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Donnerstag, 14. Mai 2026

Werbe-Ikone Jean-Remy von Matt als Autor auf Augsburg-Besuch

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Lange hat er nicht Zeit. Der Zug nach Ulm wartet schon. Doch reicht es für ein inspirierendes Gespräch über Kreativität, Schubladen – und die Stadt Augsburg. Jean-Remy von Matt (73), Mitgründer der legendären Werbeagentur Jung von Matt, ist auf Buch-Tour – und macht deshalb Station in Augsburg. Als Gast beim Marketing Club im Foyer der AZ sorgte er nicht nur für „full house“, sondern auch für große Begeisterung.

Tags darauf ist die Werbe-Ikone immer noch geflasht: „So wurde ich noch nie gefeiert!“ Passend dazu gab es am Ende des Abends eine lange Schlange, jeder sein Buch „Am Ende“ unter dem Arm, mit der Bitte um ein Autogramm. „Da weiß ich nie, was ich reinschreiben soll“ – so der Kreative bescheiden. Ganz anders in seinem Werk: Knapp 80 Kapitel erzählen in pointiert-originellem Stil von fünf Jahrzehnten Werbung, Erfolgen, Brüchen – sowie einem Neustart als „Jung-Künstler“.

Auch Anja Marks-Schilffarth bekam ihr Exemplar „Am Ende“ von Werbe-Promi & Autor Jean-Remy von Matt höchstpersönlich signiert.

Augsburg – Warum dürfen die in der Bundesliga mitspielen?


Sein erster Eindruck von Augsburg? Ungefiltert.„Ich dachte immer, ihr seid so klein. Städtchen“, sagt er und lacht. „Und ich dachte: Warum dürfen die in der Bundesliga mitspielen? Das ist doch nur für richtige Städte.“ Dann die Erkenntnis: 300.000 Einwohner. „Das hat mich beeindruckt. Ich hätte gesagt vielleicht 50.000. Aber jetzt bin ich schlauer.“ Die Puppenkiste der „richtigen Stadt“ kennt er aber nur dem Namen nach.

Jean-Remy von Matt: Vater von Sätzen, die jeder kennt


„Geiz ist geil“, „BILD dir deine Meinung“, „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“, Sixt – Kampagnen, die längst Teil der Popkultur sind. Von Matt hat sie mitgeprägt. Geboren in Brüssel, Schweizer Pass, Karriere in Deutschland – heute sagt er selbst: „Ich bin praktisch Deutscher.“ Auch wenn man die Schweiz noch ein bisschen raushört. Über die Erfolge der Vergangenheit sagt er: „Solche Slogans haben eine irre Nachhaltigkeit. Die hat Werbung heute eigentlich nicht mehr. Ich kann mich an keinen großen Slogan der letzten zehn Jahre erinnern, den jeder kennt.“

Am Tag nach dem Marketing club studierte Jean-Remy von Matt das AJ.

Lieblingskampagne? Wie Lieblingssohn!

Persönlich hat Jean-Remy von Matt keinen persönlichen Liebling unter den vielen Werbe-Erfolgen. „Das ist, wie wenn du mich fragst: Hast du einen Lieblingssohn? Ich habe zwei – aber ich kann dir nicht sagen, welchen ich lieber habe.“ Klar ist nur: Große Ideen erkennt er sofort – auch bei anderen. „Der Slogan ‚Just do it‘ von Nike – den finde ich großartig“.

Vier Ehen – aber nur einen Partner


Ob der Beruf für ihn wichtiger war als sein Privatleben? Jean-Remy von Matt nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich war viermal verheiratet“, sagt er. Und ergänzt trocken: „Aber die Firma habe ich fünfunddreißig Jahre lang mit meinem Partner Holger Jung geführt.“ Das spräche ja schon für sich. Zudem lernte er seinen langjährigen Geschäftspartner bei seiner ersten Scheidung kennen. „Das war eine friedliche Scheidung und er war der neue Partner meiner Noch-Frau. Da habe ich ihn zum ersten Mal gesehen und fand ihn gleich sympathisch.“ Was daraus entstand, nennt er selbst „Glück“. „Ich glaube, es gibt viele, die genauso talentiert sind wie ich. Aber sie hatten nicht das Glück einer solchen Partnerschaft.“

Unterhaltsam und lehrreich gestaltete Jean-Remy von Matt seine Lesung beim Marketing Club.

Kampf gegen die Schublade

Obwohl er seit zehn Jahren aus dem Werbe-Business heraus ist, reizen den Kreativen immer neue Herausforderungen. Konzept-Kunst hat es ihm inzwischen angetan. Künstlerische Fotografie, aktuell auch ausgestellt in einer Galerie seiner Wahlheimat Berlin. „Als Künstler muss ich wieder ganz unten anfangen“, sagt er. „Meine Bekanntheit als Werber hilft da nicht – sie stört teilweise sogar.“ In seinem Atelier konzipiert von Matt große Arbeiten, verbunden mit großen Ambitionen – aber bisher ohne Bonus. „Ich bin jetzt praktisch der kleine Bittsteller“, sagt er. „Ich muss mich durchsetzen mit den Arbeiten.“ Ob das gelingt? „Völlig unbestimmt.“

Warum tut sich von Matt das alles noch an? „Es hält mich jung“

Warum er sich das alles noch antut? Von Matt schaut auf die Uhr. Der Zug kommt gleich. „Es hält mich jung. Ich fühle mich wie ein junger Künstler, weil ich wieder um Anerkennung kämpfe.“ Dann ist er weg. Richtung Ulm – zur nächsten Lesung. Und Augsburg bleibt mit der Erkenntnis zurück, dass selbst eine Werbe-Legende manchmal wieder ganz von vorne anfängt. Oder, wie er selbst sagt: „Ich glaube, ich werde im Moment noch unterschätzt.“

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