Die neue Stadtregierung ist kaum im Amt, schon hagelt es harsche Kritik. „Nur eine einzige Frau in der neuen Referenten-Riege. Ein No-Go!“ So jedenfalls die Proteste, übrigens nicht nur aus dem Lager der Wahlverlierer. Florian Freunds Argument, die Auswahl der Referenten sei strikt nach Qualitätskriterien erfolgt, stößt weitgehend auf taube Ohren. (Noch kann sich die Lage beruhigen – der Posten für Stadtentwicklung ist zur Zeit noch in der Ausschreibung. Wetten laufen: Es wird eine Frau!).

Blickt man objektiv auf das Wahlergebnis, dann bekommt die Leistung der sechs Jahre regierenden weiblichen Doppelspitze leider keine Bestnoten. Dass Frauen an vielen Schaltstellen der Stadt durchaus punkten, sei damit keineswegs bestritten. Barbara Schretter als Chefin der Regierung von Schwaben, Dr. Sabine Doering-Manteuffel als Präsidentin der Universität, Sandra Peetz-Rauch als Vorsitzende der Stadtsparkasse – Frauen an zahlreichen Spitzenpositionen, das ist geballte Power in einst langjährig von Männern dominierten Chef-Etagen.

Im allgemeinen Interesse sollte natürlich bei der Besetzung wichtiger Ämter möglichst nachweisbare Qualifikation vor Parteibuch oder Geschlecht den Vorrang haben. Leider ist diese Logik bei Weitem nicht überall die Regel. Ein Beispiel gibt zur Zeit die Augsburger CSU. Nach der mit Pauken und Trompeten verlorenen Wahl hatten die noch verbliebenen Sympathisanten der Jahrzehnte erfolgreichen Partei lautstark eine Reform an Haupt und Gliedern gefordert. Und jetzt gelang es nicht einmal, den erfolglosen CSU-Fraktionsvorsitzenden auszutauschen.

Eva Weber: „Manchmal piekst Demokratie eben auch ein bisschen“

Ein weiteres Armutszeugnis ist, dass der von der SPD dem Koalitionspartner CSU angebotene wichtige Posten des zweiten Bürgermeisters mangels einer willigen Persönlichkeit von der zahlenmäßig größten Rathausfraktion nicht besetzt werden konnte. Und auch der Parteivorsitzende hat die groß angekündigte Aufarbeitung der Niederlage vergessen und grüßt von einem hoch dotierten Amigo-Posten aus Bonn.

Eine besondere Rolle beim Absturz der CSU scheint Eva Weber im Visier zu haben. Als „einfache Stadträtin“ sorgt sie gleich schon mal für Ärger, indem sie in der ersten Stadtratsabstimmung gegen ihre Partei mit den Grünen votiert hat. Süffisant verrät sie der AZ: „Manchmal piekst Demokratie eben auch ein bisschen“.

Leute, die behaupten, Eva Weber gut zu kennen, bringen interessante Gerüchte in Umlauf. Da heißt es, die Ex-OB denke über einen Parteiwechsel nach, es gäbe Gespräche mit den Grünen. Ob da was dran ist oder nicht – die Zukunftsprognose für Augsburgs Schwarze lautet: „Flächendeckend zappenduster“.

Ihre Meinung? schilffarth@augsburgjournal.de

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