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Sonntag, 28. Juni 2026

Marc Uebelherr: Back to the Roots

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Manche Karrieren beginnen mit einem Glas Schampus an der Bar. Andere starten dahinter – mit Gläserspülen und Flaschensortieren. Bei Marc Uebelherr war es die zweite Version. Allerdings jobbte der junge Augsburger damals, in den 80er Jahren, bereits als Teenager bei „Käfer“ in München. Und von dort hat es der heute 55-Jährige ganz nach oben geschafft: Drei Michelin-Sterne, an der Seite seines Partners Tohru Nakamura in der „Schreiberei“ in München. Viele weitere Konzepte und Gastronomien an besten Adressen – von Literaturhaus bis Philharmonie, vom Marienplatz bis zum Oktoberfest.

Jetzt kommt er zurück nach Augsburg. Ohne weißes Tischtuch und großes Menü. Stattdessen mit einem Kult-Lokal namens „Kneipe 80“. Die Zahl ist Programm: 80er Jahre-Musik, Getränke zu fairen Preisen, Publikum von jung bis alt. Ein Konzept, das niemand ausschließt. „Soziales Wohnzimmer“ nennt er es gern.

Marc hat als Partner Christoph Steinle (li.) im Boot.

Was im ersten Moment wie ein krasser Kontrast klingt, sieht Uebelherr anders: „Am Ende geht’s immer um Essen, Trinken und begeisterte Gäste. Ob mit Achtziger-Musik oder mit Sternegastronomie.“

Musik war ihm ohnehin in die Wiege gelegt. Vater Bruno war Berufsmusiker, der Onkel spielte bei Udo Jürgens, die Tante sang bei „Silver Convention“. Zu Hause gingen Musiker ein und aus, manchmal noch spät in der Nacht. Dann wurde gekocht, der Tisch gedeckt, Musik gehört. Schallplatten gehörten zum Alltag. „In meiner Jugend fand ich den Spirit in Augsburg immer gut. Im „Live“ wurde schon Achtziger-Musik gespielt und als Jugendlicher konnte man dort nachmittags schon auf die Tanzfläche. Das Jerome, das Zeughaus, natürlich das legendäre Odeon von Norbert – das hat mich als Kneipe begeistert. Wir sind damals mit Rollern und Mofas durch die Gegend gefahren, haben gute Musik gehört und waren unterwegs.“

Trotzdem musste er raus, aus Augsburg. „Ich hatte das Gefühl, ich muss in die Großstadt. Ich konnte mir immer vorstellen, vielleicht irgendwann zurückzukommen, aber erst einmal musste ich weg.“

Marc Uebelherr: „Augsburg gehört für mich zu den schönsten historischen Städten“

Nach Entdeckung der Gastgeber-Leidenschaft entstand bald das erste Restaurant. Es sollten viele folgen. „München war für mich der richtige Platz, um Dinge zu entdecken und auszuprobieren, die Konkurrenz zu beobachten. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Stadt hat mir unheimlich viel gegeben.“ Ganz vergessen hat er die Augsburger Heimat jedoch nie. „Augsburg war immer ein Thema, weil es meine Geburtsstadt ist und meine Eltern hier leben. Privat war klar, dass ich den Anschluss nicht verliere. Geschäftlich muss man sagen: Nach 30 oder 40 Jahren, in denen man weg war, verändern sich Städte. Menschen kommen aus verschiedenen Gründen wieder in kleinere Städte, weil sie überschaubarer sind, vielleicht preislich angenehmer, aber trotzdem ihre schönen Seiten haben. Augsburg gehört für mich zu den schönsten historischen Städten. Die Maximilianstraße ist ein Ort, den ich noch aus meiner Jugend kenne. Insofern haben wir jetzt die Chance ergriffen, wieder einen Fuß zurückzusetzen.“

Die Augsburger „Kneipe 80“ ist die Erste außerhalb Münchens. Er hat sie gerade gemeinsam mit Christoph Steinle eröffnet, einem alten Hasen im Fuggerstädter Nachtleben. „Du brauchst den richtigen Ort, den richtigen Partner und die richtige Energie. Wenn das funktioniert, kann man weitersehen.“

Marc Uebelherr: Back to the roots – so klingt es ein wenig

Back to the roots – so klingt es ein wenig. Musik, Getränke, Menschen. Kein Luxusversprechen, sondern ein sozialer Ort. Kein Ausschluss über Preise oder Codes, sondern ein gemeinsamer Abend.

Marc zwischen seinen Eltern Waltraud & Bruno Uebelherr.

„Die Idee entstand nicht aus einem Strategiepapier, ohne großen Vorlauf. Meine Tochter, die in Paris studiert, brachte ihre junge Perspektive ein und meinte: Alle lieben die 80er – die Musik, die Mode, die Platten. So entstand die Idee.“

Und während schon die Gespräche für verschiedenste Standorte zwischen Hamburg, Zürich und Mailand laufen, wird Marc Uebelherr dennoch öfter in Augsburg anzutreffen sein. Mutter Waltraud wurde gerade 80 Jahre alt, Papa Bruno feiert noch im Juni seinen 80er – da muss natürlich auch in der „Kneipe 80“ angestoßen werden. Marc Uebelherr: „Dreimal 80 – das kann ja wohl kein Zufall sein!“

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