Was für ein emotionaler Moment als Stephan Hain am 8. Mai 2011 in der 85. Minute das 2:1-Siegtor gegen den FSV Frankfurt erzielte. Damit war der FC Augsburg zum ersten Mal im Deutschen Oberhaus angekommen. Von der neuen Heimat Bundesliga hat er sich in den letzten 15 Jahren nicht mehr verabschieden müssen. Und auch die 16. Saison in der höchsten deutschen Spielklasse ist praktisch in Stein gemeißelt.
Wir wollen mit den Helden von damals auf den historischen Aufstieg 2011 und die legendäre Feier danach zurückschauen, aber auch auf die letzten eineinhalb Jahrzehnte in der Bundesliga.
Ein Jahr in dem alles stimmte
Aufstiegsheld Stephan Hain bekommt immer noch Nachrichten zu seinem Erstliga-Tor gegen Frankfurt
Es war der 8. Mai 2011, die 85. Minute in der ausverkauften Augsburger Arena. Ein Moment, der sich tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt hat. Das Tor zum 2:1 gegen den FSV Frankfurt war vielleicht nicht das ästhetischste der Vereinsgeschichte, aber das bedeutendste. Der Torschütze: Stephan Hain. Heute, 15 Jahre nach dem historischen Aufstieg, ist Hain längst kein reiner „Goalgetter“ mehr, sondern ein gefragter Experte für körperliche Höchstleistung.
Wer Stephan Hain heute trifft, begegnet einem reflektierten Familienvater und Unternehmer. Nach dem Karriereende 2023 in Neuseeland hat er den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Mit seiner Plattform „eatplaywin“ spezialisiert er sich als Ernährungsberater auf Performance Nutrition für Profisportler. „Ich möchte der jüngeren Generation das weitergeben, was ich selbst schmerzhaft lernen musste“, erklärt Hain. Mit Ende 20 zwangen ihn Verletzungen dazu, seinen Lebensstil zu hinterfragen. Aus der Not wurde eine Leidenschaft, die er heute mit einem Master in BWL und fundiertem Wissen in Ernährungswissenschaften professionalisiert hat.
Mittlerweile ist Stephan Hain Ernährungsberater
Der Blick zurück auf das Jahr 2011 löst bei ihm noch immer Gänsehaut aus. „Man denkt nicht täglich daran, aber vergessen wird man so etwas nie“, sagt er. Besonders zu den Jahrestagen ploppen immer wieder WhatsApp-Nachrichten alter Weggefährten auf. Hain erinnert sich an eine Zeit des Umbruchs: Unter Jos Luhukay entwickelte das Team eine Dynamik, die den Club vom Abstiegskandidaten zum Erstligisten transformierte. „Es war ein cooles Jahr, in dem einfach alles gestimmt hat.“
Dass der FCA heute auf 15 Jahre ununterbrochene Erstklassigkeit zurückblickt, nötigt dem Ex-Stürmer Respekt ab. Das Geheimnis des Erfolgs sieht er in der Augsburger Besonnenheit: „Das Umfeld bleibt ruhig, auch wenn man mal zwei Spiele verliert. Diese Kontinuität und das Vertrauen in die richtigen Leute an den richtigen Plätzen unterscheidet den FCA von vielen anderen Vereinen.“
Auch wenn der Kontakt zu den alten Kollegen – außer zu Tobi Werner – weniger geworden ist, bleibt die Verbindung zur Fuggerstadt bestehen. Hain verfolgt die Spiele weiterhin aufmerksam und freut sich über den aktuellen Turnaround der Mannschaft. Mit seinem Image als „Aufstiegsheld“ kann er dabei sehr gut leben: „Es ist eine wunderschöne Erinnerung, mit der ich ewig verbunden bleibe. Das passt für mich absolut.“
„Heute noch Gänsehaut“
Sogar die Hose ist damals gerissen – Ex-Manager Andreas Rettig blickt zurück
Ein Mann, der die Weichen für dieses sportliche Wunder maßgeblich mitstellte, war der damalige Geschäftsführer Andreas Rettig. Wenn er heute an das entscheidende 2:1 gegen den FSV Frankfurt zurückdenkt, ist die Dramaturgie des damaligen Fernduells mit dem VfL Bochum sofort wieder präsent.
