„Wir stehen in den Startlöchern für unseren Perlachturm“

Die das sagt, steht im 82. Lebensjahr und ist noch nicht einmal die älteste unter Augsburgs Türmerinnen und Türmern. Gerda Krug, ihre Kollegen und noch viel mehr Augsburgerinnen und Augsburger hat eine Mitteilung aufhorchen lassen, die exakt am 29. September, dem Namenstag des heiligen Michael und dem Ehrentag des „Turamichele“ Schlagzeilen machte: Der Bund beteiligt sich mit fast drei Millionen Euro an der Sanierung des Perlachturms, dort wo hoch oben Augsburgs Türmer bis 2017, als das Gebäude schließen muste, ihren Platz hatten, und dort, wo alle Jahre die Figur des Turamichele den Teufel bekämpft.

Jeden Monat treffen sie sich, auch noch fünf Jahre nach der bautechnisch bedingten Schließung des Perlachturms, berichtet Gerda Krug über ihre rund 15 Kolleginnen und Kollegen. Die alle Jahre in zwei Vier-Stunden-Schichten von Ostern bis in den November täglich zwischen 10 und 18 Uhr oben an der Besucherplattform des Turms ihren Dienst verrichtet haben. Nicht ohne zuvor die 260 Stufen hinaufgestiegen zu sein. Und dort oben den Eintrittspreis für den Besuch des Turms kassiert zu haben und fast wie ein Stadtführer Besuchern aus Augsburg und dem Rest der Welt Auskunft darüber erteilt haben, was jetzt wo zu sehen ist.

Perlachturm ist ein Hauptanziehungspunkt in Augsburg

Eine Tätigkeit, die ihr selbst genauso wie ihren Kolleginnen und Kollegen ans Herz gewachsen war – bis die Nachricht kam: Der Turm muss für Besucher gesperrt werden, der Aufgang durchs Treppenhaus ist nicht mehr sicher, weil es Korrosionsschäden gibt. Und dann fielen im vergangenen November auch noch teile des Außenputzes auf die Straße hinab, weswegen der Turm jetzt ein Kopftuch trägt. Acht Millionen solle die Sanierung kosten, wunderte sich Gerda Krug, ob es nicht auch günstiger und schneller gehen würde. Schließlich sei der Perlachturm erwiesenermaßen ein Hauptanziehungspunkt in Augsburg für jung und alt aus nah und fern und er habe mit seinem Eintritt der Regio Augsburg Einnahmen gebracht.

Dass das benötigte Geld jetzt vielleicht schneller zusammenkomme, werde gerne gehört. Weniger gern, wenn es heißt, dass allein Planung und Ausschreibung zwei Jahre dauern würden. „Man möchte denken, da gebe es längst Pläne in der Schublade, auf die man zurückgreifen kann“, so die Chef-Türmerin. Kaum jemand in Augsburg würde es verstehen, wenn der Finanzierungszusage jetzt nicht bald Taten folgen würden.
Gerda Krug, gut ausgelastet durch regelmäßigen Tennis-Sport und zahlreiche weitere ehrenamtliche Tätigkeiten, ist indes „ihrem“ Perlachturm nach wie vor aufs engste verbunden.

Der denkmalgeschützte Perlachturm musste im Jahr 2017 für die Öffentlichkeit gesperrt werden, weil die Treppe im Innern des Gebäudes nicht mehr den aktuellen Sicherheitsanforderungen entsprach, so die Stadt in einer offiziellen Pressemitteilung. Im November 2021 wurden zudem bei einer Begutachtung erhebliche Schäden in den zwei obersten Turm-Geschossen festgestellt und an der Turmfassade. Seitdem Trägt der Turm ein „Kopftuch“ das Passanten vor eventuell herabfallenden Steinen schützen soll. Die Bauverwaltung rechnet mit Gesamtkosten von rund acht Millionen Euro für die Sanierung und bei gesicherter Finanzierung mit einem Vorlauf von zwei Jahren für Planung und Ausschreibung. Die Stadt Augsburg hat für die Sanierung inzwischen eine Rücklage von 2,25 Millionen Euro gebildet und verfügt dafür zusätzlich über Restmittel aus den Vorjahren in Höhe von gut 800 000 Euro. Eine weitere Million könnte aus dem Prinzfonds beigesteuert werden. Das Gesamt-Projekt soll für den Haushaltsplan 2023/24 fertiggestellt werden. Und dann, so Liegenschaftsreferent Wolfgang Hübschle, könnte im Jahr 2024 mit den Bauarbeiten begonnen werden.

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