In Zusammenarbeit mit dem Leaders Club – einer Vereinigung von mehr als 300 Gastronomen deutschlandweit – baten auch Augsburger Gastronomen zur Pressekonferenz im Ratskeller. Peaches-Betreiber Leo Dietz, Christian Ress (Bobs Gastro), Alexander Vogt (Aposto) und Oliver Ganteför (Ratskeller) postulierten dabei konkrete Forderungen für pragmatische Lösungen in Hinsicht auf die Corona-Pandemie. Zugeschaltet waren per Lifestream aus dem Berliner Reichstag weitere Teilnehmer, u.a. Starkoch Tim Mälzer. Gemeinsamer Tenor der Gastro-Profis: Perspektiven seien wichtiger als Hilfen!
Als „Entzug der unternehmerischen Kontrolle“ bezeichnete Mälzer etwa die zermürbende Ungewissheit sowie die zahlreichen, sich ständig ändernden Pandemie-Maßnahmen. Die aktuelle Wiedereröffnungseuphorie kann daher kaum einer der Macher in der Hotel-, Gaststätten- oder Club-Branche teilen. Mit Sorge blicke man bereits auf den kommenden Herbst und Winter und die bange Frage, wie die komplexen wirtschaftlichen – und menschlichen – Herausforderungen geschultert werden sollen. Von der „vollkommenen Perspektivlosigkeit“ für Unternehmer und Angestellte etwa sprach Leo Dietz. Und: Wie umgehen mit Krediten und Schulden, die in den letzten beiden Jahren trotz Hilfen aufgelaufen seien? „Als Unternehmer habe ich fünf Jahre meines Lebens verloren“, fasste der CSU-Fraktionsvorsitzende und stellv. Bezirksvorsitzende des Gaststättenverbands DEHOGA Schwaben seine Situation zusammen. Als „nach wie vor desaströs“ stellt sich die wirtschaftliche Lage auch aus Sicht von „Bobs Gastronomie“ dar.
Unisono forderten die Leaders Club-Mitglieder daher einen Tag vor der Ministerpräsidentenkonferenz, die Mehrwertsteuersenkung endgültig zu entfristen – so wie es Olaf Scholz im Wahlkampf versprochen habe. Weiterhin gelte es, endlich bundesweit einheitliche Regelungen festzusetzen, um den administrativen Aufwand im Falle weiterer Infektionswellen zu mindern. Auch in einem weiteren Punkt zeigte man sich einig: Der Relevanz von gastronomischen Betrieben jeder Art für das gesellschaftliche Leben muss seitens der Politik stärker Rechnung getragen werden. Insbesondere das nicht belegte Narrativ von der Gastronomie als Pandemietreiber sei nicht geeignet, Gästen die Angst vor einem unbeschwerten Resaturant- oder Kneipenbesuch zu nehmen.

Unterdessen kündigt der DEHOGA-Verband Bayern „angesichts massiver Kostensteigerungen in allen wesentlichen Bereichen Preisanpassungen im Gastgewerbe“ an. Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert verdeutlicht: „Gastgewerbliche Betriebe sind besonders energie- und personalintensiv. Um auf denselben Umsatz wie der Einzelhandel zu kommen, benötigen wir sechs Mal so viele Mitarbeiter.“ Nun stünden nicht nur die Erhöhung des Mindestlohns sowie ein neuer Tarifabschluss vor der Tür, sondern auch ein kräftiger Anstieg der Energiekosten. Geppert versichert jedoch, dass die gebotenen Leistungen auch weiterhin jeden Cent wert seien: „Das bayerische Gastgewerbe hat sich seit jeher durch ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet, und das wird auch weiterhin so sein. Schließlich wollen wir, dass sich auch künftig jeder einen Besuch im Wirtshaus leisten kann.“

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