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Skandal um Rückkehr: Kanzlerin ist unerwünscht

Tatjana Dörfler Hochschul-Verantwortliche wollen Neu-Besetzung

Normalerweise freut sich der Arbeitgeber, wenn ein erkrankter Mitarbeiter wieder zum Dienst erscheint. Das Gegenteil passiert derzeit in der Hochschule Augsburg (HSA). Dort sorgt die für diesen Montag, 18. Januar, angekündigte Rückkehr von Hochschulkanzlerin Tatjana Dörfler (45) dem Vernehmen nach für größtmöglichen Aufruhr.
„So etwas hat es in der 50-jährigen Hochschul-Geschichte noch nie gegeben“, echauffiert sich ein Hochschul-Insider, der namentlich – wie verschiedene andere auch – nicht genannt werden will. Nie in dieser Form dagewesen sei die geschlossene Ablehnung einer Führungskraft, der kollektive Wunsch nach Neubesetzung ihrer Stelle – und die Angst, das Debakel könne der Hochschule nachhaltig schaden.
Tatjana Dörfler selbst, Juristin und seit 13 Jahren Verwaltungsleiterin der Hochschule (früher Fachhochschule), an der heute rund 6700 Menschen studieren, antwortet auf SoPress-Nachfrage: „Meine Genesung ist erfreulicherweise soweit vorangeschritten, dass ich ab kommenden Montag meine hauptamtliche Arbeit im Rahmen der ärztlichen Maßgaben wieder aufnehmen kann. Ich bin Beamtin an der Hochschule und habe als solche die Pflicht, meinen Aufgaben nachzukommen. Das werde ich selbstverständlich tun. Für eine gute Lösung der aktuellen Situation stehe ich jederzeit zur Verfügung.“ Der letzte Satz indiziert, dass auch Dörfler durchaus wechselbereit wäre. Das Problem seien jedoch die unverhandelbaren Ansprüche der gebürtigen Göttingerin an den Arbeitsstandort Augsburg wie auch die üppige Vergütung einer B2-Stelle (i.d.R. ca. 8000 Euro brutto/Monat). „So einen Job“, weiß der Insider, „gibt es freilich eher selten.“
Warum aber will offenbar das gesamte Führungsteam der Hochschule einen Wechsel an der Verwaltungsspitze? Offiziell gibt es keine Stellungnahme. Hinter vorgehaltener Hand wirft man der Kanzlerin jedoch nicht nur schlechten Führungsstil sowie eine mangelhafte Planung in vielen Bereichen wie Finanzen, Raumaufteilung oder Personal vor.
Auch die Tatsache, dass sie als ehrenamtliche SPD-Stadträtin während ihrer krankheitsbedingten Fehl-Monate durchaus politisch aktiv war, stößt den Kolleg*innen ihres akademischen Brot-Jobs seit langem sauer auf. So sehr, dass sie bereits vor dem Jahresende 2020 einen gemeinsamen Appell ans bayerische Wissenschaftsministerium mit Minister Bernd Sibler an der Spitze geschickt haben, der die klare Forderung einer Ablösung zum Inhalt hatte – gerade in herausfordernden Zeiten, wie diesen.
Ohne Erfolg, wie es scheint. Angeblich liege den Augsburger HSA-Verantwortlichen inzwischen ein Negativ-Bescheid auf dem Tisch, dass die angegebenen Gründe für eine Ablösung Dörflers nicht ausreichend wären. Ob die Absage aus München mit Dörflers Rückkehr zu tun hat? Der Verdacht liegt nahe. Dennoch wundern sich auch Kritiker, warum die 45-Jährige sich diesen Schritt antut, „bei soviel Gegenwind an allen Fronten“.
Sie begründet es offiziell mit Pflichterfüllung. Die Gegner setzen öffentlich auf das Prinzip Hoffnung. In einem gemeinsamen Rundschreiben, das die sieben verantwortlichen Dekane scheinbar in stundenlangen Online-Meetings gemeinsam ausgearbeitet haben, schwören sie alle Mitarbeiter und Studierenden gemeinsam auf Ruhe und Durchhaltevermögen ein. Man hoffe weiterhin auf eine Neubesetzung der Verwaltungsspitze, um den Fokus voll auf Lehre, Forschung und die Vermittlung von Wissen richten zu können, sei darin zu lesen. Auch solch ein Brief scheint ein Novum in der langjährigen Geschichte der Bildungseinrichtung zu sein.

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