„Ich weiß noch genau, wie ich mich kurz vor Schluss mit unserem Trainer Jos Luhukay ausgetauscht habe: Spielen wir besser auf das sichere 1:1 und vermeiden einen Konter? Oder spielen wir auf Sieg?“, erinnert sich Rettig. Schließlich erlöste Stephan Hain den FCA vier Minuten vor Abpfiff. „Die Emotionen waren unbeschreiblich. Beim Gedanken an die Spielertraube an der Eckfahne bekomme ich heute noch Gänsehaut. Beim Sprung darauf ist damals meine Hose gerissen“, lacht Rettig heute. Das sei jedoch zu verschmerzen gewesen. Nur die Stunden nach dem Schlusspfiff sind etwas verschwommen: „An den weiteren Abend habe ich keine detaillierten Erinnerungen mehr. Da waren wohl anschließend ein paar Bierchen zu viel im Spiel.“
15 Jahre ununterbrochene Erstklassigkeit
Dass der FCA heute auf 15 Jahre ununterbrochene Erstklassigkeit blickt, war für Rettig schon damals keine Utopie. Als er einst vom Bundesligisten 1. FC Köln zum damaligen Drittligisten nach Augsburg wechselte, erntete er in der Branche teils skeptische Blicke. Doch Rettig hatte das Potenzial der Region analysiert und an den Standort geglaubt. Den entscheidenden Grundstein für die Etablierung in der Eliteklasse schreibt er jedoch einem anderen zu: „Der Vater unseres Erfolges war Walther Seinsch. Ohne seine Vision des neuen Stadions wäre diese nachhaltige Entwicklung ganz sicher nicht möglich gewesen.“
Und heute? Für Rettig ist das Geheimnis der langen Bundesliga-Zugehörigkeit simpel: „Der Erfolg des FCA liegt ganz klar in seiner Bodenständigkeit.“ Sein Fazit ist daher ein klares Plädoyer für die oft zitierte Augsburger DNA: „Sofern der FCA sich dies bewahrt und nah an den Menschen bleibt, mache ich mir um diesen Verein überhaupt keine Sorgen.“
Die Macher hinter dem damaligen Aufstieg: Trainer Jos Luhukay (2. von links) und Geschäftsführer Andreas Rettig mit ihren Frauen Naomi Luhukay (li.) und Cordula Rettig (re.). Heute ist Rettig Geschäftsführer Sport beim Deutschen Fußball Bund (rechts aktuelles Bild – Foto: Thomas Böcker / DFB).
FC Augsburg: Kurt Gribl und die wilde Spontan-Party
Wie die große Feier nach dem Sieg gegen Frankfurt zustande kam und was das AJ damit zu tun hatte
Als der FC Augsburg den historischen Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt machte, stand die Fuggerstadt Kopf. Für den damaligen Oberbürgermeister Kurt Gribl war es ein Tag, der ihm nicht nur als Stadtoberhaupt, sondern auch als improvisierter Eventmanager und Lebensretter in Erinnerung bleiben sollte.
Gribl pflegte in seiner Amtszeit einen engen Austausch mit der Vereinsführung. „Ich mochte Andreas Rettig und Peter Bircks. Das waren harte Kerle, sehr selbstbewusst, aber sie haben in unseren Verhandlungen niemals den Bogen überspannt“, blickt er auf ein vertrauensvolles Miteinander zurück. Doch ausgerechnet am Tag des größten Triumphs war von den „harten Kerlen“ nichts zu sehen – und das hatte einen Grund.
Aus purem Aberglauben hatte die FCA-Führung im Vorfeld des Spiels gegen den FSV Frankfurt jegliche offizielle Vorbereitung einer Aufstiegsfeier strikt abgelehnt. „Da war mit Andreas Rettig nicht zu spaßen“, erinnert sich Gribl lachend. Doch als der Sieg feststand, passierte das Unvermeidliche: „Die Fans sind wie von Geisterhand gelenkt auf den Rathausplatz gezogen. Das war eine richtige Spooky-Situation, ein absolutes Gänsehauterlebnis.“
Die Menge wartete auf die Mannschaft, doch am Rathaus war nichts vorbereitet. Die Offiziellen feierten in der Kabine und waren telefonisch nicht erreichbar. Die Rettung in dieser unübersichtlichen Situation kam schließlich durch einen direkten Draht zum Augsburg Journal: Gribl kontaktierte Anja Marks-Schilffarth, die heutige Chefredakteurin und Verlegerin, die damals gemeinsam mit ihrem Vater, dem Verlagsgründer Walter Kurt Schilffarth, nah am Geschehen war. „Wir haben miteinander telefoniert und kurze Zeit später kam die Meldung: Ja, die kommen, wenn sie mit dem Duschen fertig sind“, erinnert sich der Alt-OB an die entscheidende Verbindung. Es war also de facto dieses kurze, rettende Telefonat mit dem Augsburg Journal, das die legendäre Rathausparty in dieser Form überhaupt erst ermöglichte.
