18.4 C
Augsburg
Dienstag, 21. Juli 2026

Katja Schröpfer: Bühnchen & Blümchen

Must read

Katja Schröpfer ist in ihrem Job genau richtig: „Ich habe mich schon immer gerne verkleidet“, sagt sie. Mit den Kollegen feiert sie den Abschluss der Spielzeit gern mit einer Mottoparty. Zum Thema „Monochrom“ erschien sie ganz in Salbeigrün. Sohn Leopold verkleidet sich dagegen gar nicht gern, verrät sie lachend.

Schröpfers Eltern waren Sänger am Staatstheater Cottbus. „Ich war auch mal im Chor, aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich hinter den Bühnen gelandet bin. Ich bin schon immer aufgeregt, wenn ich nicht auf der Bühne stehe und die Kostüme selbst gemacht habe.“ Trotzdem beobachtet sie gern die Reaktionen des Publikums, etwa bei „Exportschlager“ mit ihren Verwandlungskostümen. Ihr Mann Claudio Jedro betreut als Beleuchter meist Premieren. „Ich besuche sie aber gerne, weil sie ein schöner Abschluss der Arbeit sind.“

Den Preisrekord hält Belles Kleid aus „La Belle et la Bête“: Rund 3000 Euro kostete es. Die einzeln angefertigten Blüten kamen von einem Hersteller aus Indien über Etsy. „Unsere Beleuchtungsabteilung hat drei Tage unter dem Rock gesessen und jede einzelne Blume verkabelt.“
Regie und Kostümbild liefern Entwürfe, Schröpfer und ihr Team setzen sie um. Parallel betreuen sie vier bis fünf Produktionen mit rund 400 Kostümen. „Wenn ein Kleid besonders schön fallen soll, sind wir die Experten.“

Katja Schröpfer: „Das fasziniert mich bis heute“

Neben Leitungsaufgaben stattet die 43-Jährige auch selbst Stücke aus: „Wochen später steht das Bild, das man im Kopf hatte, auf der Bühne. Das fasziniert mich bis heute.“ Elf Jahre arbeitete sie in Dessau, seit 2019 ist sie Kostümdirektorin in Augsburg. Dienstälteste im Kostüm ist 1. Damengewandmeisterin Andrea Klaus (58), die seit 1988 am Staatstheater ist. „Und wir haben jetzt viele Lehrlinge, was ich sehr gut finde“.

Im Fundus, dem Reich der Fundusmeister, lagern auf vielen Metern Kleiderstangen und Regalen Hüte, Schuhe, Kostüme und Socken. Vieles wird umgefärbt oder -gebaut. „Bei ,Spamalot‘ kamen etwa 50 bis 60 Prozent aus dem Fundus.“ Zu ihrer Abteilung gehören auch die Ankleider: „Sie machen einen tollen Job und reparieren alles direkt nach der Vorstellung.“ Denn einige Stoffe sind empfindlicher als gedacht. Künftig würde Schröpfer gern mit – hoffentlich robusten – Stoffen experimentieren, die je nach Körpertemperatur ihre Farbe ändern.

Bild 1: Damengewandmeisterin Andrea Klaus fertigt „Die Fee aus dem See“ nach den Maßen von Sängerin Katja Berg. Das grüne Kostüm im Hintergrund soll ein Baum sein: 15 Stoffe hat sie darin verarbeitet und einzeln aufgenäht. Auf dem Foto 2 – eines von Belles Kleidern. Bild 3: Redakteurin Julias erster Fund im Fundus: dieses Reh-“Hinterteil“. Bild 4: Im Hintergrund ist das pinke Pferd aus „Pünktchen und Anton“ schon rot gefärbt für „Spamalot“: Caroline Schreiber und Richard Lenz (Ausstattung-/Kostümassistent) sitzen an den Köpfen von Wildschwein und Hirsch von „La Belle et la Bête“. Schröpfer: „Die müssen perfekt sitzen, man muss damit sehen können, dass sich die Kämpfer nicht verletzen, wenn sie hinfallen“. Fotos: Julia Greif

Alle zwei Jahre gibt‘s einen Fundusverkauf, „weil wir es sonst nicht mehr unterbekommen, für sehr spezielle Sachen oder Basics, wie T-Shirts“, erklärt Schröpfer. Bei mindestens 500.000 Teilen findet man Wattons (Fatsuits), oder diesen Korallenhut, den Schröpfer aus Gittergewebe und Aquariumszubehör gefertigt hat. Schuhe „heben wir nur auf, wenn sie in sehr gutem Zustand sind, oder so historisch, dass man sie nicht mehr bekommt“. Tutus „benutzen wir leider relativ selten, weil wir selten klassisches Ballett haben“. Fotos: Julia Greif

Fotos: Julia Greif

Lesen Sie auch: Theater singt: „Ich bin noch nicht tot“ – Hoffnung für die Augsburger Freilichtsaison 2027

- Advertisement -spot_img

More articles

- Advertisement -spot_img

Latest article