehr Geld“, erklärt Gairhos im Augsburg Journal-Interview. Rätien hingegen sei eher arm gewesen, ohne bedeutende Bodenschätze. Beim Streit zwischen Trier und Kempten, wer denn nun die älteste deutsche Römerstadt sei, übt Augsburg, also Gairhos, noble Zurückhaltung: „Da vergleicht man Äpfel mit Birnen. Und in dem Fall noch mit Zitronen.“
Parallel zur Rückkehr des Mosaiks gibt es auch politisch Bewegung: Der Freistaat Bayern hat im März beschlossen, den Neubau des Römischen Museums mitzufinanzieren. Vorgesehen ist eine Kostenbeteiligung von 50 Prozent bei einem Gesamtvolumen von maximal 60 Millionen Euro. Zudem stellt der Staat das staatliche Grundstück der ehemaligen Justizvollzugsanstalt bereit. Ein Grundsatzbeschluss des Augsburger Stadtrats ist für April geplant.
Nur die Landesausstellung „Römerwelten“ rückt weiter in die Zukunft, voraussichtlich ins Jahr 2033.
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