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Dienstag, 14. Juli 2026

UKA: Nuklearmediziner kämpfen gegen Krebs – und Vorurteile

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Früher ein reines Nischenfach, nimmt die Nuklearmedizin heute richtig an Fahrt auf: Längst ist sie nicht mehr „nur“ für Diagnosestellungen zuständig, sondern liefert gleich die passende Therapie mit: Stichwort Theranostik. Am UKA stellt die vergleichsweise junge medizinische Disziplin auch ihre eigenen Medikamente her, weshalb die Nuklearmedizin bald einen dafür vorgesehenen Anbau erhält. Das ist günstiger und macht sie weniger abhängig.

„Bei uns strahlt der Patient von innen.“ Constantin Lapa grinst. Er nimmt diesen Scherz (Schrägstrich Vorurteil) im Gespräch mit Laien, selbst mit fachfremden Kollegen gern vorweg. Zu oft hat er ihn schon gehört. Aber der Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am UKA versteht auch, dass das Wort „nuklear“ bei den meisten Menschen sofort zur Verbindung „nuklear“ ist gleich Strahlung, böse Strahlung selbstverständlich, führt. „Tatsächlich bekomme ich weit weniger Strahlung ab als Luftfahrt-Personal im Dienst“, sagt Prof. Dr. med. Lapa. „Aber natürlich haben wir schon mit Strahlung zu tun, im besten Falle sogar mit einer, die heilt.“

Mehr Lebensqualität erzielen

Dazu muss man wissen, dass sich die Nuklearmediziner den Patienten von innen heraus anschauen, während die Radiologen von außen ins Körperinnere des Patienten blicken. Einige Jahre nach der Entdeckung der Radioaktivität im Jahre 1896, die eng mit den Namen Henri Becquerel und Marie Curie verbunden ist, erfand man das sogenannte Tracerprinzip. Tracer sind mit radioaktiven Stoffen markierte Substanzen, die als Radiopharmaka zu diagnostischen Zwecken in den menschlichen Organismus eingesetzt werden und so bestimmte Signale nach außen senden. Detektoren, also Geräte zum Aufspüren bestimmter Größen, registrieren die Strahlung im Körper und wandeln sie in messbare Größen um. Jod zum Beispiel reichert sich in der Schilddrüse an. „Wir achten dabei vor allem auf die Transporter und Rezeptoren an der Zelloberfläche und ziehen daraus unsere Schlüsse“, erklärt Lapa. Soweit zur Diagnostik.

Anhand der Abkürzung PSMA – sie steht für Prostataspezifisches Membran-Antigen – erläutert der 43-Jährige, dass die Nuklearmedizin längst auch Therapien zur Verfügung stellt, insbesondere für an Krebs erkrankte Menschen. Das Prostataspezifische Membran-Antigen ist ein Eiweißkörper, der sich vermehrt auf der Oberfläche von Prostatakarzinomzellen ansammelt. Ein Ligand für dieses PSMA-
Antigen wird an ein radioaktives Nuklid gekoppelt und zum Tumor geschickt, auf den dann die radioaktive Strahlung einwirkt, um ihn zu bekämpfen. Erfolgsquote dieser Methode: zwischen 50 und 65 Prozent. „Wir können sicher noch nicht in jedem Fall von Heilung sprechen, aber mehr Lebensqualität erzielen und damit das Leben des Patienten verlängern, das können wir in den meisten Fällen“, sagt Lapa.

UKA: Eine Verbindung aus den Begriffen Diagnostik und Therapie

PSMA ist eine von zahlreichen Methoden, die zur „Theranostik“ gehören – eine Verbindung aus den Begriffen Diagnostik und Therapie. Gemeint ist damit ein Verfahren, bei dem, vereinfacht gesagt, eine Krebserkrankung mit derselben Substanz identifiziert, lokalisiert und bekämpft wird. Auf diese Art und Weise ist es möglich, erkrankten Menschen sehr individuelle Behandlungen zur Verfügung zu stellen. Stichwort: Personalisierte Medizin.

Einen nicht unerheblichen Anteil der verwendeten radioaktiven Medikamente stellt die Klinik für Nuklearmedizin selbst her. Dieser Bereich soll nun mit einem Anbau erweitert werden. Herzstück des Anbaus wird ein sogenannter Reinraum für die keimfreie Produktion von Radiopharmazeutika. Das ist nicht nur günstiger, sondern macht die Nuklearmedizin auch weniger abhängig von externen Herstellern. „Dann sind wir wirklich gut aufgestellt“, sagt Klinikdirektor Lapa.

Prof. Dr. Constantin Lapa

Constantin Lapa, Jahrgang 1982, studierte Medizin in München und wurde 2011 an der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert. 2014 folgte die Anerkennung als Facharzt für Nuklearmedizin. Heute ist er ein renommierter deutscher Nuklearmediziner. Seit 2019 leitet er als Direktor die Klinik für Nuklearmedizin an der Uniklinik Augsburg und hat den ersten Lehrstuhl für Nuklearmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg inne.
Lapa ist ein begeisterter Leser, er hört gern Musik und pendelt regelmäßig nach Frankfurt. Hier leben seine Frau (Privatdozentin an der Universität Frankfurt und gefragte Expertin für neurogene Schluckstörungen) und sein elfjähriger Sohn.

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