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Sonntag, 19. Juli 2026

Bernd Zitzelsberger: Augsburgs Erster „Bäder-Meister“

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Bernd Zitzelsberger ist der neue Dritte Bürgermeister der Fuggerstadt. Das AUGSBURG JOURNAL sprach mit ihm über seinen Fokus für Bürgeranliegen und Ehrenamt. Außerdem gab uns der leidenschaftliche Sport-Schwimmer einen echten „deep dive“ über die Situation in Augsburgs Bäderlandschaft, denn inoffiziell ist Zitzelsberger schon seit langem Augsburgs „Erster Bäder-Meister“.

Dass Bernd Zitzelsberger (CSU, 55) einmal Dritter Bürgermeister werden würde, war für manche eine Überraschung. Er selbst schildert den Weg dorthin eher nüchtern als triumphal. Das Amt wird ehrenamtlich ausgeübt, was die Sache nicht einfacher macht. Zitzelsberger musste also nicht nur politisch bereit sein, sondern auch beruflich und privat klären, ob sich diese zusätzliche Aufgabe tragen lässt. „Mein Leben hat sich nicht völlig verändert“, sagt er. „Aber natürlich ist ein Amt eines dritten Bürgermeisters schon mehr, nicht nur an öffentlicher Wahrnehmung, sondern auch an Aufgaben und Tätigkeiten als die durchschnittliche Woche oder der durchschnittliche Monat eines normalen ehrenamtlichen Stadtratsmitglieds.“ Es bleibe etwas weniger Freizeit, sagt er, und damit leider auch etwas weniger Zeit für die Familie.

Besprochen habe er das vorher zu Hause. „Meine Frau hat gesagt: Mach das, wenn du das Angebot bekommst. Nach fast 25 Jahren sollte man in jeder guten Ehe seine Frau und auch seinen Nachwuchs irgendwo mit einbeziehen.“

Zitzelsberger wirkt nicht wie jemand, der das Amt mit großen Gesten auflädt

Zitzelsberger wirkt nicht wie jemand, der das Amt mit großen Gesten auflädt. Er erklärt lieber, wie es funktioniert. Hauptberuflich ist er Offizier bei der Bundeswehr, inzwischen im 38. Dienstjahr. Er hat Elektrotechnik studiert, war in verschiedenen Stabs-, Führungs- und Lehrverwendungen eingesetzt und unterrichtet heute unter anderem an einer Technikerschule. Zu seinen Themen gehört auch Betriebspsychologie mit Kommunikation und Arbeitsrecht. Außerdem ist er seit vielen Jahren ausgebildeter Presseoffizier der Bundeswehr. Allzu weit ins Detail geht er dabei nicht. Seit 2022 sei man mit bestimmten Informationen noch zurückhaltender, sagt er und bittet um Verständnis.

Bereits vor seiner politischen Karriere sei ihm der Bürgerkontakt immer wichtig gewesen. Er kümmerte sich um nicht abgeholte Mülltonnen, zu wenige Parkplätze, Spielgeräte, Schnellfahrer vor Kindergärten. „Diese kleinen und großen Sorgen der Bürgerinnen und Bürger habe ich eigentlich schon relativ früh aufgenommen, da saß ich noch lange nicht im Stadtrat.“ Seine Aufgabe als Dritter Bürgermeister sieht er deshalb weniger in großen politischen Alleingängen. Es gehe um Bürgeranliegen, Ehrenamt, Vereine, Verbände, Feuerwehr, Sport und Kultur, also um eine Verbindung zwischen Menschen und Stadtverwaltung. „Ich sehe mich da als Vermittler, weniger als Problemlöser.“ Wenn ihn Anfragen erreichen, prüfe er die Sachlage, frage nach, leite an die zuständigen Referate weiter oder gebe Hinweise, an welche Stelle sich jemand wenden könne.

Bernd Zitzelsberger: „Das Erbe wiegt eigentlich gar nicht schwer“

Sein Vorgänger Bernd Kränzle hat dieses Amt in der letzten Legislaturperiode geprägt. „Das Erbe wiegt eigentlich gar nicht schwer. Denn Bernd Kränzle und mich verbindet einiges, natürlich auch unser Engagement für Sport.“ Kränzle sei hier gut vernetzt gewesen, im Stadtrat ohnehin eine Institution. Dennoch sieht Zitzelsberger keinen Grund, die großen Fußstapfen, die der ehemalige Landtagsabgeordnete und Staatssekretär hinterlassen hat, zu fürchten. „Es ist eine andere Zeit“, sagt er.

