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Freitag, 24. April 2026

Jacqueline von Wallenrodt: Ganz große Oper für Augsburger Adelsgeschlecht

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Jacqueline von Wallenrodt – Ihr Familienstammbaum geht 1000 Jahre zurück. Einer ihrer Vorfahren war Schüler von Martin Luther und Philipp Melanchthon in Wittenberg. Und über Urahn Konrad existiert sogar eine eigene Oper: Die Rede ist von den Augsburger Blaublütern von Wallenrodt, vermutlich Deutschlands ältester evangelischer Adels-Familie.

Mit Jacqueline von Wallenrodt schlug jetzt der jüngste Spross der Dynastie ein ganz neues Kapitel der bewegten Familiengeschichte auf – und das geschah über 1500 Kilometer entfernt in Litauens Hauptstadt Vilnius (deutsch: Wilna). Und so frostig sich das Wetter mit minus 28 Grad auch präsentierte – so warm und herzlich empfand die Augsburger Pharmazeutin die Begegnungen und Geschehnisse ihres Ausflugs „in Raum und Zeit“. Doch beginnen wir mit der „Ouvertüre“ dieser bewegenden Oper.

„Ganz ursprünglich kommt meine Familie aus Oberfranken, aus dem Gebiet zwischen Bayreuth und Hof“, erzählt Jacqueline von Wallenrodt. In Bad Berneck im Fichtelgebirge gäbe es noch eine Burgruine ihrer Vorfahren, die „Neu Wallenrode“, weiß die 60-Jährige. „Dort haben Albert und ich auch geheiratet“, erinnert sie sich an die Hochzeit mit dem Augsburger Unternehmensberater Albert Nadler, der im Schatten der großen Familiengeschichte denn auch seinen eigenen Namen gegen den wohlklingenden „von Wallenrodt“ eintauschte.

Jacqueline von Wallenrodt: Die gemeinsame Reise nach Litauen entstand durch reinen Zufall

Die gemeinsame Reise nach Litauen entstand durch reinen Zufall. Jacqueline: „Wir sind im Internet über die Oper in Litauen gestolpert – und wollten sie uns einfach aus Interesse ansehen. Wer hat schon eine eigene Familienoper?“ Bei der Online-Kartenbestellung musste sie ihren Namen eingeben – und das scheint dem aufmerksamen Management vor Ort aufgefallen zu sein. „Sie nahmen jedenfalls Kontakt zu mir auf – und so kam alles in Gang“.

Wobei – dass es einen Empfang samt riesigem Brimborium geben würde mit der gesamten künstlerischen Chefetage der Oper, der Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Deutschen Botschafter in Litauen, Vertretern aus Industrie, Politik und Kultur – inklusive einem Grußwort des Präsidenten der Republik Litauen und der Live-Videozuschaltung des weltberühmten Opern-Regisseurs Hugo de Ana aus Argentinien, der die Inszenierung verantwortet – und all das umrahmt von zahlreichen Pressevertretern; damit hatten die Augsburger Gäste freilich nicht gerechnet: „Bereits im Vorfeld hatte die größte Zeitung Litauens diesem Besuch einen eigenen Artikel gewidmet über die ,Verwandte aus Deutschland und ein Weltklasse-Debüt‘.

Darin wurde betont, dass mit mir als direkte Nachfahrin der historischen Hauptfigur im Zuschauerraum dem patriotischen Drama eine unmittelbare, fast greifbare historische Dimension verliehen würde – in einem eindrucksvollen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.“

In der mit über tausend Besuchern ausverkauften Oper blieb kaum ein Auge trocken

„I Lituani“ – übersetzt „Die Litauer“ – heißt die Oper von Amilcare Ponchielli, die am 7. März 1874 an der berühmten Scala in Mailand Premiere hatte. Sie begründete den Ruhm Ponchiellis, der als würdiger Nachfolger Giuseppe Verdis galt; geriet dann aber lange Zeit in Vergessenheit. Im Drama um Konrad von Wallenrodt, der im 14. Jahrhundert lebte und Großmeister des Deutschen Ordens war, geht’s um seinen Kampf in Litauen. Einem Land, dessen Geschichte eng mit Konflikten, Identität und Widerstand verwoben ist. In der Oper „I Lituani“ wird Konrad nicht als eindimensionale Figur gezeichnet, sondern als tragischer Held: Ein Mann zwischen Loyalität, politischem Kalkül und persönlichem Opfer. Am Ende rettet er Litauen – und stirbt selbst durch einen Gifttrunk.

In der mit über tausend Besuchern ausverkauften Oper blieb kaum ein Auge trocken, so gerührt war das Publikum von den kraftvollen, symbolischen und emotional aufgeladenen Bildern. „Ich würde schätzen, drei von vier Menschen weinten – inklusive mir“, so der deutsche Ehrengast.

Jacqueline von Wallenrodt: „ein Höhepunkt meiner künstlerischen Karriere“

Wobei das auch am brillanten Hauptdarsteller lag, dem uruguyanisch-amerikanischen Weltklasse-Tenor Gaston Rivero, der bereits an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt gesungen hat. „Seine Darstellung verlieh der Figur eine tragische Größe“ – so Jacqueline über die Darstellung ihres Verwandten auf der großen Bühne.

Nach schier endlosen Standing Ovations und dem letzten Vorhang durften die Ehrengäste auf die Bühne, um die Künstler zu treffen. Auch sie zeigten sich tief bewegt von der Anwesenheit einer Blutsverwandten jener historischen Persönlichkeit ihres Stückes, allen voran Hauptdarsteller Gaston Rivero: „Ich hätte nie erwartet, dass ich am Ende das Privileg bekomme, ein echtes Mitglied der Wallenrodt-Familie zu treffen. Das ist ein Höhepunkt meiner künstlerischen Karriere.“

Als süße Erinnerung an das Ausnahme-Event in Litauen hatten die Gastgeber sogar noch Erinnerungspralinen anfertigen lassen für die Gäste aus Augsburg. Die waren mehr als geflasht: „Ein wunderschönes Andenken an einen wahrlich historischen Abend!“

An der Nationaloper Vilnius (Bild li.) war die Freude über den Besuch von Jacqueline und Albert von Wallenrodt (Bild re.) groß.
Sogar der deutsche Botschafter Cornelius Zimmermann (Bild mitte, Mitte), wie auch Operndirektorin Laima Vilimienė (4.v.li. auf dem mittleren Bild) gaben sich die Ehre.

Eine eigene Praline gab´s als Abschiedsgeschenk.

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