Sarg-Preise steigen enorm

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Rohstoff-Verknappung: Selbst das Sterben wird immer teurer

Nichts im Leben ist gratis – außer der Tod. Das sagt der Volksmund. Doch selbst das Ableben wird immer teurer. So führen gestörte Lieferketten und Rohstoffverknappung zu höheren Kosten bei Beerdigungen, denn der Preis für Särge ist enorm gestiegen.
Holz ist Mangelware und kostet bis zu 400 Prozent mehr als zu „normalen Zeiten“. Gehen uns am Ende vielleicht sogar die Särge aus? Die SoPress hat bei Anita Ponzio, der Chefin von Pius Bestattungen, nachgefragt. „Noch bekommen wir genügend Särge, allerdings sind die Lieferzeiten bereits enorm lang“, so Ponzio.
Der Sarg-Mangel würde Bestatter dazu zwingen, lange im voraus Bestellungen zu tätigen, um nicht am Ende ohne dazustehen. „Und selbst dann können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir die Särge auch zum vereinbarten Preis bekommen“, erklärt die Bestatterin. Hersteller würden alle ihre Preise nur noch „unter Vorbehalt“ angeben. Die gestiegenen Rohstoffpreise seien aber nicht der einzige Grund für die Verteuerung: „Auch die Transportkosten sind massiv gestiegen.“
So habe man innerhalb kürzester Zeit gleich vier massive Preiserhöhungen erlebt, die nun zu Sargkosten führen, die 20 bis 25 Prozent über dem liegen würden, was noch vor kurzer Zeit „normal“ war. Aber auch die Preise für Metallgriffe und Beschläge hätten sich um einen ähnlichen Prozentsatz erhöht. „In den vergangenen acht Jahren gab es immer nur minimale Preisanpassungen, die jetzige Situation ist also mehr als außergewöhnlich“, so Ponzio.
Besonders prekär sei es, dass sich die Preissteigerung vor allem auf die günstigsten Särge auswirke. Gerade „Spar-Hölzer“ wie Pappel und Tanne würden massiv verteuert, während Särge aus exotischen und teuren Hölzern noch weitgehend preisstabil bleiben.
Über die Frage, ob der Rohstoffmangel tatsächlich der ausschlaggebende Punkt ist, oder ob Preisspekulationen aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen eine Rolle spielen, will Ponzio nicht spekulieren: „Sicher ist nur, dass wir als Unternehmen die Preissprünge bis heute aufgefangen haben, dies aber wohl auf Dauer nicht mehr gehen wird“.
Ihr und vielen ihrer Kollegen bliebe also nichts anderes übrig, als die Kosten an die Angehörigen weiterzugeben, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können. Das tue ihr besonders leid, da ihre Augsburger Kunden eh schon unter den höchsten Friedhofsgebühren in ganz Bayern leiden würden: „Das ist ein weiterer Kostenfaktor, auf den wir leider überhaupt keinen Einfluss haben.“ Da es weniger klassische Begräbnisse und immer mehr Feuerbestattungen gäbe, hätten zudem viele Friedhöfe reagiert und die Gebühren für Urnengräber teils sogar verdoppelt.
All diese Faktoren machen ein Begräbnis für die Hinterbliebenen zu einem kostspieligen Unterfangen. Und Ponzio ist wenig optimistisch, dass sich das bald ändern könnte. „Ich sehe da ein massives soziales Problem auf uns zu kommen. Die Menschen haben oft kaum Geld zur freien Verfügung. Und immer weniger werden sich in Zukunft die Bestattung ihrer Angehörigen leisten können“, befürchtet Anita Ponzio.
Da hilft es auch wenig, dass auch die Gaspreise steigen und die ersten Krematorien durchblicken lassen, dass es auch an dieser Stelle zu einer baldigen Preiserhöhung kommen wird.

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