Überall schnieft und hustet es – es ist Erkältungszeit. Wer Pech hat, trägt gar eine ausgewachsene Grippe (Influenza) heim. Und was macht eigentlich Corona? Auf diese Gemengelage trifft jetzt erneut das Säuglings-Virus RSV  (Respiratorischer Synzytial-Virus), das bereits im Vorjahr viele Klein- und Kleinstkinder in akute Gefahr brachte. Nun ist die neue Welle da, melden Kliniken landauf, landab volle Betten. Auch am Augsburger Uniklinikum spitzt sich die Lage zu, gleichwohl habe noch kein Patient abgelehnt werden müssen.

„Auch in unserem Haus ist die Situation sehr angespannt“, so Ulrike Walden, Oberärztin und Stationsleiterin an der Kinderklinik. Neben der klassischen Influenza sei ein Großteil, an die 80 Prozent, der Betten in diesem Klinikbereich, mit RSV-Patienten belegt. „Die Bettenkapazität ist mehr als ausgeschöpft“, so die Ärztin. Dennoch habe aktuell noch kein Kind abgewiesen werden müssen, da man aufgrund der Größe der Klinik in der Lage sei, Patienten auch auf andere Stationen zu verlegen.

Medizin-Kliniken landauf, landab melden volle Betten wegen des gefährlichen Säuglings-Virus RSV

Kinderklink Augsburg
Kinderklink Augsburg

In mehreren Bundesländern gebe es schon jetzt kaum ein freies Kinderbett in Kliniken mehr, wird Florian Hoffmann, Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München zitiert. Er sprach von „Katastrophenzuständen.“ Viele betroffene Kinder seien schwer krank und müssten beatmet werden.

Mit weiter steigenden Zahlen sei in den kommenden Wochen zu rechnen, heißt es im Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts. Schon einmal, im Herbst 2021, hatte es eine unüblich hohe RSV-Welle gegeben. Diesmal sei es schlimmer, wird befürchtet. Nicht nur in Deutschland, generell auf der Nordhalbkugel gebe es ein „dramatisches epidemisches Geschehen“.

Respiratorischer Synzytial-Virus nennt sich eine Infektion, die in diesen Tagen wieder vor allem kleine und kleinste Kinder befällt. Eine schauerliche Vorstellung für die jungen Eltern, wenn ihnen von den Ärzten beschrieben wird, wie ihr neu Geborenes, ihr Säugling, behandelt werden muss: Cortison, Inhalieren, Sauerstoffgaben aus Schläuchen, zum Teil sogar künstliche Beatmung mit Hilfe von Maschinen.

Betroffen sind, so schildert es Oberärztin Walden, insbesondere die Allerkleinsten. Während die älteren Geschwister eines Neugeborenen des Öfteren mit erkältungsartigen Symptomen „davonkommen“, ebenso der eine oder andere Erwachsene, der sich ansteckt, so werden vor allem Kinder bald nach der Geburt immer wieder schwer krank. Damit verhält sich das RSV-Virus gleichsam umgekehrt wie Covid-19, wo die Menschen umso eher zur Risiko-Gruppe zählen, je älter sie sind (immer mit der Ausnahme von Patienten mit Vorerkrankungen wie Herzfehlern oder Frühgeborene.)

Wie das gefährliche Virus an die Kleinkinder herankommt, ist schnell erzählt: In der Regel seien es ältere Geschwister, die es mitbringen und untereinander weitergeben. Ein Prozess, den die Kinderärztin für kaum änderbar erachtet. Kleine Kinder innerhalb einer Familie voneinander fernzuhalten sei so gut wie nicht praktikabel und im Hinblick auf die soziale Entwicklung des Nachwuchses auch nicht wirklich wünschenswert. Lediglich wenn ein Geschwisterchen deutlich mit einer Rotznase unterwegs sei, könnten Eltern daran denken, für Abstand zu sorgen.

Aber dann könnte es auch schon zu spät sein, weil eine Infektion bereits erfolgt sein könne. Abstände, Kontaktsperren, strenge Hygienemaßnahmen – all die Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie seien wohl die Ursache dafür, dass das RSV-Virus sich beispielsweise während Corona kaum bemerkbar gemacht habe. Umso mehr greife es jetzt um sich, schieße geradezu hoch, jetzt, wo die Kontakte wieder „normal“ sind. Die Virus-Infektion an und für sich sei eigentlich nicht schlimm, so die Ärztin, sie trainiere gleichsam das Immunsystem von Kindern ebenso wie andere Infektionen auch.

Problematisch werde es aber, wenn es zu schweren Verläufen käme, so wie jetzt. Oder zu zahlenmäßigen Häufungen, wie sie derzeit zu verzeichnen seien. Tröstlich immerhin: In aller Regel werden die Kinder, selbst nach schweren Verläufen der RSV-Infektion, wieder gesund. Und sollten sich die Eltern oder Großeltern bei ihrem Nachwuchs anstecken, so ist für sie die Gefahr einer gefährlichen Erkrankung wesentlich geringer als beim Corona-Virus. Auch darin unterscheiden sich die beiden von Viren hervorgerufenen Krankheiten – dort jene, die vor allem für kleine und kleinste Kinder gefährlich ist – und dort jene, die für mehr als alle anderen für ältere Menschen lebensgefährlich ist.

Augsburg Journal: Corona-Experte Klaus Markstaller wird Chef der Uni-Klinik