Das Warten auf den ganz großen Wurf hat ein Ende. Am 30. Mai bestreitet die Augsburger Profiboxerin Cheyenne „Pepper“ Hanson in El Paso (Texas) den wohl wichtigsten Kampf ihres Lebens. Es geht um nicht weniger als die Doppel-Weltmeisterschaft gegen die puerto-ricanische Box-Legende Amanda Serrano.
„Es ist das Krasseste, was man als Boxerin vom Event her überhaupt erleben kann“, verrät eine bestens aufgelegte Cheyenne Hanson im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Kampf gleicht für die 28-Jährige dem Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Ausgerichtet wird das Spektakel von „MVP“, der aufstrebenden Promotion-Agentur von US-Star Jake Paul. Für Hanson ist das nicht nur ein einmaliger Auftritt, sondern ein echter Meilenstein: Sie hat erst vor wenigen Tagen offiziell bei MVP unterschrieben. „Ich habe immer gesagt, dass MVP eine meiner Traum-Promotions wäre. Dass das jetzt alles so super gepasst hat, ist genial.“ Das Event wird weltweit live auf dem US-Sportsender ESPN übertragen.
Cheyenne Hanson will die Legende wackeln lassen
Ihre Gegnerin ist dabei keine Geringere als Amanda Serrano. Die 37-Jährige sammelte in ihrer Karriere Weltmeistertitel in sieben Gewichtsklassen und hält aktuell die WM-Gürtel der großen Verbände WBA und WBO im Federgewicht. Zudem jagt sie den Allzeit-K.o.-Rekord des Frauenboxens. Doch Hanson reist nicht als Punktelieferantin nach Texas.
„Klar wird es sauschwer, sie ist nicht ohne Grund seit so vielen Jahren an der Spitze. Aber ich sage immer: Niemand ist unschlagbar“, gibt sich die Augsburgerin kämpferisch. Gemeinsam mit ihrem Team um Trainer Xavier Miller in London hat sie den Kampfplan detailliert ausgearbeitet. „Wir haben auf jeden Fall ein paar Schwächen bei ihr gefunden. Da wir einen sehr ähnlichen, offensiven Stil haben, wird das ein wahnsinnig interessanter Kampf. Ich gehe hin mit dem Ziel, sie wegzuhauen. Ich habe absolut nichts zu verlieren.“
Londoner Härte und der Frust über deutsches TV
Um bestens vorbereitet zu sein, verbringt Hanson fast die gesamte restliche Zeit in London. Nur noch für ein einziges Wochenende schaut sie in der Heimat vorbei. „Das Niveau für Sparring in meiner Gewichtsklasse ist in England einfach viel höher, es gibt viel mehr Abwechslung“, erklärt sie den Schritt. Der Alltag ist durchgetaktet: Hartes Training, strikte Ernährung und Regeneration bestimmen die Tage. Um sich an die texanische Hitze und die Zeitverschiebung zu gewöhnen, wird sie bereits eine Woche vor dem Event in die USA fliegen. Ihre Familie reist dann pünktlich zum großen Event nach, um sie vor Ort in der Arena anzufeuern.
Dass solch ein Mega-Event in Deutschland medial oft unter dem Radar fliegt, frustriert die Athletin. „Das deutsche Boxen ist leider etwas eingeschlafen. Wie kann es sein, dass sogar ein Weltklasse-Schwergewichtler wie Agit Kabayel im deutschen Fernsehen kaum stattfindet? Man muss sich schon aktiv fürs Boxen interessieren, um das mitzubekommen.“ Das mediale Interesse liege hierzulande oft woanders. Das würde die Halb-US-Amerikanerin gerne ändern, weiß aber auch, dass dies nicht über Nacht klappen wird.
Momentan zählt jedoch nur der Ring im El Paso County Coliseum. Mit ihren 28 Jahren steht Cheyenne Hanson am Beginn ihrer besten Box-Jahre. „Mir stehen alle Türen offen, und irgendwann wird die ältere Generation abgelöst“, ist sie überzeugt. Am 30. Mai hat sie die Chance, diese Wachablösung mit den eigenen Fäusten einzuleiten.
Kaum Zeit für Pause: Nach dem Sieg im Kampf am 8. März (Bild li. oben) holte sich Hanson wenige Tage später ihren neuen pinken Mercedes ab (Foto rechts oben mit Chris Petri). Tags darauf wurde sie bei der Augsburger Sportgala für ihren Sieg im Kampf um den WBF-Weltmeistergürtel geehrt. Auf dem Bild unten OB Eva Weber, Helena Schuster, Cheyenne Hanson und Tina Rupprecht (v.li.). Beim anschließenden Get-Together posierte sie mit Centurions D-Liner Sercan Vardar aus der Mannschaft des Jahres (Bild oben Mitte.).
Fotos: Team Avdic, Sport in Augsburg
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