„Ich habe in dieser Nacht wirklich alles gemacht“
Gewappnet mit dieser Information schnappte sich Gribl kurzerhand das Megafon eines Feuerwehrautos und unterrichtete die Menge, dass sie sich noch ein wenig gedulden müsse. Da der offizielle Rathausbalkon spontan nicht zugänglich war, schleuste der OB die Mannschaft später durch den Hintereingang in den zweiten Stock der Verwaltung. Aus den Fenstern seines Besprechungszimmers begrüßten die Spieler die feiernde Menge.
Dabei kam es zur wohl kuriosesten Szene des Abends: Ein offensichtlich bereits ausgiebig feiernder Spieler lehnte sich beim Skandieren von „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ so weit über die Brüstung, dass der Oberbürgermeister physisch eingreifen musste. „Den musste ich hinten am Hosenbund festhalten, damit er nicht aus dem Fenster fällt“, schmunzelt Gribl heute. „Ich habe in dieser Nacht wirklich alles gemacht – vom Hausmeister über den Gastgeber bis zum Hosenhalter.“
Rückblickend war dieser Tag für Gribl ein echter Katalysator für das städtische Selbstbewusstsein. Der Erfolg des Underdogs habe direkt auf die Stadt eingezahlt. Dass damals niemand ernsthaft fragte, ob sich der Verein 15 Jahre in der Liga halten würde, schiebt er auf die typisch Augsburger Zurückhaltung. „Aber ich war euphorisch und dachte mir: Der FCA reißt das durch.“ Gribl selbst ist bis heute ein treuer Fan geblieben, der auf der Tribüne die ganze Bandbreite der Emotionen durchlebt – und es erfüllt ihn noch immer mit Stolz, wenn TV-Reporter ehrfürchtig von den Erstliga-„Fuggerstädtern“ sprechen.
Ex-Sportredakteur Dennis Amedovski im Pool
Damals war vieles noch persönlicher: Interviews mit den Spielern fanden nicht immer nur in Medienrunden statt, sondern auch mal entspannt im Café oder Restaurant. So entstand ein Vertrauensverhältnis, und die Gespräche gingen oft über den Fußball hinaus. Nach dem Aufstiegsspiel führten wir in der Mixed Zone noch unsere Interviews. Doch plötzlich zogen mich einige Spieler mit in den Kabinentrakt – und ehe ich mich versah, landete ich im Entmüdungsbecken. Ein Moment voller positiven Emotionen. Immerhin konnte ich mein Handy mit den Interviewaufnahmen noch retten…
Dass 15 Jahre später hier immer noch 1. Liga gespielt wird, ist angesichts der hohen Fluktuation auf sportlicher Ebene besonders in den vergangenen Jahren bemerkenswert und einmalig.“
Mit starken Partnern an der Seite: B&B HOTELS und der FC Augsburg blicken in die Zukunft
15 Jahre ununterbrochene Erstklassigkeit machen den FC Augsburg nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich zu einer festen Größe – und zu einer hochattraktiven Adresse für namhafte Sponsoren. Passend zum Jubiläumsjahr hat der FCA mit B&B HOTELS, Deutschlands größter Hotelmarke, einen starken neuen Verbündeten an seiner Seite.
Seit dem 1. Januar agiert das Unternehmen als „Offizieller Partner“ mit umfassender Markenpräsenz in der WWK ARENA sowie geplanten Aktionen rund um die Auswärtsfahrten. Doch die Kooperation blickt vor allem auf das, was den FCA in den kommenden 15 Jahren stark machen soll: die Jugend. Ein zentraler Baustein ist die Unterstützung des hochkarätigen internationalen U15-Turniers im August 2026.
„Die Zusammenarbeit hat bereits gezeigt, wie gut wir zueinander passen“, freut sich FCA-Geschäftsleitungsmitglied Pierre Lemmermeyer. Es ist eine Partnerschaft, die laut Arno Schwalie (CEO B&B & Ex-FC Augsburg-Jugendspieler) gezielt über klassische Werbung hinausgeht und emotionale Reichweite mit echter Nachwuchsförderung verbindet.
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