Dann tauchen wir endlich ein in Zitzelsbergers Lieblingsthema ein. Es geht ums Wasser. Um die Bäderlandschaft in Augsburg, um knappe Schwimmflächen, um Schulsport, Vereine, Familien und die Frage, wann die Stadt endlich wieder bessere Bedingungen für Sportschwimmer schafft. Zitzelsberger kennt dieses Feld aus eigener Erfahrung. Er ist Schwimmer, Vereinsmensch und jemand, der in den vergangenen Jahren sehr genau verfolgt hat, was in den Augsburger Bädern möglich ist und was nicht.

DAS Großprojekt ist aktuell natürlich das Spickelbad. Mit der Entscheidung, es zu sanieren und als 25-Meter-Bad neu zu bauen, sei zugleich klar gewesen, dass das von ihm und allen Sportschwimmern der Region heiß ersehnte 50-Meter-Hallenbad weiter nach hinten rücke. „Die Stadt Augsburg kann natürlich nicht ein Projekt im zweistelligen Millionenbereich und noch mal eins im mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbereich innerhalb von fünf Jahren realisieren. Das geht einfach nicht. Da bin ich viel zu realistisch.“ Dem Spickelbad Vorrang zu gewähren, sei richtig gewesen, auch wenn das nicht leicht war. Zitzelsberger war aber wichtig, das Spickelbad nicht nur zu sanieren, sondern ein echtes Upgrade zu garantieren.

Bernd Zitzelsberger: Das neue Spickelbad

Ursprünglich sei ein größeres Becken mit acht Bahnen geplant gewesen, während das Lehrschwimmbecken im Wesentlichen geblieben wäre. Er holte jedoch noch einmal Wasserwacht, DLRG, Schulsport, Triathleten, Taucher und die großen Augsburger Schwimmvereine mit ins Boot. Gemeinsam entstand ein anderer Ansatz. Das bisherige Becken bleibt in seiner Grundform bei sechs Bahnen, wird aber so verändert, dass alle Bahnen besser genutzt werden können. Dafür wird das Lehrschwimmbecken deutlich aufgewertet. „Jetzt haben wir also tatsächlich zehn Schwimmbahnen und einen Hubboden, den wir rauf und runter fahren können“, sagt Zitzelsberger. Gerade dieser Hubboden sei wichtig für kleine Kinder, Schwimmkurse und die Wassergewöhnung. „Ein Nichtschwimmerbecken hört sich immer so an, als ob das für Nichtschwimmer völlig unkritisch ist. Nein, ist es nicht“, sagt er. Auch dort gebe es Wassertiefen, die für kleinere Kinder nicht ohne Weiteres geeignet seien.

Das neue Spickelbad soll nach den Planungen mehr Wasserfläche bringen, im Sommer auch ein Außenbecken, dazu eine Aqua-Cross-Anlage für Kinder und Jugendliche, Textilsaunen und einfache Versorgungsmöglichkeiten. Zitzelsberger ist zufrieden: „Das wird ein echter Mehrwert, weil wir die Wasserfläche ungefähr um ein Drittel vergrößern. Die Anzahl der Schwimmbahnen wächst sogar um 60 Prozent, von sechs auf zehn 25-Meter-Bahnen.“

Bernd Zitzelsberger: “ Wir Vereinsschwimmer sind sehr bescheiden“

Der größere Wunsch bleibt dennoch das genannte 50-Meter-Hallenbad. Für Außenstehende mag das wie eine Spezialfrage des Vereinssports klingen. Zitzelsberger erklärt es mit der Trainingspraxis. Auf einer 25-Meter-Bahn werde ständig gewendet und abgestoßen. Bei jeder Wende komme ein Unterwasserteil dazu. Dadurch schwimme man im Training nicht unter denselben Bedingungen wie auf der langen Bahn. „Die großen Wettkämpfe ab bayerischer Ebene sind alle ausnahmslos auf der 50-Meter-Bahn“, sagt er. Für Wettkampfschwimmer und Triathleten sei das deshalb ein echter Unterschied. Zitzelsberger weiß, dass die Augsburger Finanzen solche Wünsche bremsen. Deshalb denkt er über Zwischenlösungen nach. Ein 50-Meter-Sportbad könne so gebaut werden, dass es später eingehaust werden kann. Eventuell gar mit einer temporären Traglufthalle. Entscheidend sei nicht der große Auftritt, sondern die zusätzliche Wasserfläche. „Wir brauchen weder goldene Wasserhähne, noch brauchen wir irgendwo eine besondere Atmosphäre. Wir Vereinsschwimmer sind sehr bescheiden.“

Auf längere Sicht hält Zitzelsberger am 50-Meter-Traum fest. Nur werde man realistisch bleiben müssen. Planungen vor 2030 oder 2032 seien schwierig, danach müsse man sehen, was finanziell und baulich möglich sei.

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