Paul Wengert feiert am 18. November seinen 70. Geburtstag. Das Augsburg Journal blickt zurück auf die Augsburger Jahre des Alt-Oberbürgermeisters.

Von Michael Siegel

Rückblickend auf seine politische Laufbahn sagt Augsburgs Ex-OB Paul Wengert: „Ich bin sehr zufrieden damit, was ich sowohl als Erster Bürgermeister in Füssen als auch als Oberbürgermeister in Augsburg erreicht habe. Vieles von dem wird auch nach mir noch bestehen und das macht mich durchaus auch ein wenig stolz. Ich denke, dass ich in diesen zusammengerechnet 18 Jahren sehr viel gestaltet und bewegt habe.“

Zu den Projekten von Wengerts zwischen 2002 und 2008 in Augsburgs regierender „Regenbogen-Koalition“ (SPD, Grüne, FBU, FW, ödp) zählten unter anderem die Planung des Baus einer bundesligatauglichen Arena für den FC Augsburg, der kreuzungsfreie Umbau der Stadtautobahn B17 und der Neubau einer Stadtbücherei sowie zahlreiche Initiativen zum bürgerschaftlichen Engagement und der Integration.

Paul Wengert war 2008 der erste amtierende Oberbürgermeister Augsburgs seit dem Zweiten Weltkrieg, der zur Wiederwahl antrat und nicht gewählt wurde. Er verlor in der Stichwahl mit 44,1 % zu 55,9 % gegen den CSU-Kandidaten Kurt Gribl.

Zweifellos einer der unvergesslichen Momente aus der Politiker-Karriere von Paul Wengert: Der Empfang des russischen Ex-Staatspräsidenten Michail Gorbatschow, der im Jahr 2005 gemeinsam mit Pfarrer Christian Führer den Augsburger Friedenspreis erhielt.

Jetzt und heute gerät für Wengert anderes mehr in den Blick und wer ihn zu seiner politischen Zeit erlebt hat, wundert sich nicht, dass Musik und Theater dabei eine wichtige Rolle spielen. Beispiel: „Under oiner Kapp“ heißt das Faschingstreiben der Narren in Augsburg, das auch ab und an die Anwesenheit des Stadtoberhaupts auf der Bühne fordert. Und während man beim einen oder anderen Oberhaupt den Eindruck von gemäßigter Euphorie für dieses Treiben gewann, war „Cowboy“ Paul Wengert kaum zu halten. Noch heute steht Wengert auf der Bühne.

„Seit sieben Jahren spiele ich wieder in einer Theatergruppe, dem Füssener TreppenHausTheater mit. Zuletzt habe ich in Euripides‘ „Die Troerinnen“ den König Menelaos gespielt und in der Komödie „Der große Blöff“ die Rolle der Autorin, eben als Autor. Eine ziemlich verwirrende Geschichte und nicht leicht zu spielen, aber sehr geistreich und ein Riesenspaß. Jetzt proben wir gerade „Terror“ von Ferdinand von Schirach“, erzählt Paul Wengert. Auch als Schriftführer des Förder- und Freundeskreis Festspielhaus Neuschwanstein Füssen e.V. gebe es einiges zu tun.

„Nachdem ich im Dezember letzten Jahres mein Amt als Vizepräsident des Bayerischen Roten Kreuzes aufgegeben habe, was sehr zeitaufwendig war, und dort seither „nur noch“ Vorsitzender des Landesschiedsgerichts und nach wie vor Justiziar und Konventionsbeauftragter im BRK-Bezirksverband Schwaben bin, beansprucht mich am meisten meine Arbeit als Präsident des Chorverbands Bayerisch-Schwaben.“

Paul Wengert bei der Apfelernte daheim in Füssen.

Nicht zu vergessen, die Arbeit im Haus und davor: „Bei der Gartenarbeit entspanne ich mich gerne und bereite auch jeden Tag das Frühstück zu“, so der Ex-OB. Und dann ist Füssen als Allgäu-Metropole ja ein beliebtes Ziel für Touristen aus Nah und Fern, auch aus Augsburg. Nicht ausgeschlossen, dass Augsbürger bei Wanderungen oder Spaziergängen dort ihrem Ex-OB begegnen, „vielleicht auf der Reith-Alpe bei Schwangau oder auf der Hündleskopf-Hütte bei Nesselwang.“

Gerne sind Paul Wengert und Ehefrau Bärbel im Bad-Faulenbacher-Tal unterwegs, hinauf zum Alatsee und zur Saloberalpe, gelegentlich auch beim Sunna-Wirt in Heiterwang. „Das kann man alles sommers wie winters machen.“ Und das Jubelfest? „Es wird keine große Feier geben. Ich werde mit der Familie Essen gehen und dann gemütlich zuhause zusammensitzen. Zu ausufernd wird das aber auch nicht werden, denn ich muss am anderen Tag schon um 7.30 Uhr nach Nürnberg fahren zur Mitgliederversammlung des Bayerischen Musikrats. Vielleicht gibt es zum 75. Geburtstag ein größeres Fest, wenn ich dann noch so gesund und munter bin wie heute.“

Augsburg Journal: Bernd Kränzle wird 80 – warum seine Frau in die Luft geht

KEINE AUSGABE MEHR VERPASSEN

Erfahren Sie als Erster, wenn unser neues Magazin veröffentlicht wird – exklusiv vor allen Anderen!