Nie ohne Helm und immer mit dem richtigen Tempo – das sind zwei der wichtigsten Hinweise, die die Polizei an alle Radfahrer gibt. Insbesondere an ältere Pedaleure gibt sie diese Hinweise aus aktuellem Anlass – denn die haben ein Risiko, Fahrradunfälle nicht zu überleben, wie es es lange nicht mehr gegeben hat.


Von den bisher 20 Verkehrstoten des Jahres 2023 in Nordschwaben waren neun Radler. Damit gab es in acht Monaten schon viel mehr tote Radler als in den vergangenen Jahren bei Unfällen mit Fahrradfahrern (2018: 2; 2019: 4; 2020: 7; 2021: 5; 2022: 5). Neben acht Senioren im Alter bis 84 Jahren kam auch eine 88-jährige Frau ums Leben. Acht von ihnen waren laut Polizei Unfallverursacher, in fünf der neun Fälle tödlicher Unfälle waren die Radler allein an ihrem allerletzten Unfall beteiligt. Es waren erschreckende Zahlen, die Polizei-Vizepräsident Michael Riederer jetzt bei einem Pressegespräch vorstellte. Durchaus ungewöhnlich, dass sich die Polizei außerhalb der üblichen Vorstellungen von Unfall- oder Verbrechensstatistik in dieser Weise zu Wort meldet, aber der Anlass gibt zu denken. Vor allem, weil die allermeisten beteiligten Radler längst erwachsen sind, also eigentlich in Sachen Einsichtsfähigkeit gereift sein sollten. Die Polizeistatistik stellt älteren Menschen auf zwei Rädern aber ein mangelhaftes Zeugnis aus: Von allen 32 in Nordschwaben seit 2018 getöteten Fahrradfahrern waren 27 Menschen über 65 Jahre alt und vier Menschen zwischen 51 und 64 Jahren. Im Alter zwischen zehn und 50 Jahren wurde niemand getötet, allerdings starb auch ein kleines Kind.


Bei dem Pressetermin wurde deutlich, dass es keine einfachen Wahrheiten gibt: „Nur“ drei der neun Getöteten fuhren mit einem E-Bike. Diese Räder ermöglichen auch weniger muskulösen Radlern relativ problemlos Geschwindigkeiten bis 25 Kilometer pro Stunde – ein Tempo, wo laut Polizei durchaus mit tödlichen Unfallfolgen gerechnet werden könne. Eine andere Wahrheit: Fast alle getöteten Radlerinnen und Radler dieses Jahres waren mit Helm unterwegs. Es gab aber auch Jahre, da trug kein einziger gestorbener Radler vorher einen Helm, weswegen laut Statistik zwei von drei toten Radlern ohne Kopfschutz unterwegs waren.

Vize-Polizeichef Michael Riederer schlägt Alarm


Dringender Hinweis von Riederer und seinen Kollegen an alle Radler: Niemals ohne Helm! Zwar sei der Radel-Boom zu begrüßen, er sollte aber keinesfalls mit steigenden Unfallzahlen erkauft werden. Auf demselben Blatt steht der Hinweis, die Geschwindigkeit anzupassen. Gerade E-Bikern sei gesagt, dass es auch andere Geschwindigkeiten als Null oder 25 km/h gibt. Selbstverständlich sein sollte die Einhaltung wichtiger Verkehrsregeln, etwa das Beachten von Rotlicht oder von Einbahnstraßen-Regelungen. Und dann ist da auch noch – passend zur herannahenden dunklen Jahreszeit – der Tipp, dafür zu sorgen, dass man erkannt wird. Ein gutes Licht am Fahrrad ist heutzutage kein Hexenwerk mehr und reflektierende oder gut sichtbare Kleidung ist bei Radlern sowieso immer im Trend.

Kanu Weltmeister, Radl-Star und der Kasperl werben für Helme

Die Polizei will sich mit Aktionen und Ähnlichem für mehr Verkehrssicherheit beim Radfahren einsetzen. Eine Kampagne, die helfen soll, heißt #Kopfentscheidung: Prominente wie Kanu-Olympionike Sideris Tasiadis (von Beruf Polizist), der Puppenkisten-Kasperle oder Profi-Radler Georg Zimmermann weisen darauf hin, immer mit Helm zu radeln.


Warnen tun auch Orthopäden und Chirurgen. Pedelecs und E-Bikes seien motorisierte Fahrzeuge, daher sollte bei aller Freude an der Bewegung nicht unterschätzt werden, dass mit einer konstant erhöhten Geschwindigkeit die Anforderungen zunehmen. Gerade Senioren sehen oft nicht die Bedeutung des Fahrradhelms für die eigene Sicherheit und verzichten auf das Tragen eines Helms. Bei einem Unfall setzten sie sich einer unnötig hohen Verletzungsgefahr aus.

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